Andenken an Gert Kriwetz

Vor mittlerweile über 10 Jahren machte ich im Netz Bekanntschaft mit einem sehr schreibwütigen Aufklärer namens Gert-Kriwetz, ein Österreicher. Er bat eine Erklärung, aber auch Lösungen für die Weltprobleme an, und schrieb sich die Finger wund, in der Hoffnung, mehr Menschen über die geistigen Hintergründe der Menschheitsprobleme aufklären zu können. Und das stets, ohne den Humor zu verlieren.

Was mir an seiner Arbeit sehr gefiel, war, dass er völlig auf Schuldprojektionen verzichtete, sondern es ging ihm vor allem um die Aufdeckung von Prinzipien, niemals um Personen oder Personengruppen, die er als Schuldige an den diversen Übeln betrachtete. Tatsächlich, und ich meine, ihn da auch richtig verstanden zu haben, bezeichnete er sogar das Prinzip der Schuldzuweisung als die Hauptursache für die Menschheitsprobleme, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Tatsächlich kenne ich keinen einzigen anderen Aufklärer, der so konsequent auf jegliche Schuldzuweisungen verzichtete. Alle anderen sehen die Hauptschuldigen entweder bei irgendwelchen geheimen Machtzirkeln, bei Anhängern dieser oder jener Ideologien, oder bei den Mitläufern und dem “dummen Volk”. Oder alles zusammen.

Gert Kriwetz trug zu den Diskussionen in Hans-Joachim Heyers damaligem Parsimony-Forum bei, an denen ich ebenfalls teilnahm, und er schrieb fast täglich seitenlange Beiträge in dem damals bekannten “Philtalk”-Forum. Beides gibt es schon seit Jahren nicht mehr: Die Parsimony-Foren gibt es seit 2008 nicht mehr, und mit deren Einstellung verschwanden auch sämtliche Diskussionen dort auf Nimmerwiedersehen. Und philtalk.de wurde schon 2006 nach einem Hackerangriff vom Netz genommen. Ebenfalls alles verloren.

Irgendwann hörte man nicht mehr so viel von Gert Kriwetz, und für mehrere Jahre dachte ich nicht mehr an ihn. Erst vor ein paar Monaten kam ich auf die Idee, wieder einmal nachzusehen, ob etwas von ihm etwas neues zu finden ist. Zu meinem Bedauern musste ich feststellen, dass er inzwischen verstorben ist, und fand eine Traueranzeige eines Grazer Bestattungsunternehmens. Gert Kriwetz wurde am 15. Februar 1951 in Graz geboren, und verstarb dort am 13. Februar 2017. Leider ist er nicht sehr bekannt geworden.  Ich kenne niemanden, der heute noch etwas ähnliches macht wie er.

Neben ein paar Fragmenten, die man noch auf verschiedenen Foren finden kann, ist da noch eine über 200-seitige Abhandlung von ihm im Netz erhalten geblieben, mit dem Titel “DER PROBLEMFALL MENSCH”, und der WordPress-Blog https://gertkriwetz.wordpress.com/, auf dem noch einige Texte zu finden sind. Darunter befindet sich auch ein etwas neuerer, auf 2015 datierter Aufsatz mit dem Titel “Wie kommt die Schuld ins Schuldgefühl? (Antwort: per Gesetz), die im Zusammenhang mit der Diskussion zum “deutschen Schuldkult” wieder aktuell ist. Für den Fall, dass auch diese beiden Dokumente irgendwann wieder vom Netz verschwinden, stelle ich sie hier auf meinem Blog zum Download zur Verfügung:

Auf der Kondolenzseite des Bestattungsinstituts findet sich ein Nachruf von einem gewissen Dipl. Werbefachmann Gert G. Ich denke, es geht in Ordnung, wenn ich ihn hier wiedergebe:

Liebe Familie, liebe hinterbliebene Freunde und Bekannte,

mit der Websuche nach einem alten Freund, den ich nur per Internet gekannt habe, stoße ich nach gestrigem und x-tem erfolglosen Anschreiben Gerts’ E-Mail-Adresse hier auf eine Nachricht, die mich sehr getroffen hat. Immerhin hat er mir beim letzten Schreiben einen Deut gegeben, dass es ihm nicht gut gehe, gar nicht gut. Aus dem Krankenhaus und von seinem Handy hat er mir in kurzen Worten geschrieben, wahrscheinlich schon sehr geschwächt, weil seine Schreiben sonst immer ellenlang gewesen sind und dieses letzte Mal eben nicht, dass es wohl nichts mehr werde.

Ich habe ihm geantwortet, dass das nicht so sein soll und gute Besserung gewünscht, obwohl ich bezüglich des genauen Leidens kein Wissen erlangt habe, weil ich dies in solcher Phase keinem antun würde – danach zu fragen – und weil es auch freiwillig kommen sollte. Gert ist immer einer meiner Lieblingsvirtuellen gewesen, da ich es immer sehr gemocht habe, die langen und schwierig zu verstehenden Texte zu lesen. Einmal hab ich ihm, da er Interesselosigkeit der österreichischen Bürgerschaft andeutete, erklärt, dass das Volk eben nicht daraufhin ausgebildet und ausgerichtet sei, solch extreme Texte zu lesen. Deswegen habe ja überall der Wandel vom Schwierigen, von der Qualität, hin zum Einfachen, dem Banalen stattgefunden.

Er hat in seinem Buch und per Mail auch genug über die Fremdzerstörung seiner ehemaligen Firma geklagt, darüber, wie wir die gesamte Umwelt behandeln, wohingegen mir das stete Bewusstsein menschlicher Feindseligkeit gegeneinander auch aus eigener Erfahrung bestens bekannt gewesen ist, gegen die er durch Aufklärung versucht hat anzukämpfen, aber bezüglich einer Verbesserung wegen der Egogesellschaft, in der jeder Normalbürger versucht, alleine gegen den nächsten anzukämpfen, während alle korrupten Kräfte und Mächte dies erfolgreich gemeinsam tun, sich chancenlos gesehen habend, schon länger – zu Recht – resigniert hatte.

Dies und vieles mehr hat mich mit eurem Gert verbunden wie auch das harte t im Vornamen, dass den meinen als Anagramm ziert. Gert ist stets ein ehrlicher und ehrbarer Mensch gewesen, der kämpfte, erklärte und mitmachte, wenn es darum ging, andere Leute über die Gefahren der Politik- sowie die Wirtschaftsverbrechen aufzuklären und zu bekämpfen. Traurig daran ist einfach gewesen, dass wir immer wieder haben erfahren müssen, dass Normalbürger lieber blind ins Messer laufen, als dass sie einem zuhören. So haben wir oft gemeinsam in verschiedenen Blogs gewirkt und Wahnsinn geerntet. Und trotzdem ist er bis zuletzt dem auch immer humorvoll gegenübergestanden. Auch als ich alleine weitermachen musste und er mich davor warnte, dass ich mir dadurch Gallensteine einhandeln würde, dass man das alles besser lasse, weil es einem sonst schlimm ergehe – wie ihm –, habe ich diese traurige Wirklichkeit durch die typisch abschwächende „eigene Wahrheit“ verdrängt, die es mir nun umso schwerer macht, mich von ihm zu verabschieden; und dass, obwohl mir diese Verdrängung bekannt ist und sie eine Menschenunart ist, die mir nicht nur wohl bekannt ist, sondern, auf die hin ich immer glaubte mich selbst effektiv zu überprüfen.

Gert war ein guter Mensch, mit gutem Herzen, der das Böse immer versucht hat zu bekämpfen; aber das Böse hat einmal mehr gewonnen.

In diesem Sinne verabschiede ich mich hiermit von dir, Gert, und fühle wirklich tief mit deinen Besten: Ruhe in Frieden!

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Kommentar auf Freemans Blog

Freeman stellte folgendes Umfrageergebnis des Meinungsforschungsinstitut “Statista” auf seinen Blog:

ChartZufriedenheitDemokratie

Es wurde die Frage gestellt: “Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Demokratie in Ihrem Land?” Mit Ausnahme der Inder sind die Deutschen am zufriedensten mit unserer (Schein-)Demokratie: 73% sagten “ja”. Wenn man das mit den Ergebnissen anderer Länder vergleicht, in denen teilweise noch mehr Rest-Demokratie existiert als bei uns (z.B. Volksentscheide), ist das wirklich ein deprimierendes Ergebnis (geht man einmal davon aus, dass man der Umfrage Glauben schenken darf).

Quelle: http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2017/10/deutsche-sehr-zufrieden-mit-der.html

Ich schrieb dazu folgenden Kommentar:

Ja, das ist schon ein erstaunliches Phänomen. Ich brauche Freunden gegenüber nur zu erwähnen, dass die Zustände in Deutschland und Europa sich ständig verschlechtern, wird sofort zugemacht: „Wieso? Ist doch alles super. Was hast du denn?“

80-90% der Deutschen ticken so. Nicht nur die alten, auch die jüngeren, leider. Die restlichen 10% fallen im Netz übereinander her, schieben sich gegenseitig die Schuld an allem zu, und beschimpfen sich stellvertreted für die „dummen Deutschen“ (also für die 80-90% anderen, die ihnen eh nicht zuhören würden). Typisch deutsch.

Immerhin verzichtete Freeman diesmal auf Kollektivbeschimpfungen der Deutschen. So gefällt er mir viel besser. Wahrscheinlich hat er allmählich begriffen, dass das auch nichts bringt.

Mit meinem Kommentar meinte ich übrigens die folgenden systemkritischen Gruppen, die sich untereinander z.T. spinnefeind sind, und aufeinander eindreschen:

  • Linke gegen Rechte
  • Altrechte gegen Neurechte
  • Libertäre gegen Sozialisten
  • Nichtwähler gegen AfD-Wähler
  • Christliche Fundamentalisten gegen Esoteriker
  • Esoteriker gegen Atheisten
  • Atheisten gegen christliche Fundamentalisten
  • Usw. usf.

