Terroralarm

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33690/1.html

Eigentlich wollte ich mein Tagebuch gar nicht mehr mit diesem widerlichen Thema verschmutzen. Andererseit würde ein Schweigen ein indirektes Einverständnis mit der Medienberichterstattung bedeuten, oder gar das Eingeständnis, dass man sich hat einschüchtern lassen. Ich glaube zwar nicht, dass einer der Täter jemals meinen Blog lesen wird, aber immerhin wird es in die Statistik der Vorratsdatenspeicherung eingehen und dazu beitragen, dass den Verantwortlichen klar wird, wie viele sich inzwischen nicht mehr von dem Medienterror einschüchtern lassen.

Unsere Bundesregierung hat also wieder einmal eine Terrorwarnung ausgesprochen. Eine kleine Gruppe schwarzbärtiger Bombenfans habe vor, in den kommenden Tagen aus dem fernen Ausland nach Deutschland einzureisen und hier Ärger zu machen. Deshalb müsse man die Bevölkerung im Inland noch schärfer überwachen, ausspionieren und massiver bewaffneter Polizeipräsenz aussetzen, damit diese sich sicher fühlen könne. Und die systemnahen Dreckblätter wissen auch, was jeder Einzelne selbst tun kann, um die Ordnungshüter zu unterstützen: In jedem Straßenpassanten einen potentiellen Terroristen, in jeder Plastiktüte oder Aktenkoffer eine potentielle Bombe zu wähnen, und sich bei verhärtetem Verdacht notfalls gegenseitig zu denunzieren; aber ansonsten sich natürlich nicht einschüchtern zu lassen und versuchen, so weiterzuleben wie bisher. Für die meisten Menschen ist das zwar ein Widerspruch, aber für einen BILD-Reporter offensichtlich nicht, was Rückschlüsse auf seine gewohnheitsmäßige Tätigkeit zulässt.

Warum sollen wir so etwas noch ernst nehmen? Sind es doch genau dieselben Medien, die permanent dieselben Lügen über den „islamistischen Terrorismus“ verbreiten, und die längst aufgeflogene Verwicklung westlicher Geheimdienste in Al Kaida, 9/11, und andere Terroranschläge des vergangenen Jahrzehnts dabei permenent verschweigen. Leute, gebt es auf. Mit jeder weiteren Meldung dieser Art schrumpft die Zahl derer, die euch noch glauben!

Advertisements

Placebo

Vergangenes Wochenende las ich eine Arbeit des Physikers Henry Stapp (Quelle in englischer Sprache), in der er argumentiert, dass der Placeboeffekt viel besser zur Quantenphysik kompatibel ist, als zum Paradigma der klassischen Physik. Das Bild des Körpers als Maschine passt eher zu letzterem. Danach ist auch die Vorstellungswelt des Menschen nur ein Teil dieser Maschine, die vollständig nach physikalischen Gesetzen im Gehirn abläuft. Etwas nicht-materielles jenseits dieser geschlossenen physikalischen Welt kann es entweder nicht geben, oder selbst wenn es existierte, kann es nicht von außen in das physikalische Geschehen eingreifen. Dieses Paradigma ist immer noch das vorherrschende in der Medizin. Die Philosophen nennen es heute den Physikalismus. Demnach kann etwas nicht-materielles wie die Bedeutung des gesprochenen Wortes, die die Voraussetzung für die Funktionsweise des Placeboeffekts ist, keinen Einfluss auf das Schmerzempfinden des Patienten haben. Da die Wirkung von Placebo jedoch nachgewiesen ist, bringt dies die Vertreter dieses Paradigmas — meistens handelt es sich dabei um Lobbyisten der Pharmaindustrie — in Verlegenheit. Sie versuchen, den Effekt als Kausalkette physikalischer Prozesse darzustellen: Irgendwie geartete Prozesse im Gehirn des Arztes wirken auf dessen Sprachzentrum und führt zur Aussprache von Worten, die über Schallwellen an das Ohr des Patienten gelangen. Dort werden Prozesse im Gehirn der Patienten angeregt, die dann, wie oder warum auch immer, auf die Schmerzrezeptoren wirken, so dass der Schmerz nachlässt. Eine wirkliche Erklärung ist dadurch jedoch nicht möglich, da das Wesentliche dabei gar nicht auftritt, nämlich die Vorstellung im Gehirn des Arztes und des Patienten, dass es sich bei dem materiell eigentlich unwirksamen Placebo um ein Heilmittel handelt.

Das Quantenparadigma dagegen schließt nichtphysikalische Wirkungen auf die physikalische Welt nicht aus. Tatsächlich ist die Quantenmechanik in ihrer lehrbuchmäßigen Form nur dann konsistent, wenn man für den quantenmechanischen Messprozess dem Beobachter des Systems die Wahlfreiheit zugesteht, wie das Experiment durchgeführt wird. Die Messung ist nicht-physikalisch, sie ist selbst nicht Teil des Systems. Andererseits ist das Messergebnis durch den Akt der Messung determiniert. Das nicht-physikalische Bewusstsein des Beobachters wirkt auf die Physik. In diesem Kontext ist der Placebo-Effekt auf eine viel natürlichere Weise verständlich: Die Bedeutung der gesprochenen Worte hat einen Effekt auf den physischen Körper des Patienten. Eine vollständige Erklärung ist dies zwar ebenfalls nicht, aber es geht hier viel eher darum, inherhalb welchen physikalischen Paradigmas der empirisch nachgewiesene Placebo-Effekt überhaupt vorstellbar ist. Tatsächlich weist Stapp immer wieder darauf hin, dass die Physik schon lange Zeit weiß, dass die klassische Physik falsch ist. Trotzdem wird der Physikalismus aus politischen Gründen unter Ignorierung aller empirischer Fakten weiter am Leben gehalten.

Ich glaube auch, dass ein Verständnis der Placebo-Effekts der Schlüssel zum Verständnis der Wirkungsweise der Homöopathie sein könnte, obwohl viele Homöopathen es wohl nicht gerne hören, wenn man die Wirksamkeit der Homöopathie in Zusammenhang mit dem Placebo-Effekt bringt. Es ist durchaus möglich, dass es sich dabei um mehr handelt als nur um Placebo, aber gewisse Ähnlichkeiten in der Wirkweise kann man wohl annehmen. Und selbst wenn es sich nur um Placebo handelt, ist die Homöopathie damit trotzdem wirksam. Deshalb ist die derzeit wieder aufflammende Diskriminierung (im Gegensatz zu sicherlich berechtigter ehrlicher Skepsis) der Homöopathie von „Spiegel“ & Co ungerechtfertigt und der Verdacht drängt sich auf, dass dies nur wieder im Sinne der großen Pharmakonzerne ist.

Volksentscheide

Im vergangenen Sommer gab es im Hamburger Bezirk Eimsbüttel eine Bürgerabstimmung über die Errichtung eines neuen Bürogebäudes an der U-Bahn-Station, an der ich fast täglich vorbeikomme. Ein ziemlich hässlicher Flachbau sollte abgerissen werden, und einem schicken Klinkerbau Platz machen. Eine Mini-Version von Stuttgart 21 also. Als ich das erste Mal auf einem Flugblatt der CDU-Bezirksfraktion von dem Projekt las, dachte ich mir: Nun, dieser Flachbau ist tatsächlich nicht schön, vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Ich dachte, die Gegner des Projekts sind wahrscheinlich eine Gruppe von extremen Ökos, die gegen jede Art von Bauvorhaben protestieren. Da vor der Abstimmung überall Flugblätter der Projektgegner mit der Internetseite der Isebekinitiative herumhingen, wurde ich doch neugierig und informierte mich über deren Argumente. Ich staunte nicht schlecht: Die Bürgerinitiative informierte, dass sie schon jahrelang gegen dieses Projekt kämpft, und dass sich die Bezirksversammlung immer wieder neue Manipulationen einfallen ließ, um es doch noch gegen den Willen der Eimsbüttler durchzubringen. So wurden die Forderungen der Initiative zum Schein angenommen und so verdreht, dass sie genau das Gegenteil ihrer ursprünglichen Bedeutung bekamen. Letztlich überzeugt wurde ich jedoch durch die Tatsache, dass die Beziksversammlung ein gefälschtes Bild auf ihre Flyer druckte, um das für den Bau vorgesehene Gelände absichlich häßlicher erscheinen zu lassen, als es ist. Ein von der Rodung bedrohtes Biotop wurde einfach herausgeschnitten. Weil ich ganz in der Nähe wohne, war es für mich leicht, mich zu überzeugen, dass das Gelände ganz anders aussieht, als auf dem zusammengestückelten Bild dargestellt. Da war mir dann klar: Warum soll ich für so ein Projekt stimmen, wenn ich von den Befürwortern auf diese Art und Weise belogen werde? Tatsächlich gab es sogar noch mehr gute Argumente, warum es für die meisten Bürger im eigenen Interesse war, gegen das Projekt zu stimmen, denn was nützt es den meisten, wenn es noch mehr Büroraum in Hamburg gibt, obwohl doch überall so viel Büroraum leer steht? Was Hamburg braucht, ist bezahlbarer Wohnraum! Tatsächlich wurde das Projekt dann auch im Bürgerentscheid abgelehnt — der Manipulationsversuch war missglückt.