 

Wähler und Nichtwähler

[Skript]

Jetzt ist es schon eine Weile her, dass ich mich das letzte mal öffentlich geäußert habe. Das liegt daran, dass ich in letzter Zeit mit einer Menge privater Probleme zu kämpfen hatte. Das macht zwar keinen Spaß, aber es hat mich auf das zurückgeworfen, was eigentlich wichtig ist. Zu viel hatte ich mich in letzter Zeit mit dem ganzen Politik-Mist beschäftigt, und mir darüber so viele Gedanken gemacht, dass ich eine zeitlang gar nicht merkte, dass ich dadurch beruflich ins Hintertreffen geriet. Dies wurde mir jetzt erst vor ein paar Wochen richtig bewusst, und stürzte mich erstmal in eine Krise. Dazu kam noch ein Wohnungseinbruch, bei dem mein Laptop gestohlen wurde, so dass ich auch erstmal keine Video mehr aufnehmen konnte.

Manchmal denke ich, wir machen uns zu viele Sorgen über einen möglichen Wirtschaftszusammenbruch, den Ausbruch eines Bürgerkriegs, oder des Dritten Weltkrieges — das sind ja alles reale Möglichkeiten — aber letztlich sind es dann doch oft die ganz “gewöhnlichen” privaten Krisen, die uns aus der Bahn werfen: Eine Krankheit, Depressionen, Probleme in der Familie, im Beruf, oder mit dem Partner, der Tod eines Angehörigen usw..

Eigentlich hatte ich vor, noch vor der Bundestagswahl etwas zu den Aufrufen mancher Systemkritiker zum Nichtwählen zu machen. Aber es macht überhaupt nichts, das jetzt mit einigem Abstand nachzuholen: Zum einen gab es genug andere Youtuber, die sich damit intensiv auseinander gesetzt haben, und die Irrationalität dieser Aufrufe mit guten Argumenten widerlegt haben, wie z.B. Hagen Grell, wir selbst, und Emperor Caligula, um nur einige zu nennen. Zum anderen hatte mich das Ganze damals noch viel zu sehr aufgeregt, so dass  es vielleicht gar nicht falsch war, damit erst mal gewartet zu haben. Außerdem ging es vor der Wahl vor allem darum, möglichst viele Leute zu überzeugen, doch noch wählen zu gehen. Es war ja Wahlkampf. Dagegen kann man das Ganze jetzt mit einem gewissen Abstand betrachten.

Jetzt könnte man sich vielleicht sagen: Die Bundestagswahl ist doch schon lange gelaufen. Ob jemand gewählt hat oder nicht, kann man jetzt eh nicht mehr rückgängig machen. Warum soll man jetzt noch ewig darauf rumreiten und sich gegenseitig Vorwürfe machen? Nun, ich halte auch überhaupt nichts davon, dass sich Nichtwähler und AfD-Wähler jetzt und in Zukunft gegenseitig die Schuld für all die Katastrophen zuschieben, die Merkel & Co in der kommenden Legislaturperiode anrichten könnten. Trotzdem war mir aber schon von Beginn an klar, dass dieses Thema auch nach der Wahl noch nicht vorbei sein wird, und zwar unabhängig von deren Ausgang. Dass manche Leute zur Nichtteilnahme an Wahlen aufrufen, ist zwar nichts neues. Diese Diskussion gab es auch schon bei früheren Bundestagswahlen. Aber so erbittert, so dogmatisch, ja, teilweise fanatisch wie das, was man dieses mal in den sozialen Medien und Kommentarspalten hören und lesen konnte, war die Auseinandersetzung noch nie. Die systemkritische Szene ist dadurch in zwei Blöcke gespalten worden, die wahrscheinlich gar nicht mehr, oder nur noch sehr schwierig zusammengefügt werden können. Wie konnte es nur dazu kommen?

Eins ist mir jedenfalls klar: Es geht hier nicht nur um die Frage, ob die Teilnahme an Wahlen richtig oder falsch ist. Wenn es nur das wäre, könnte man das Thema jetzt, wo die Wahl gelaufen ist, tatsächlich getrost auf sich beruhen lassen. Zumindest für die kommenden vier Jahre. Aber ich fürchte, die Sache geht tiefer: Wir haben es hier mit einer nach außen hermetisch abgeschlossenen Weltanschauung zu tun. Solange mir keine bessere Bezeichnung einfällt, nenne ich sie einfach mal die “Nichtwähler-Ideologie”. Ich möchte auch dazu sagen, dass ich in diesem Konflikt ganz auf einer Seite stehe: Ich war und bin immer noch der Meinung, dass es diesmal die richtige Entscheidung war, die AfD zu wählen. Es ist eine pragmatische Entscheidung, und bedeutet nicht, dass man diese Partei für so etwas wie ein Allheilmittel hält, dass man in allen Punkten mit ihr einverstanden sein muss, und dass es an ihr nichts zu kritisieren gibt. Das sollte so wie so selbstverständlich sein, und ich finde es seltsam, dass es überhaupt noch nötig ist, das zu erwähnen. Aber was Pragmatismus bedeutet, können die 150%-igen Nichtwahl-Ideologen offenbar nicht verstehen. Stattdessen basteln sie sich ein stereotypes Abbild des “Wählers”: Dieser gibt an der “Urne” seine “Stimme” ab, weil er glaubt, er könne damit Abgeordnete beauftragen, für die nächsten vier Jahre für ihn zu sprechen. Danach macht er nichts mehr und glaubt, dass die Partei, die er gewählt hat, für ihn die Welt wieder heile machen wird. Mal ehrlich — wohl nicht einmal die dümmsten CDU-Wähler stellen sich das so einfach vor. Im Übrigen habe ich offenbar meine Stimme noch nicht verloren, obwohl ich ein Stück Papier in eine Box geworfen habe — sonst könnte ich dieses Video nicht besprechen!

Was meine ich mit “Nichtwähler-Ideologie”? Mir kommt es so vor, als ob es sich um eine neue Form von Elitedenken handelt, und es hat etwas von Sektierertum: Wer noch glaubt, mit Wahlen etwas verändern zu können, kann in den Augen dieser Leute nur ein “Halb-Aufgewachter” sein. Einer, der noch nicht verstanden hat, dass alles, ausnahmslos alles, was in der Politik geschieht, schon lange von einer verborgenen Machtelite festgelegt wurde. Wir haben darauf überhaupt keinen Einfluss. Wer sich noch Hoffnungen macht, etwas zum Besseren verändern zu können, gilt als Schwächling und wird aus der erlauchten Gemeinschaft der wahrhaft Aufgewachten ausgegrenzt. Wer sich die hoffnungsloseste, düsterste, und grausamste Zukunftsvision ausmalen, und diese ertragen kann, hat gewonnen. Der darf sich als wahrhaft Aufgewachter bezeichnen. Alexander Wagandt sagte z.B. in der letzten “Tagesenergie” vor der Bundestagswahl so etwas wie, Wahlen könnten nichts verändern, und wer das immer noch nicht verstanden habe, dem könne man nicht mehr helfen. Klar, damit meint er natürlich: Mit Leuten, die das anders sehen als er, braucht er auch nicht mehr zu diskutieren, er braucht ihnen nicht einmal mehr zuzuhören, denn die sind ja unter seinem Niveau. Sorry Alexander, aber mit solchen Aussagen offenbarst du eine Arroganz, mit der du dich bei mir disqualifiziert hast.

Zugegebenermaßen enttäuscht war ich auch von Heiko Schrang. Noch vor ein paar Monaten sprach er im Interview mit Jo Conrad von seinem Engagement für GEZ-Verweigerer. Er sagte, er mache sich Sorgen über die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft: Die einen seien für Trump, die anderen gegen ihn; die einen für Flüchtlinge, die anderen dagegen; aber bei dem GEZ-Thema seien sich alle einig, darum sei das Thema so gut geeignet, um die Menschen zu einen und einen gemeinsamen Widerstand gegen die GEZ-Medien auf die Beine zu stellen. Diese Einstellung fand ich sehr sympathisch und ich sehe das auch heute noch so. Aber leider hat Schrang es mit seinem Aufruf zum Nichtwählen geschafft, selbst einen tiefen Keil in sein Publikum zu schlagen. Der ganze Kommentarbereich war voll von Beleidigungen und  Schuldzuweisungen. Kurz darauf lud Schrang einen Videonachtrag dazu hoch. Nun hätte ich zunächst gedacht, dass er damit vielleicht versucht hätte, den Streit zu schlichten und die verhärteten Fronten wieder auszugleichen. Dass er vielleicht nicht damit gerechnet habe, so viel Wirbel verursacht zu haben. Hätte ja durchaus sein können. Aber nein, stattdessen rechtfertigte er sich noch in diesem Video, und versuchte, seine Kritiker als lächerlich hinzustellen. Sogar Drohungen habe er erhalten, er solle mit seinen Aufrufen zum Nichtwählen aufhören. Gut, so etwas ist natürlich in keinster Weise akzeptabel. Aber Schrang vergaß zu erwähnen, dass da auch einiges an Beschimpfungen und Beleidigungen von Seiten seiner Unterstützer kam. “Dummes Wahlvieh” war da noch eine der harmloseren. Seine Meinung über das Wählen hin oder her, aber das hätte er auch rügen müssen. Es war also ziemlich einseitig, was sich Heiko da leistete.