Ein paar Wochen später traf ich dann leider die falsche Entscheidung. Hier ging es um die Hamburger Schulreform und die Verlängerung der Grundschule von vier auf sechs Jahre — ein weitaus wichtigeres Thema. Auch hier vermutete ich wieder Manipulation von Seiten der Stadtpolitiker und stimmte gegen die Reform. Ich hatte mich aber nicht gut genug informiert und bereue heute meine Entscheidung. Heute glaube ich, dass die Reform gut gewesen wäre, und dass in diesem Fall die Manipulation nicht von Seiten der Politik, sondern von der Volksinitiative gegen die Schulreform ausging. Unter letzteren befinden sich auch Sozialdarwinisten der übelsten Sorte. Es wäre besser gewesen, als nicht direkt Betroffener gar nicht zur Abstimmung zu gehen. Wenn man an einer Abstimmung teilnehmen will, sollte man sich immer beide Seiten ansehen, um sich wirklich ein Urteil bilden zu können, wo manipuliert wird. Das hatte ich im Fall der Schulreform nicht gut genug getan.

Heute fand ich, dass Hanjo Heyer über dasselbe Thema geschrieben hat:

Schön wäre es, wenn jeder Bürger die Grenzen seiner Verantwortung kennen und anwenden würde: Wer sie nie um Stuttgart21 gekümmert hat, sollte sein Urteil über Für und Wider auf Unbestimmt vertagen. Wer bei Bundestagswahlen keine Ahnung von Politik hat, sollte keine Stimme abgeben. Hier kommt natürlich erschwerend ins Spiel, dass der Bürger von den Politikern immer und überall in allen Dingen nach Strich und Faden belogen wird. Dieser Mega-Betrug, der eigentlich strafbar ist, verhindert jeden Ansatz von Demokratie bereits im Keim. Die Politiker rechtfertigen sich mit dem Argument, dass der Bürger unündig sei und deshalb belogen werden müsse. Ich hingegen fürchte, dass es sich umgekehrt verhält: dass der Bürger unmündig ist, weil er rund um die Uhr betrogen wird.

Widerspruchsbeweis

Die Mathematik kennt zwei Arten von Beweisen für mathematische Lehrsätze. Der erste Typ ist der direkte Beweis. Dabei werden Schritt für Schritt leicht einzusehnde Argumente aneinandergereiht, so dass am Beweisende die ursprüngliche Behauptung als wahr erkannt werden kann. Als Beispiel möchte ich hier den Satz des Pythagoras bringen. Er sagt aus, dass in einem rechtwinkligen Dreieck, dessen beiden an dem rechten Winkel angrenzenden Seiten (Katheten) die Längen a und b, und die gegenüberliegende Seite (Hypothenuse) die Länge c hat, gilt: Die Summe der Quadrate von a und b ist gleich dem Quadrat von c. Mein Lieblingsbeweis des Satzes von Pythagoras (es gibt sehr viele) ist in dem Bild unten dargestellt (Quelle: Wikipedia):

Pythagoras.svg

Man kann vier Kopien des rechtwinkligen Dreiecks auf diese zwei verschiedenen Weisen in ein großes Quadrat der Seitenlänge a+b einbetten, so dass einmal ein einziges Quadrat der Seitenlänge c übrigbleibt, und einmal zwei Quadrate mit den Seitenlängen a und b. Damit kann man verstehen, dass der Satz des Pythagoras richtig ist.

Der zweite Beweistyp ist der indirekte oder Widerspruchsbeweis und ist etwas mehr tricky. Hier geht man zunächst von der Annahme aus, dass der zu beweisende Lehrsatz NICHT gilt, und zeigt dann, dass dies zu einem Widerspruch zu den Voraussetzungen führt. Damit hat man bewiesen, dass der Lehrsatz stimmen muss. Das Musterbeispiel eines Widerspruchsbeweises stammt von Euklid und besagt, dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Euklid ging zunächst von der Annahme aus, dass es nur endlich viele Primzahlen gäbe. Dann könnte man sie alle miteinander multiplizieren und zu dem Ergebnis 1 dazuaddieren. Die sehr große Zahl, die sich dann ergeben würde — nennen wir sie A — müsste sicherlich größer sein, als alle Primzahlen, die zur Bildung von A beigetragen haben. Da es keine weiteren Primzahlen mehr geben dürfte, dürfte A selbst keine Primzahl mehr sein. Da alle Nicht-Primzahlen durch mindestens eine Primzahl (die 1 ist keine Primzahl) teilbar sein müssen, müsste A durch mindestens eine der Primzahlen, aus denen sie gebildet wurde, teilbar sein. Das ist sie aber nicht, denn es bliebe immer der Rest 1 => Widerspruch zur Voraussetzung!! Damit ist bewiesen, dass es unendlich viele Primzahlen geben muss.