Richtig lustig wird es, wenn einige behaupten, wählen gehen sei ein Straftatbestand, weil das Bundesverfassungsgericht irgendwann mal entschieden habe, dass Bundestagswahlen ungültig seien. Das heißt also, 40 Mio Deutsche müssen jetzt allesamt ins Gefängnis wandern, weil sie zur Wahl gegangen sind. Dazu müssen natürlich erst einmal sämtliche Mörder, Gewalttäter, Vergewaltiger, Einbrecher, und Wirtschaftskriminelle entlassen werden, um für alle Platz zu machen. Echt jetzt, solche Leute machen sich nur noch lächerlich. Überhaupt scheint mir dieses Herumreiten auf Paragraphen, die zum Teil noch aus der Zeit des Kaiserreichs kommen, ein typisch deutsches Phänomen zu sein: Die eigenen Interessen sind völlig egal, aber wehe es geht irgendwo nicht penibel genau nach dem Wortlaut des Gesetzes oder vermeintlicher Autoritäten wie dem Bundesverfassung zu, dann macht man auch mal den eigenen Landsleuten die Hölle heiß. Leute, nehmt euch mal ein Beispiel an den Polit-Kriminellen, aber  auch an den “Neudeutschen”: Die scheren sich schon lange nicht mehr um irgendwelche Gesetze — sie tun und lassen einfach was sie wollen. Aber an die traut man sich nicht ran, also beschimpft man lieber die Nachbarn, die eigene Verwandtschaft, seine Freunde, oder Mitlesende in Internetforen, und wenn’s zum eigenen Nachteil ist…

Seltsamkeiten kommen allerdings zum Teil auch von den AfD-Unterstützern, muss man der Fairnesskeit halber sagen: Viele hatten sich wohl ein besseres Ergebnis erhofft, doch als das nicht so eintrat, gingen wieder die üblichen Beschimpfungen auf die dummen Deutschen los, die ihren Untergang doch nicht besser verdient hätten. Gut, über 15% hätte ich mich schon auch gefreut. Aber den Super-Optimisten, die Prozentzahlen von 18% oder noch höher erwartet hatten, hatte ich nicht geglaubt. Es ist eben eine schmerzliche Tatsache, dass die moderne Statistik die zu erwartenden Ergebnisse doch meistens ganz gut vorhersagt. Und so war auch bei dieser Bundestagswahl. Sicher, bei den Mainstream-Meinungsforschungsinstituten besteht genug Grund skeptisch zu sein. Die bemühen so weit wie möglich, die Blockparteien nach oben und die “ungeliebten” Parteien möglichst nach unten zu rechnen. Aber z.B. Michael Klein von sciensfiles.org behauptet, mit seiner eigenen statistischen Methode die Ergebnisse relativ gut prognostiziert zu haben — und der ist ein Rechter oder zumindest ein Libertärer, weshalb man ihm nicht unterstellen kann, versucht zu haben, die AfD-Zahlen herunter zu rechnen. Gut, wie hoch der Einfluss von Wahlfälschung war, können wir schlecht sagen, solange keine eindeutigen Beweise dafür vorliegen. Aber man darf nicht den Fehler machen, seine subjektive Einschätzung allzu hoch zu bewerten. Es gibt ja manchmal Leute in den Kommentarspalten, die schreiben, sie kennen in ihrem Umfeld nur noch Leute, die Merkel weg haben wollen, und die AfD wählen. Sie könnten sich gar nicht vorstellen, dass die AfD weniger als 50% haben könnte, und dass es sich eindeutig um Wahlfälschung handeln müsse. Ich muss zugeben: Ich beneide diese Leute. Wenn ich nach meinem eigenen Umfeld gehe, dürfte die AfD höchsten 1% erreichen, und ich frage mich, wo die 12,6% sich wohl versteckt haben… Das erinnert mich übrigens an das Youtube-Gespräch zwischen Hagen Grell und Wolfgang Eggert, wo Eggert sagte, er sei fast nur mit Mainstream-Gläubigen zusammen. Hagen Grell, der in seinem Umfeld dagegen hauptsächlich mit Leuten aus der Gegenbewegung zu tun hat, hatte offenbar Mühe, sich das vorstellen zu können. Ich kann Eggert das nachfühlen, mir geht es ähnlich. Aber im Gegensatz zu ihm habe ich diese Rachegefühle gegen mein Mainstream-Umfeld nicht. Ich versuche, mit diesen Leuten klar zu kommen. Es nützt ja nichts.

Um ein kurzes Fazit zu ziehen: Viele scheinen mit diesem Frust nicht klarzukommen, und flüchten sich dann in subjektive, nach außen abgeschlossene Parallelwelten. Was ich auch gut nachvollziehen kann: Ich bin wie Wolfgang Eggert in meinem Umfeld fast vollständig von Mainstreamgläubigen umgeben, mit denen ich über die besorgniserregenden Zustände in Deutschland und der Welt nicht reden kann. Und jeder solche Versuch ist wie das Gefühl, gegen eine Betonwand zu rennen. Ich vermute mal, dass es den meisten, die im Netz ihren Frust und ihre Verzweiflung in Form von Beschimpfungen auf ihre Leser, Hörer, Mitdiskutierenden und sonstige Leidensgenossen abladen, genauso geht.  Aber, um zu meiner abschließenden Bemerkung zu kommen: Man kann sich doch als erwachsener Mensch auch mal zusammen reißen, wenn die Zeiten mal schwierig werden, und nicht alles so läuft, wie man das gerne hätte!

Mittagessen mit Kollegen

Heute beim Mittagessen mit zwei Kollegen. Eigentlich mag ich sie ja. Leider kamen sie auf die verhängnisvolle Idee, über Politik und die bevorstehenden Bundestagswahlen sprechen zu müssen. Schon wenn dieses Thema aufkommt, wird mir jedesmal schon Angst und Bange, weil ich immer im Vorraus schon weiß, woraus es hinausläuft. Und wie gewöhnlich wurden meine Befürchtungen wieder einmal noch übertroffen.  

Für die Wahlen verlassen sich die beiden auf den Wahl-O-Mat. Das war noch nicht einmal das Schlimmste. Schlimmer wurde es, als Merkel ins Gespräch kam. Wie toll sie doch das alles mit den Flüchtlingen gemacht habe, meine die eine. Naja, so toll doch auch wieder nicht, meinte der andere. Aber trotzdem, besser als sie hätte es kein anderer machen können, auf diesen gemeinsamen Nenner konnten sie sich dann doch einigen.

Ich schwieg. Mir veschlägt’s bei sowas leider jedesmal die Sprache. Immerhin wagte ich den Einwurf, dass Merkel doch bei der Grenzöffnung für die “Flüchtlinge” sämtliche nationalen und internationalen Verträge und Bestimmungen gebrochen habe. Davon hatten beide zwar noch nie etwas gehört, aber naja, im Notfall, wenn man diesen armen, verhungernden Menschen (>90% kräftige jungen Männer!) helfen müsse, seinen solche Regeln ja nicht so wichtig und dürften selbstverständlich auch mal  gebrochen werden. Dass Merkel aber bei weitem nicht bei allen so beliebt sei, meinte ich, da sie ja auf ihren Wahlveranstaltungen regelmäßig ausgebuht wird. Das fand die Kollegin aber echt gemein, weil unsere Berufspolitiker sich ja so aufopfern und das ja so eine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe sei, die sonst kein anderer machen wolle. Ich hätte heulen können…

Aber dann setzten sie nochmal einen drauf: Dass unsere europäischen Nachbarn doch mehr Flüchtlinge aufnehmen sollten, und dass die Dänen und Ungarn sich nicht so abschotten dürften. Wissen diese Leute etwa nicht mehr, dass es regelmäßig in Katastrophen mündete, wenn Deutschland seinen Nachbarn seine wahnsinnigen Ideologien aufzwingen wollte? Kaum zu glauben!

Es ist so unvorstellbar schräg, da sitze ich mit hoch studierten, überdurchschnittlich intelligenten Menschen zusammen, und sie haben nicht die geringste Ahnung, was in diesem Land auf sie zukommt. Obwohl selbst für jeden durchschnittlich intelligenten Menschen völlig offensichtlich sein müsste, dass keiner von uns vier weitere Jahre Merkel unbeschadet überstehen kann — sofern er sein eigenes Denken nicht vollständig für die Karriere aufgegeben hat.

Mir bleibt in solchen Situationen nichts anderes übrig, als eine kurzes Stoßgebet gen Himmel zu schicken, dass das Gespräch so schnell wie möglich vorbei sein möge. Ich muss ja mit diesen Leuten auskommen, mir bleibt keine Wahl. Zum Glück bin ich religiös, denn ich gehe davon aus, dass diese diesseitige Welt für jeden von uns nur eine kurze Episode von etwas viel größerem ist. So kann ich darauf Hoffen, dass diejenigen, die sich nicht der allgemeinen Gehirnwäsche unterwerfen und jetzt, in dieser Zeit, gegen den Strom schwimmen müssen, diese Mühsal einmal überstanden haben werden. Die anderen dagegen, die im Mainstream mitschwimmen und dadurch mit zur großen Katastrophe beitragen, werden diese ganze Scheiße nochmal, und nochmal, und immer und immer wieder durchlaufen müssen, bis sie es auch irgendwann einmal begriffen haben.

Das Hamsterrad der Kollektivschuld

„Wer nichts tut, macht sich mitschuldig“ hört man im systemkritischen Lager immer öfter. Daneben wird kräftig auf die dummen Deutschen (womit der Sprecher/Schreiber sich unbewusst meist selbst mit einschließt) geschimpft, und man wünscht ihnen möglichst bald die vernichtende Katastrophe an den Hals, an der „sie“ (der Sprecher/Schreiber wiederum selbst eingeschlossen) dann natürlich selbst Schuld sind und es nicht besser verdient haben. Diese Hassausbrüche werden immer schlimmer und entwickeln sich mehr und mehr zur einem Wahn. Der erfolgreich gezüchtete deutsche Selbsthass lässt grüßen. Es ist ein fruchtloses Hamsterrad in dem sich diese Leute drehen, denn gerade dadurch töten sie die Energie ab, die so dringend nötig wäre, um mehr Menschen zum Nachdenken und Aufwachen zu bringen.

Passend zum Thema bringe ich hier einen Schlagabtausch im Kommentarbereich eines der letzten Vidos von Antipaganda (https://www.youtube.com/watch?v=otv4sNabUB0), an dem ich beteiligt war. Das Video ist hervorragend recherchiert wie immer, aber leider nicht frei von diesem Kollektivschuld-Gedöhns.

„Langnasenaffe“ schrieb:

„Wer hier nichts tut, macht sich mitschuldig.“ Falsch. Diese These ist vollumfänglich anzulehnen. Wer nichts tut, tut nichts, tut also auch nichts für irgendwelche Umstände, ist also an selbigen auch nicht schuld. Dieser Unsinn der Schuld durch „sich nicht engagieren“ ist ein Baustein des Schuldkomplexes, der uns von linker und grüner Seite immer und immer wieder eingehämmert wird. „Du bist mitschuld an den Kriegen der Nato, weil Du nichts dagegen tust, also musst Du es ertragen, dass die Opfer Deines Nichtstuns (Afrikaner, Araber) nach Deutschland kommen!“ So funktioniert das die ganze Zeit, der Einwanderer als Ablassbrief der eigenen Schuld.

Dabei stimmt es nicht. Die Verbrechen anderer sind die Verbrechen anderer und niemand ausser dem Verbrecher selber ist daran schuld. Ich bin nicht moralisch verpflichtet, mein Leben damit zuzubringen, gegen die Verbrechen anderer zu kämpfen.

Wenn jemand etwas gegen Verbrechen tut, dann ist dies eine verdienstvolle Handlung, es stellt ihn heraus als besonders guten Menschen. Diejenigen, die nichts tun, tun aber einfach nur nichts und sind keinesfalls an irgendetwas schuld. Schuld ist immer nur derjenige, der die verwerfliche Handlung begeht. Was also bei den Kriegen der Nato nicht greift (Kollektivschuld) greift auch nicht bei dem Gesetzesbruch des Merkel-Regimes.

Selbstverständlich wäre es wünschenswert, wenn sich mehr Deutsche für die Einhaltung des Gesetzes engagieren. Dennoch ist derjenige, der nichts tut, also auch nicht den Gesetzesbruch verteidigt, nicht mitschuld am Bruch.

Ich war überrascht, dass tatsächlich mal einer diesen Standpunkt einnahm, mit dem ich mich schon eine ganze Zeit lang recht alleine fühlte, und antwortete:

Genau so ist es. Du bist einer der ganz wenigen, der diesen wichtigen Punkt überhaupt einmal erwähnt, und es müsste noch viel öfter und deutlicher gesagt werden (habe vor, selber auch mal etwas dazu machen). Tatsächlich glaube ich sogar, dass diese permanente Schuldzuweisung an völlig Unbeteiligte der eigentliche Grund ist, warum keiner mehr Lust hat sich aufzuraffen und etwas für die Gerechtigkeit zu tun. Wenn eh alle Deutschen dran Schuld sind, ist es ja egal was man macht, man trägt ja als Deutscher dann trotzdem stellvertretend für alle anderen Mitschuld, die nichts machen. Dann kann ich es auch verstehen, wenn sich die Leute denken, scheiß drauf, dann mache ich eben auch nichts.

Die Deutschen sind doch wohl tatsächlich auch das einzige Volk der Welt, dass sich selber die Schuld gibt, nicht genug gegen die eigene Verbrecherelite (als ob’s nur bei uns so etwas gäbe) zu unternehmen. Mao Tse Dong hat in China zu seiner Zeit schätzungsweise 30 Mio Menschen im eigenen Land auf dem Gewissen. Beschimpfen sich die Chinesen denn deshalb auch permanent gegenseitig, nicht genug dagegen getan zu haben?

„Hans Meier“ war damit nicht einverstanden und schrieb dazu:

Ihr übertragt den Schuldkult vom 2. Wk auf die aktuelle Situation. Gegen Merkel kann man noch aktiv werden und rebellieren – gegen Hitler nicht mehr. Naja Hauptsache man hat wieder was zu meckern und braucht nix tun. Und man hat einen Kommentar geschrieben – bis zum nächsten Video. Merkel bricht das Recht und alle gucken zu. Hauptsache man hat selbst nicht Schuld. Na dann kann sie ja fröhlich weitermachen. „Wie konnte es nur soweit kommen?“ „Warum machen die denn nix dagegen?“ „Wie konnte man das nur zulassen?“

Da hat er natürlich völlig recht. Diese Ausreden werden nicht mehr ziehen. Die Informationen über die laufenden Verbrechen sind schon lange ausreichend verfügbar. Keiner wird sagen können: „Davon kam nie was in der Tagesschau, woher sollte ich das denn wissen?“. Aber darum geht es nicht. Darum meine Antwort an Hans Meier:

Ich glaube, du hast nicht ganz verstanden. Es geht nicht darum, dass man nichts zu tun braucht, sondern vielmehr darum, dass die ständige Wiederholung der Floskel „wer nichts tut, macht sich mitschuldig“ und „alle Deutschen sind Schuld an der jetzigen Situation, weil sie nicht genug dagegen unternommen haben“ zu nichts führt. Im Gegenteil, es führt nur zu immer noch mehr Frustration und Apathie. Glaubst du wirklich, du kannst deine Mitmenschen dadurch wachrütteln, indem du ihnen das immer wieder unter die Nase reibst? Es ist gut, wenn man etwas tut, irgend etwas, egal was. Aber man kann auch etwas tun ohne permanent seinen Mitmenschen (einschließlich sich selbst!!) die Schuld dafür zu geben, wenn die Dinge nicht so laufen, wie man das gerne hätte.

Überleg mal, ca. 80-90% der Menschen haben gar nicht den Wunsch, dass sich irgend etwas verändert, die kann man sowieso nicht erreichen. Die laufen der Staatspropaganda hinterher und glauben, was um sie herum geschieht, sei normal. Die übrigen 10% sind überwiegend damit beschäftigt, sich gegenseitig die Schuld für die unerträgliche Situation zuzuschieben, während die Hauptschuldigen, nämlich diejenigen, die aktiv Gesetze brechen (Merkel und Co.), völlig aus dem Blickfeld geraten.

Die Deutschen sind das einzige Volk das ich kenne, das so verfährt.

Darauf kam dann keine Antwort mehr. Ergänzend möchte ich noch kurz den Denkfehler aufzeigen, den diese Volksbeschimpfungstypen machen: Sie möchten ihrem Ärger über die Schlafschafe Luft machen. Das sind die 80-90%, die ich in meiner Antwort an Hans erwähnte. Diese Schlafschafe sind für sie „die Deutschen“. Sie schreiben einen Blogeintrag, einen Kommentar oder machen ein Video, in dem sie ihren aufgestauten Hass auf „die Deutschen“ (wohlgemerkt: letztlich auf sich selbst!!) unbeherrscht abladen und denken sich: „Jetzt habe ich es den Schlafschafen aber gegeben!“. Nein, habt ihr nicht! Denn: Diese Schlafschafe erreicht ihr nämlich überhaupt nicht. Die schauen automatisch weg, sobald sie etwas sehen, was nicht dem Mainstream entspricht, weil ihr Realitätsfilterungsmechanismus, der ihnen antrainiert wurde, so reagiert. Faktisch beschimpft ihr nur die (maximal?!) 10% anderen, bei denen noch Hoffnung besteht.

In Wirklichkeit steht hinter euren antideutschen Hassausbrüchen nur die eigene Unfähigkeit, in der als unerträglich empfundenen Situation in Deutschland Haltung bewahren zu können. Das ist ehrlos und ich habe davor genauso wenig Achtung wie vor dem Verhalten der Schlafschafe!

Fefe sucht einen Klimaforscher

Der Blogger Fefe alias Felix von Leitner schrieb am 12. Juni diesen Blogeintrag:

Ich glaube, wir müssen mal eine Sendung über den Klimawandel machen. Es geht mir darum, dass mir in Gesprächen immer wieder Argumente begegnen, die ich gerne mal sammeln und damit einen Klimaexperten konfrontieren würde.

Aus meiner Sicht gibt es da mehrere Kategorien von Kritik. Ich bin nicht an allen interessiert. Religiöse Statements interessieren mich beispielsweise überhaupt nicht. Gott gab uns die Erde und so weiter, … bleibt mir weg damit.

Aber die anderen Kategorien, finde ich, muss man mal ordentlich diskutieren. Sowas wie:

  • Woher wollen die eigentlich wissen, dass es einen Klimawandel gibt?
  • Methodische Zweifel (wir erheben die falschen Daten, aus unseren Daten sind die Schlussfolgerungen gar nicht schließbar, für diesen Effekt gibt es auch andere Erklärungen, …)
  • Verständnisschwierigkeiten („CO2 hat bloß 0.04% Anteil, wie kann das solche Auswirkungen haben?“)
  • Zweifel an Schlussfolgerungen („der Klimawandel mag ja existieren, aber der ist nicht menschenverursacht“)
  • „CO2-Zertifikate sind Bullshit“

Ein Teil davon werden jetzt keine Klimaforscher-Fragen sein, sondern eher politische Fragen. Über die kann man ja trotzdem mal reden.

Was meint ihr? Gute Idee? Scheißidee? Wer Lust hat, kann mir ja mal ein paar Kritiken schicken. Aber nicht „guck dir dieses dreistündige Youtube-Video an“ sondern Bullet Points, gerne mit weiterführenden Links. Sonst kostet mich das Sortieren zu viel Zeit und das Projekt wird nichts, weil ich zu faul bin 🙂

Update: Was ich persönlich ja absolut spitze fände, ist wenn man in schöner Debattierclub-Tradition einen Klimaforscher findet, der dann aber aus sportlichen Gründen Argumente der Gegenseite nach besten Kräften vertritt. Wenn jemand jemanden kennt, der das machen würde, bitte ich um Kontaktherstellung!

Sorry, aber das ist echt rührend naiv. Fefe glaubt anscheinend an die Objektivität wissenschaftlicher Forschung, was ja mit zwei zugedrückten Augen noch durchgehen mag. Aber einen Klimawissenschaftler möchte er fragen, was von den Skeptikerargumenten, „die ihm in Gesprächen immer wieder begegnen“, zu halten ist? Um dann eine objektive Antwort von diesem zu erwarten?

Mein lieber Fefe, ein Klimaforscher hat seine eigene, private Meinung zum Thema Klimawandel, wie jeder andere an diesem Thema interessierte Mensch auch. Er hat einfach nur ein bisschen mehr Fachwissen als letzterer. Das hilft ihm aber nicht bei seiner Meinungsbildung, und deshalb kann seine persönliche Meinung genauso vielfältig ausfallen, wie bei jedem anderen denkenden Menschen auch. D.h. sie kann vom Nachplappern der vorgefertigten Mainstream-Version bis hin zum totalablehnenden Hardcore-Klimaskeptikertum reichen. 

Auf der anderen Seite hat ein Klimaforscher natürlich Interesse an einer Karriere, und er weiß genau, welche „Meinungen“ einer solchen förderlich sind und welche nicht. Jeder Klimawissenschaftler träumt z.B. davon, einen Fachartikel in „Nature“ oder ähnlichen Journalen mit hoher Reichweite (wissenschaftsdeutsch: „impact factor“) zu veröffentlichen, und das geht eben am besten, wenn man in der Einleitung erst mal ein bisschen über die „Gefahren des Klimawandels und wie wichtig es doch ist, mehr darüber zu wissen“ schwafelt. Ich hab das auch schon so gemacht (Schande über mich…). Ich weiß, ich weiß, das ist natürlich alles nur Verschwörungstheorie, und wahrscheinlich soll man dir damit genau so wegbleiben wie mit „religiösen Statements“ nach dem Motto „Gott gab uns die Erde und so weiter…“. Deswegen komme ich dir auch gar nicht damit, sondern schreibe das hier auch nur als „Selbstgespräch“ in meinen eigenen Blog.

Aber es kommt noch schlimmer: Da es nämlich recht anstrengend ist, sich neben der einer wissenschaftlichen Karriere förderlichen — und daher fremdbestimmten — „Meinung“, noch eine eigene, durch echtes Nachdenken gewonnene Meinung zu leisten, die man aber für sich behalten muss, weil sie möglicherweise nicht karriereförderlich ist, übernehmen die meisten Wissenschaftler einfach die fremdbestimmte „Meinung“ gleich als die eigene. Das ist bequemer, hat aber den Preis, dass man das Kunststück vollbringen muss, das eigene kritische Denken auszuschalten und tatsächlich zu glauben, dass die fremdbestimmte Meinung die eigene sei. Also, mir ist das schon vor Jahren unmöglich geworden, aber mich erstaunt immer wieder, wieviele das tatsächlich schaffen, auch heute noch. Das zeigt sich schon allein daran, dass viele meiner Kollegen bei diesem unsäglichen „March for Science“ mitgelaufen sind, über den ich bereits schrieb (mich macht das echt fertig…). Du, lieber Fefe, hast ja selbst auch die Verlogenheit dieser Veranstaltung erkannt, was löblich ist. Aber es scheint dir nicht bewusst zu sein, wieweit es wirklich mit dem kritischen Denken vieler Wissenschaftler her ist. Oder warum solltest du sonst glauben, ein Klimaforscher könnte dir bessere Antworten über skeptische Fragen zum Klimawandel geben, als ein selbständig denkender, gut informierter Laie? Überhaupt, was hat es in diesen Zeiten noch für einen Wert, sich „Wissenschaftler“ schimpfen zu dürfen, wenn heut zu Tage sogar diese Gender-Vollpfosten das dürfen?

Dabei ist das Ganze doch so einfach: Das gesamte Klimawandelthema ist politisch gewollt, und die Klimawissenschaft hat sich dem unterzuordnen, nicht umgekehrt. Würde sich morgen plötzlich der Wind drehen und die Elite würde sich (aus welchen Gründen auch immer) entschließen, dass es doch keinen Klimawandel gäbe, oder vielleicht sogar ein Klimaabkühlung, würden all diese hochstudierten Wissenschaftler plötzlich ganz schlaue und fundierte Artikel veröffentlichen, die beweisen, dass sich das Klima in den letzten Jahren doch abgekühlt hat, und in der Zukunft weiter abkühlen wird. Da es sich bei diesen Leuten um kluge Köpfe handelt, kriegen sie dieses Kunststück bestimmt hin. Sicher, das glaubst du natürlich nicht. Du suchst nach Antworten innerhalb der „Wissenschaftsmatrix“. Aber nur Mut, es gibt durchaus noch Wissenschaftler, die ihr eigenes Denken behalten haben, und die dir vielleicht privat und anonym ihre eigene Meinung dazu preisgeben. Vielleicht findest du ja so einen. Viel Erfolg!

Nur so aus Jux können wir die von dir gestellten Fragen ja trotzdem einmal kurz durchgehen:

Woher wollen die eigentlich wissen, dass es einen Klimawandel gibt?

Wer ist „die“? Aber egal. Dass es immer wieder heißt, es gäbe keine Diskussion mehr darüber, dass es eine Klimaerwärmung gäbe, ist eine politische Konsensentscheidung. Innerhalb der offiziellen Institutionen soll es keine Diskussion mehr darüber geben. Inoffiziell gibt es aber trotzdem immer wieder — unter anderem oft wissenschaftlich sehr fundierte — skeptische Stimmen.

Methodische Zweifel (wir erheben die falschen Daten, aus unseren Daten sind die Schlussfolgerungen gar nicht schließbar, für diesen Effekt gibt es auch andere Erklärungen, …)

Dazu gibt es massenweise Literatur und wissenschaftlche Artikel, durch die du dich durchkämfen müsstest. Das dauert jedenfalls länger als ein 3-stündiges Youtube-Video.

Verständnisschwierigkeiten („CO2 hat bloß 0.04% Anteil, wie kann das solche Auswirkungen haben?“)

Naja, auch kleine Mengen von etwas können große Auswirkungen haben. Würde man z.B. diese 0.04% CO2 komplett aus der Atmosphäre entfernen, würden alle Pflanzen sterben, weil diese auf CO2 angewiesen sind. An diesem Punkt könnten wir vielleicht sogar übereinstimmen, denn es ist tatsächlich ein schlechtes und unwissenschftliches Argument.

Zweifel an Schlussfolgerungen („der Klimawandel mag ja existieren, aber der ist nicht menschenverursacht“)

Siehe meine Antwort zum vorletzten Punkt.

„CO2-Zertifikate sind Bullshit“

Davon gehe ich auch aus. Es ist nur ein weiterer Trick, mit dem sich Börsenspekulanten auf Kosten der Völker bereichern können. Aber Spaß beiseite: Ich kenne keinen Klimawissenschaftler, der sich für CO2-Zertifikate interessiert, geschweige denn sich damit auskennt. Da wirst du schon einen Wirtschaftswissenschaftler fragen müssen. Und auch der wird dir zu >90% Wahrscheinlichkeit nur vorgefertigte Antworten von Drittmittelgebern präsentieren. 

Linke und rechte Systemkritiker driften immer weiter auseinander

In den letzten Tagen ist mir eine ungute Entwicklung bewusst geworden, auf die ich in diesem Beitrag eingehen möchte. Er knüpft direkt an meinen letzten Beitrag an, in dem ich den linken Systemkritikern vorwarf, dass sie die Gefahr der Islamisierung in Europa leugnen, verharmlosen, ignorieren, oder im besten Fall unterschätzen. Ich argumentierte, dass das daran liege, dass in dem Jahrzehnt nach dem 11. September 2001 (“9/11”) Islamkritik und Islamfeindlichkeit vom Mainstream weitgehend akzeptiert war, während es in den letzten paar Jahren genau umgekehrt zu sein scheint: Islamkritik wird von den Linken heute praktisch mit Rassismus gleichgesetzt. Diese Dynamik hat die unkontrollierte Masseneinwanderung nach Europa erst möglich gemacht.

Die linken Systemkritiker, die in den Jahren nach 9/11 den verbrecherischen Charakter der Angriffskriege der USA kritisiert haben, sehen deshalb die islamische Welt in erster Linie als Opfer. Wahrscheinlich aus diesem Grund weigern sich einige hartnäckig zu erkennen, welche katastrophale Situation durch die Masseneinwanderung von hautsächlich Moslems inzwischen in vielen europäischen Staaten entstanden ist. Die Frage ist, wie lange sie das noch durchhalten können, bevor sie völlig ihre Glaubwürdigkeit verlieren. (Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass, wenn ich von linken Systemkritikern spreche, ich weder die Antifa, noch die linksgrünen Politclowns, noch die toleranz-besoffenen Gutmenschen meine. Denn bei denen handelt es sich eindeutig nicht im Kritiker, sondern um Speichellecker und Nutznießer des Systems.)

Das heißt, in meinem letzten Beitrag habe ich vor allem die linken Systemkritiker aufs Korn genommen. Aber auch die Rechten müssen kritisiert werden, und das möchte ich in diesem Beitrag tun, denn dazu gibt es gute Gründe. Mir fällt nämlich in letzter Zeit immer häufiger auf, dass Gegner der Islamisierung den 11. September 2001 als „Beweis“ für die Gefährlichkeit des Islam heranziehen. Dabei übernehmen manche völlig unkritisch die „offizielle“ Version der Politiker und Mainstreammedien über dieses Ereignis. Dies stieß mir besonders auf, als ich Hagen Grells neues Video ”Wie viele Moslems sind radikal?” sah, in dem er ein englisches Originalvideo von einem Typen namens Ben Shapiro zu demselben Thema synchron übersetzte. Im wesentlichen ging es Shapiro um den Nachweis, dass die Mehrheit der Moslems mit islamistischem Terror symphatisieren, wobei er ein Reihe von Statistiken vortrug. Ob diese korrekt sind oder nicht weiß ich nicht.

Die Ungeheuerlichkeit kommt jedoch ab Minute 3:25, ganz beiläufig, so dass man es fast überhören könnte: 70% der Moslems in Indonesien würden nicht der offiziellen Darstellung der US-Regierung und der Mainstreammedien zu 9/11 glauben. Das erwähnt er in einem Atemzug mit der Unterstützung von Terroranschlägen! Ich zitiere hier eine kurze Konversation im Kommentarbereich unter dem Video zwischen mehreren Diskussionsteilnehmern und mir, weil es meinen Standpunkt dazu gut wiedergibt. Weiterführende Kommentare habe ich dazwischen geschrieben:

„Ruhr Pott“ schreibt:

Aha, er stellt in Abrede, dass 9/11 ein Inside Job war… da habe ich aufgehört zu gucken… aber dennoch: der Islam gehört nicht nach Europa und nicht in mein Land!

Naja, ich denke, du hast tatsächlich nicht allzu viel versäumt, wenn du nicht weiter geguckt hast. Was wir im wesentlichen lernen können, wie gefährlich der Islam ist. Das glaube ich sogar, aber der dicke Hund, den sich Shapiro mit der 9/11-Aussage geleistet hat, lässt mir seinen Glaubwürdigkeit in den Promillebereich senken.

Meine Antwort an Ruhr Pott:

Ja, ich stelle ebenfalls mit Unbehagen fest, dass Islamisierungskritiker — so berechtigt ihre Forderungen auch sind — wieder vermehrt 9/11 als Beispiel für die Boshaftigkeit des Islam heranziehen. Informiert euch mal, Leute! Es ist ja nicht so, dass nicht genügend Informationen zu 9/11 zu finden sind. Kleiner Recherche-Tipp für Anfänger: An 9/11 sind drei Wolkenkratzer eingestürzt, nicht zwei.

Aber das ist wirklich nur der Tipp für Anfänger. Es ist massig zu dem Thema zu finden. Und alles zusammen genommen kann einen nur zu dem einen Schluss kommen lassen: Dass die ganze 9/11 Geschichte, die uns die ganzen System-Huren präsentiert haben, eine einzige, gigantische Lüge ist.

An dieser Stelle schob ich eine kurze, an Hagen Grell adressierte Botschaft ein. Fett gedruckt, weil ich sie für so extrem wichtig halte. Ich hoffe aufrichtig, dass Hagen sie gelesen und sich zu Herzen genommen hat:

Hagen Grell: Du machst super Arbeit, aber BITTE PASS AUF! Es wird nicht funktionieren, eine Widerstandsbewegung auf einer weiteren Lüge aufzubauen. Das führt nur wieder in die nächste Katastrophe. Mit Sicherheit!

Dass ich seine Arbeit super finde ist übrigens ehrlich gemeint. Aber dass er aufpassen muss, auch! Hagen hat großen Mut und macht seine Recherche sehr gewissenhaft. Ich bin zuversichtlich, dass er sich nicht auf die schiefe Bahn ziehen lassen wird.

Ein anderer Diskussionsteilnehmer führt einen Entschuldigungsgrund für Ben Shapiro an:

Ben Shapiro muß aus politischen Gründen behaupten 9/11 wäre kein Inside Job. Das wäre sonst politischer Selbstmord wenn man eine Person des öffentlichen Lebens ist. Nur die unbekannte Masse der Bevölkerung kann die Wahrheit aussprechen ohne gleich Repressionen zu erleiden; besonders wir mit unseren Fake-Accounts.

Meine Antwort darauf:

Das gilt nicht als Entschuldigung. Wenn er es nicht sagen darf, warum erwähnt er dann 9/11 überhaupt? Es hat nichts direkt mit dem Thema zu tun und er hätte es problemlos außen vor lassen können. Es hätte vollkommen ausgereicht, wenn er sich auf die ECHTEN islamistischen Terroranschläge der letzten 2 Jahre bezogen hätte. Statt dessen stellt er alle 9/11 Skeptiker in dieselbe Ecke mit diesen religiösen Wahnsinnigen, die unschuldige Menschen ermorden. Das ist eine unverschämte Lüge und noch schlimmer, als der übliche „Verschwörungstheorie“-Vorwurf!

Was mich übrigens gefreut hat ist, dass im Kommentarbereich noch viele andere erkannt haben, dass es ein großer Fehler ist, wenn wir uns angesichts der Gefahr der Islamisierung dem Zionismus in die Arme werfen. Der Feind meines Feindes ist nicht notwendigerweise mein Freund. Beide Ideologien halte ich für wahnsinnig und lehne sie ab.

Passend schreibt heute „Oleum Camino“:

Viele Punkte die Ben Shapiro in seinem Video anspricht verraten seine Motivation… Er kritisiert Genital-Verstümmelung bei den Muslimen, Anhänger seiner Religion praktizieren diese aber genau so (Beschneidung bei Jungen). Er kritisiert, dass in Muslimischen Ländern ein großer Teil der Bevölkerung die USA bzw. Israel für 9/11 verantwortlich macht, verschweigt dabei aber dass es Studien gibt die Zeigen das selbst in den USA die Hälfte der Bevölkerung Zweifel an dem vorgegebenen Narrativ hat, etc… Typische Z-Propaganda halt!

Ganz meiner Meinung! Mir ist gerade sogar noch ein weiterer Widerspruch aufgefallen. Shapiro behauptet ja, die meisten Moslems würden mit Terror im Namen Allahs sympathisieren. Dann müssten sie ja ganz stolz auf ihren Osama gewesen sein, wenn er 9/11 mit seinen Gotteskriegern ganz alleine gemacht hätte. Mit welcher Motivation sollten sie dann glauben, dass der Anschlag von „Ungläubigen“ gefakt sein sollte? Das müsste für sie doch enttäuschend sein. Die ganze Argumentation passt hinten und vorne nicht zusammen. Wie üblich bei Propaganda.

Zum Schluss noch einmal kurz zurück zu den linken Systemkritikern: Ich kann gut verstehen, dass sie die Rechten ablehnen, wenn diese beginnen, wieder die alten Lügen aufzutischen. So driften linke und rechte Systemkritiker immer weiter auseinander.

 

Warum erkennen “linke” Systemkritiker die Islamisierung nicht?

Ich schreibe heute über ein Thema, das ich für sehr wichtig halte, dass aber zu meinem Erstaunen kaum erkannt wird. Kurz zusammengefasst, geht es um die Frage, warum es “linke” Systemkritiker gibt, die außerordentlich gut über die Hintergründe des Weltgeschehens und die von den Mainstream-Medien und Politikern verbreiteten Lügen Bescheid wissen, aber völlig versagen, wenn es darum geht, die Gefahr der Islamisierung und der Masseneinwanderung in Europa zu erkennen. Stattdessen scheinen sie ideologisch ein paar Jahre in der Vergangenheit stecken geblieben zu sein. Ich schrieb dazu einen  Kommentar unter das neue Video von “wir selbst” zu diesem Thema:

Da der Kommentar den Kern meiner Aussage schon recht gut zusammen fasst, zitiere ich ihn hier (mit einigen wenigen Korrekturen) und schiebe einige weiterführende Ergänzungen dazwischen:

Ein hervorragendes Video, wie immer. Du liegst völlig richtig. Die Islamisierung wird in den kommenden Jahrzehnten das bestimmende Thema sein, und wenn sich manche Leute noch so gegen diese Erkenntnis sträuben.

Es gibt aber noch einen anderen Punkt, der zu meiner Überraschung von praktisch niemandem thematisiert wird (obwohl Jürgen Elsässer das einmal erwähnte, wenn auch eher beiläufig), und der m.E. die Ursache für die extreme Spaltung in „linke“ und „rechte“ Systemkritik ist. Und das ist der geradezu gespenstische Zeitgeistwandel im Umgang mit dem Islam in den letzten 10 Jahren. Wer sich, wie u.a. ich, schon länger für die Hintergründe der Weltpolitik jenseits der Mainstream-Medien interessiert (ja, ich war mal ein „Verschwörungstheoretiker“ 😉 ), und die Geschehnisse nach dem 11.09.2001 verfolgt hat, muss einfach zu dieser Erkenntnis kommen.

Es ist nämlich zu befürchten, dass diejenigen, die erst seit der Flüchtlingskrise aus dem Tiefschlaf aufgewacht sind, das Jahrzehnt des US-amerikanischen Feldzuges gegen die islamische Welt (die ja damals, im Gegensatz zu heute, noch relativ abgeschlossen war) gar nicht mehr so bewusst wahrgenommen haben, jedenfalls was die Hintergründe außerhalb der Mainstream-Medien betrifft. Damals war nämlich einiges anders als heute:

In dem Jahrzehnt nach 9/11 war Islamkritik nämlich voll Mainstream. Ich erinnere mich noch, wie kurz nach 9/11 in der Glotze werbewirksam „durchschnittliche Bürger“ interviewt wurden, die in die Kamera sagten, wie viel Angst sie doch bekämen, wenn sie Männer mit schwarzen Bärten sähen, weil man ja nie wüsste, ob das nicht so ein islamistischer Schläfer sein könnte. Die Mainstrem-Medien versuchten also eindeutig, eine künstliche Angst vor dem Islam zu schüren.

Ja, das Hauptproblem sind leider damals wie heute immer wieder die Schlafschafe. Sie folgen immer nur dem Mainstream und machen sich keine eigenen Gedanken. Sagt man ihnen, der Islam sei gefährlich und eine Religion des Terrors, machen sie sich vor Angst in die Hose, wenn sie einen Mann mit schwarzem Bart auf der Straße rumlaufen sehen. Sagt man ihnen aber, wie heute, Moslems seinen so ein Art Halbgötter, denen man seine Frau, seine Kinder und all sein Hab und Gut opfern soll, dann opfern sie ihnen ihre Frau, ihre Kinder, und all ihr Hab und Gut. Das lustigste ist, dass sie selber gar nicht merken, dass sie heute etwas völlig anderes nachplappern, als noch vor wenigen Jahren.

Kurze Zeit später kamen dann die „Verschwörungstheorien“ auf, die die Mainstream-Version anzweifelten, der 9/11 Anschlag sei allein von Osama bin Laden und der Al-Kaida verübt worden. Diese wurden dann im Mainstream regelmäßig mit den Totschlagargumenten „Verschwörungstheorie“, „Antisemitismus“, und „Antiamerikanismus“ unterdrückt. Auch eine Verteidigung des Islam gegen Verallgemeinerungsvorwürfe, dass es sich bei ihm generell um eine Religion des Terrors handele, wurde mit Bezug auf das „Recht Israels, sich gegen den islamistischen Terror zu verteidigen“, als antisemitisch verleumdet.

Ja, das ist schon ulkig. Nach 9/11 war man ein Nazi, wenn man die Angriffskriege der USA gegen islamische Staaten kritisierte, weil der Islam ja Israel vernichten möchte, und man deshalb wie die Nazis antisemitisch war. Und heute ist man ein Nazi, wenn man Europa gegen die Islamisierung verteitigen will, weil man dann wie die Nazis ein Rassist ist.

Dazu kamen dann noch die durch 9/11 gerechtfertigen Angriffskriege der USA (mit eindeutiger Unterstützung Israels) gegen praktisch die gesamte Region des nahen Ostens und Nordafrikas, der die islamische Welt eindeutig im Licht des Opfers erscheinen lassen mussten. Ich sah das lange Zeit auch so.

Genau genommen sogar bis etwa 2014, obwohl mir schon damals bereits Zweifel kamen, wie es sein konnte, dass jeder, der das Problem der Migrantenkriminalität ansprach, von den Medien pauschal immer als Nazi dargestellt wurde. Tatsächlich war das schon Jahre vorher auch so, es ist mir aber weitgehend entgangen. Ich war also lange Zeit ein typisch linker Systemkritiker.

Erst mit Obama begann sich das Blatt fast unmerklich erst langsam, dann immer stärker zu wenden, bis es bis 2015 praktisch völlig ins Gegenteil verkehrt wurde. Ab da wurde der Islam im Mainstream bedingungslos und ausschließlich verteidigt, alles andere war „Nazi“. Zeitgleich ist der einst von westlichen Geheimdiensten inszenierte „islamistische“ Terror wie in 9/11 (und wer sich einmal unvoreingenommen mit 9/11 beschäftigt hat, muss einfach zu diesem Schluss kommen), echtem islamistischen Terror des IS gewichen. Leute, die nach 9/11 mit ihrer Islamkritik und Israel-Unterstützung voll auf Mainstream-Linie waren, befanden sich nun plötzlich auf der Gegenseite wieder (wie z.B. dieser Hendrik M. Broder, den ich mal für einen totalen Kotzbrocken hielt, der aber immerhin die Eier hat, seine Marschrichtung auch beizubehalten, nachdem sich der Wind gedreht hatte).

Oder auch Politiker wie Geert Wilders in den Niederlanden, ja sogar “unsere” Vorzeigefeministin Alice Schwarzer…

Übrigens: Wer erinnert sich noch an die Zeit, als die Antifa zu jeder „gegen Nazis“-Demo USA- und Israel-Fahnen geschwenkt haben? Das ist noch gar nicht so lange her, noch 2014 haben sie das auf ihren Gegendemos gegen die Montagsmahnwachen so gehandhabt. Heute lassen sie die Fahnen zu Hause, denn es passt nicht mehr in ihre Agenda: Die USA stehen heute für den von ihnen verhassten Trump, und Israel für Abschottung gegen des Islam.


Während noch von ein paar Jahren die USA für den Besatzungsstatus der BRD und den verlorenen 2. Weltkrieg standen, und Israel für die deutsche Schuld in Auschwitz. Das gefiel den Antideutschen natürlich.

Im Übrigen hat sich etwa zeitgleich zum Beginn der “Flüchtlingskrise” ein ähnlicher Wandel im Mainstream in Bezug auf Israel ereignet: Noch vor wenigen Jahren war die Israel-Lobby unglaublich mächtig, und jede noch so vorsichtige Kritik an selbst den schlimmsten Kriegsverbrechen (z.B. verbotene Phosphor-Bomben auf die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen) war absolut tabu und wurde als antisemitisch gebrandmarkt. Heute scheint Israel-Kritik aber wieder im Mainstream angekommen zu sein, und selbst globalistische Politiker können damit punkten. Noch vor kurzem wäre das politischer Selbstmord gewesen.

Um zum Punkt zu kommen, der Grund, warum diese „linken“ Systemkritiker, die du ansprichst, dabei versagen, die Gefahr der Islamisierung zu erkennen, ist m.E. der, dass sie bis vor ca. 10 Jahren mit ihrer Systemkritik noch durchaus richtig lagen, sich aber hartnäckig weigern, diesen Zeitgeistumschwung zu erkennen (Ken Jebsen ist ein prominentes Beispiel). Oder die Leute, die hinter jedem Anschlag ein False-Flag der Geheimdienste sehen. Oder diejenigen, die immer wieder Kommentare posten, dass doch Israel an allem Schuld sei. Alles auf dasselbe Phänomen zurückzuführen.

Sorry für den länglichen Kommentar, wollte es eigentlich kürzer machen, aber es ging einfach nicht. Das Thema ist zu komplex, und dies ist eh nur die Kurzfassung. Ich habe übrigens vor, zu dem Thema demnächst einen ausführlichen auf meinem Blog zu schreiben, weil es ja sonst niemand anderes macht.

Was ist hiermit versucht habe. Vielleicht mache ich zu dem Thema noch in paar Nachfolgebeiträge.

Ich hänge hier noch einen Kommentar von “Radio Restdeutschland”  an, sowie meine Antwort darauf:

Kommentar von R.R.:

Also habe ich das so richtig verstanden: Bis Obama, wurde der Islam als Feindbild aufgebaut, um die  Kriege in Nahost zu rechtfertigen. Als die Systemkritiker das durchschaut haben, ging mit Obama die Destabilisierung des arabischen Raums
inoffiziell als „arabischer Frühling“ weiter, der die Sympathie für den Islam in uns wecken sollte. So akzeptieren wir sie nun als „arme Flüchtlinge“ in unserem Land, wo nun die Destabilisierung weiter gehen soll. Gut, dass es da noch den „Islamischen Staat“ gibt, auf dessen „verdrehte Auslegung des Islams“ man die immer häufiger auftretenden Terroranschläge schieben kann. Denn so sehen wir die Gefahr nicht im „friedlichen Islam“ und schauen weiter Dschungelcamp.

Antwort Chris:

Hi R.R., du meinst, ob das alles schon von Anfang an schon als eine Art Masterplan so in der Schublade lag? Keine Ahnung, aber möglich ist es schon, wenn man sich die Folgerichtigkeit von allem ansieht, was passiert ist. Zunächst wird mit 9/11 als Rechtfertigung ein groß angelegter Feldzug gegen die arabische Welt gestartet, dann der arabische Frühling inszeniert, um die gesamte Region ins Chaos zu stürzen und die Migrationswege frei zu machen, um dann mit der „Flüchtlingskrise“ letztlich auch Europa zu destabilisieren. Es könnte so sein, vielleicht spielen aber auch andere Faktoren mit rein. Für möglich halte ich mittlerweile schon alles, auch wenn ich heute nicht mehr alles ganz so „verschwörungstheoretisch“ sehe wie früher.

Dass der arabische Frühling von westlichen Geheimdiensten inszeniert war, glaube ich heute allerdings schon. Es ist schon möglich, dass damit die Masseneinwanderung bereits vorbereitet wurde. Gaddafi hatte damals den Westen gewarnt, dass im Falle seines Sturzes Europa von Flüchtlingen aus Afrika überschwemmt werden würde, und genau so war es dann auch. Könnte der arabische Frühling auch dazu benutzt werden sein, um unsere Sympathie für den Islam zu wecken, damit  wir sie später leichter als Flüchtlinge akzeptieren, nach dem Motto: „Ach guckt mal, die Moslems wollen ja auch nur Demokratie und Freiheit, genau wie wir.“? Gut möglich. Damals habe ich das tatsächlich auch so gesehen, bis sich gezeigt hatte, dass dort nach den Umstürzen alles noch viel schlimmer wurde, als es vorher war. Von Demokratie keine Spur.

Worum es mir hauptsächlich geht ist die Frage, wie es sein kann, dass nach 9/11 der Islam erst künstlich als Bedrohung hochstilisiert wurde, vor dem man sich fürchten müsse (damals gab es ja noch nicht so viele Moslems in Deutschland wie heute, so dass noch keine reale Bedrohung da war), während heute der Islam durch die schiere Masse zu einem echten Problem geworden ist, man darüber aber nicht mehr sprechen darf. Ich weiß die Antwort nicht, aber was mich wundert ist, dass sich kaum jemand überhaupt die Frage stellt. Es gibt nur diese zwei verfeindeten Gruppen: Die einen sagen, der Islam sei gefährlich, und die anderen sagen, der Islam sei nur Sündenbock, aber keiner stellt fest, dass früher mal das eine, heute aber das andere richtig ist.

Dass dieser Umschwung im Mainstream von Anti- auf Pro-islamisch mit Obama kam, hatte Jürgen Elsässer irgendwo mal erwähnt, und es könnte Sinn machen: Bush bezeichnete sich als „wiedergeborenen“ Christen und hatte öffentlich gesagt, dass sein „Krieg gegen den Terror“ für ihn ein Kreuzzug sei. Obama dagegen stammte möglicherweise sogar selbst aus einer muslimischen Familie.

Der Punkt, worum es mir hauptsächlich geht, ist, dass es diese „linken“ Systemkritiker gibt, die immer noch in der Zeit nach 9/11 stecken geblieben sind und behaupten, der Islam sei nur der Sündenbock für den westlichen Imperialismus. Sie weigern sich zu sehen, dass es heute genau anders herum ist.

Logischer Kurzschluss

Ok, das wird jetzt eher kurz, aber es muss mal raus. Dem Hans-Joachim bin ich lange Zeit gefolgt, jedenfalls so lange, bis er sich zum bibeltreuen Christentum bekannte und seitdem glaubt, die Bibel sei das einzige wahre Buch und vollständig widerspruchsfrei. Das ist natürlich seine Sache, und nicht die meine, und damit könnte ich das Ganze auch auf sich beruhen lassen. Aber ein logischer Fehler scheint mir so gravierend, dass ich ihn nicht unerwähnt lassen möchte. Hans-Joachim schreibt:

Ich schrieb, die Bibel sei das einzig wahre Buch, und all die Millionen anderen Bücher seien, da materialistisch, falsch. Wie kann es sein, dass alle Wahrheit in einem Buch stehen kann, während die Wissenschaft, die ja vorgibt, Wahrheit zu suchen, so viele Millionen Bücher schreibt und nie damit aufhört? Nun, in der Bibel steht nicht alles, sondern bloß alles, was man wissen und beachten muss, um ein Bewusstsein zu bekommen, das fähig ist, die Wahrheit von allein zu erkennen. Zudem ist Faktum, dass es nur EINE Wahrheit, aber unendlich viele Lügen und Fehler gibt.

Nun ist aber seine gesamte Homepage, wenn man so will, auch nichts anderes als ein (ziemlich dickes) Buch, ein Internet-Buch. Da dieses sicherlich nicht mit der Bibel identisch ist, aber einzig und allein nur die Bibel wahr ist, ist demnach auch seine gesamte Homepage seiner eigenen Aussage nach materialistisch und damit falsch. D.h. seine eigene Homepage sagt über sich selber aus, dass sie falsch sei. Das erinnert an das Paradoxon des Epimenides: “Epimenides der Kreter sagte: Alle Kreter sind Lügner.” Steht übrigens selbst auch in der Bibel (Brief des Paulus an Titus, Kap. 1 Vers 12). Oder es erinnert an den Satz, der über sich selbst aussagt: “Dieser Satz ist falsch.” Ist er wahr, dann ist er seiner eigenen Aussage nach falsch. Ist er aber falsch, dann muss er wahr sein. Er kann also weder wahr noch falsch sein. Er ist einfach Unsinn. Ein logischer Kurzschluss.

Irgendwo anders schrieb Hans-Joachim, man könne die Bibel nicht von allein verstehen, sondern müsse sich auf Erklärungen und Interpretationen von anderen verlassen. Mal ganz abgesehen davon, dass es tausende sich völlig widersprechender Bibelinterpretationen gibt, stehen solche weiterführenden Erklärungen ja meistens ebenfalls in Büchern. Und da selbst Bücher über die Bibel nicht mit der Bibel identisch sind, ergibt sich wieder aus der eingangs zitierten Aussage, dass sie alle materialistisch und falsch sind, da ja — wir erinnern uns — nur die Bibel allein wahr ist. Das heißt, zum Verständnis der allein wahren Bibel muss man sich auf falsche Interpretationen derselben verlassen.

Oder gilt Hans-Joachims Aussage nur für gedruckte, gebundene und von Verlagen vertriebene Bücher? Dann könnten ja private Webseiten und Youtube-Videos trotzdem wahr sein? Ich weiß es nicht, aber ich sehe keinen Sinn mehr darin, mich weiterhin mit diesem Unsinn zu beschäftigen.

Hat Höllenangst einen Sinn?

Im Mittelalter kannten die Menschen so etwas wie Höllenangst, während wir uns das heute im (scheinbar) aufgeklärten Westen nur noch schwer vorstellen können. Da sich das säkulare westliche Wertesystem jedoch in der Auflösung befindet, könnte dieses Thema wieder aktuell werden.

Während es uns leicht fällt, in der Todesangt einen Sinn zu erkennen (evolutionärer Überlebensinstinkt), ist das bei der Höllenangst weit weniger klar. In diesem Video stelle ich die Frage, ob Höllenangst einen Sinn hat.

Ihr Blogger/ Youtuber / Aktivisten seid alle nur wie Sand

(Eine Anekdote oder vielleicht ein Gleichnis)

— Ein Gastbeitrag von Aberwissen —

(Es war einmal vor langer Zeit…) Den Stuttgarter Bahnhofsgegnern ging es nie nur um den gewohnten (quasi Teil ihres Lebens gewordenen) Bahnhof oder um die (profit-orientierten) Motive der Projekt-Lobby, sondern es sind ursprünglich auch Parkschützer. Mittlerweile ist der alte Bahnhof demoliert und der Park is längst zerstört. Die Bäume sind längst gefällt. Trotzdem gab’s weiterhin jeden Montag Demo, ausnahmslos, bis dato seit Jahren, und etliche regelmäßige weitere Protestaktionen. (Wenig davon in den Medien berichtet.) Der Protest ist enorm hartnäckig und ausdauernd und den Betreibern höchstwahrscheinlich ein durchaus störender, vielleicht sogar schmerzender, Stein im Schuh. Man kann auch noch nicht mal so ganz sicher sagen, dass das Projekt bestimmt trotzdem wie geplant durchgeboxt werden wird. Aber halt wahrscheinlich schon.

Aber meiner Meinung nach ist das gar nicht so wichtig. Das ist nicht das Wesentliche. Dazu ein Vergleich:

Angenommen auf dem Schulhof ist eine Gruppe und die schikaniert einen schwachen Einzelnen. Der bemüht sich ängstlich, die Gruppe zu beschwichtigen, aber die Gruppe schikaniert ihn immer heftiger. Wenn sich jetzt ein Anderer einmischt, ist dieser wahrscheinlich zu wenig, um dem Einen wirklich richtig effizient helfen zu können. Aber dennoch bringt es auch NICHT NICHTS, es bringt mindestens Irritation, vielleicht Abweichung, und es könnte sogar weitere Helfer ermutigen. Aber selbst wenn es bei dem einen Helfer bleibt, ist die Welt damit doch noch ganz klar besser als eine, in der alle Umstehenden nichts tun und nur gleichgültig glotzen.

Sand im Getriebe des Falschen und Schlechten ist immer noch besser als eine Welt, in der das Falsche und Schlechte völlig ungebremst und völlig ungehindert, also mit größter Selbstverständlichkeit einfach so seinen Lauf nehmen kann. Es ist gut, auch wenn es nur Sand ist.

Es wäre insofern sogar gut, selbst wenn es in manchem Fall fast oder auch absolut gar nichts gebracht haben würde. Aber nur die wenigsten Dinge sind völlig folgenlos. Sogar Kettenreaktionen sind nichts Seltenes, nur laufen sie häufig auch mal schleppend und allmählich, fast unmerklich ab.

Wir sind alle nur wie Sand. Wenige von uns sind wichtiger als ein Sandkorn am Meer. Und selbst die halten sich meist noch für wichtiger als sie sind. Es gibt immer welche, die würden fehlen, wenn sie nicht da wären. Aber allzu sehr wichtig sind sie nicht. Weil es das Menschenschicksal ist, dass das Leben auch ohne einen weitergeht. Deshalb sind alle nur wie Sand. Nichts als Sand. Längst haben sich die systemischen Einheiten unabhängig von Leuten verselbstständigt. Die systemischen Einheiten (wie Konzerne oder Parteien) können die Leute austauschen, und können die Leute weit überdauern. Leute sind nur zeitweilige Erfüllungsgehilfen. Als Individuen bedeuten sie nur so viel wie Sandkörner. Alles ist in Wahrheit klein und menschlich und nur Großmannssucht und kleinkariert und kleinlich wie Sand.

Alle Menschenleben verwehen wie Sanddünen am Meer. Sie werden vom Leben hin und her geschoben. Werden vom Leben hin und her gedrängt. Werden zur Seite oder abwärts geschoben, werden auch mal aufwärts geschoben. Werden zerstreut, formieren sich neu, usw.

Aber wenn wir nicht auch Sand im Getriebe sind, dann sind wir noch weniger als das. Denn dann sind wir nur das Getriebe selbst. Dann sind wir nichts. Und das Getriebe ist alles.

Der Sand im Getriebe des Falschen und Schlechten macht den Unterschied. Dieser lästige dumme kleine Sand im Getriebe, der Trotz, der Protest, die Reaktion, macht den feinen Unterschied zur absolut schlechten Welt aus. Den Unterschied zur Gleichgültigkeit.
Also ist es dann gut, auch wenn es nur Sand ist.

…Das war nicht das Wort zum Sonntag, sondern zum Wochentag, und zwar ein wenig aus Protest. Aus innerem Protest heraus schreibe ich diese Zeilen im Flüsterton. Ich finde es gut, wenn sich die Leute streiten. Es gibt wirklich wesentlich wichtige Gründe dafür. Es erscheint mir sinnvoll. Deshalb finde ich es gut, auch wenn es nervig ist, stressig ist, so andauernd und ständig.

Der Streit ist wie Sand, den die ganze Gesellschaft ins Auge bekommt.
Das ist gut so.
Sonst kümmert man sich nicht.

…Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, das ist klar. Aber das war nie anders. Damit muss man leben. Und der Dritte kann sich ebenso freuen, wenn sich niemand mehr kümmert.

Ohne Streit gibt es nicht mal mehr Sand, dann gibt es nur noch System und Maschinerie, wie unter klinischen, geistig sterilen Bedingungen. Und alles ist System. Wir sind organische Roboter, und nur noch Rendite bringt Leben. Als Freiheit zur Pause oder als Freiheit zur endgültigen Flucht.

Dann gibt es echtes Lebensgefühl nur noch ganz oben oder ganz unten. Und überall zwischendrin nur noch Ablenkung und Betäubung, und doch unangenehme Vorahnung.
Und Hoffen, aber auf was eigentlich? Wie soll alles besser werden? Ist das Gegenteil nicht wahrscheinlicher? Die Zeit rieselt wie Sand in der Sanduhr. Die Maschine läuft wieder wie geschmiert. Ich gucke ein Youtube-Video und bin wirklich sehr froh, dass es da ist. Jemand sieht die Dinge ähnlich…