Warum schreibe ich das hier? Es geht mir hier um den Beweis, dass es ein Jenseits gibt. Das ist zwar keine mathematische Aussage, aber vielleicht gelten hier ähnliche Prinzipien wie in der Mathematik. Es hat sicherlich viele Versuche gegeben, direkt auf die Existenz eines immateriellen Jenseits zu schließen, man denke nur an die vielen Gottesbeweise in der christlichen Theologie. Soviel ich weiß, sind sie alle gescheitert. Aber vielleicht ist ein Widerspruchsbeweis erfolgversprechender. Tatsächlich scheint es so zu sein, dass von der westliche Wertegemeinschaft, die aufgrund ihrer eigenen Korruption selbstverschuldet von der Auflösung bedroht ist, seit ein paar Jahrhunderten ein äußerst aufwändigen und langwieriger Widerspruchsbeweis für die Frage nach dem Jenseits durchgeführt wird. Seit dem aufkommen der wissenschaftlichen Methode und der europäischen Aufklärung tun wir so, als ob es ausschließlich das Diesseits gibt. Das ist die Voraussetzung: Für den Beweis muss zunächst für die Erklärung sämtlicher beobachtbarer Phänomene davon ausgegangen werden, dass die Welt vollständig und lückenlos mit Physik erklärt werden kann. Würde man unter diese Annahme zu einem Widerspruch zu den Voraussetzungen gelangen, namlich, dass wir vernunftbegabte Wesen sind, die in der Lage sind über Experiment in der realen Welt Wissen über physikalische Gesetzmäßigkeiten zu erlangen, wäre damit bewiesen, dass es eine geistige Realität gibt, die zwar nicht-physikalisch ist, aber auf die physikalische Welt Einfluss nehmen kann. Die Gehirnforschung, die von dieser Vorraussetzung nach wie vor ausgeht, ist ja tatsächlich auch schon dermaßen selbstwidersprüchlich, dass sie diese Voraussetzung eigentlich langsam verwerfen müsste. Hoffentlich können wir dieses Projekt verwirklichen, bevor der Westen völlig den Bach heruntergeht.

Hier ein Beispiel für die vielen Selbstwidersprüche der Gehirnforschung von Ingo-Wolf Kittel:
http://www.sprache-werner.info/Off_Brief_Singer.1967.html

Von Viren und Religionen

Religion ist doch kein Virus:

Die Memetikerin Susan Blackmore veränderte ihre Haltung zur Religion, weil diese kein „schädliches“ Mem sein kann, wenn die Religiösen mehr Kinder als die Atheisten haben

Eigentlich ist es ein ziemlicher Schwachsinn, jeden Quatsch immer gleich mit der Evolutionstheorie erklären zu müssen, aber manchmal mag es hilfreich sein. Die Idee mit den Memen vom Herrn Dawkins finde ich zum Beispiel recht gut. Natürlich ging es ihm bei der Erfindung der Memetik im Wesentlichen darum zu beweisen, dass alle Religionen Mist sind. So soll es nützliche Meme (wie die wissenschaftliche Methode) geben, die überleben, da sie ihren Trägern (= uns Menschen) Überlebensvorteile bieten, und unnütze, die ihren Trägern zum Nachteil sind und deshalb aussterben. Und dann halt noch die Viren, die sich zwar erfolgreich auf Kosten ihrer Träger ausbreiten, aber zerstörerisch sind und unbedingt vernichtet werden müssen. Also die Religionen eben. Da kann man sich natürlich die Frage stellen, nach welchem Kriterium denn dann die „nützlichen Meme“ von den „Viren“ zu unterscheiden sind, da doch beide erfolgreich in ihrer Ausbreitung in den Hirnen ihrer Träger sind. So hat sich das Bestseller-Mem „Der Gotteswahn“ zwar rasant ausgebreitet, aber ist es deswegen ein nützliches Mem oder ein Virus? Im Kontext des Darwinismus gibt es doch kein gut oder schlecht, ja nicht einmal ein richtig oder falsch, sonder nur Erfolg oder Misserfolg. Da werden Sie wohl an ihrer atheistischen Philosophie noch etwas basteln müssen, Herr Dawkins!

Genau dieser Schwachpunkt ist der atheistischen Memetikerin Susan Blackmore jetzt wohl auch aufgefallen. Wenn die Religions-Meme ihre Träger offenbar nicht daran hindern, sich zu vermehren, kommt man leicht in Erklärungsnot wenn man begründen will, warum es sich dabei um einen bösartigen Virus handeln soll, wenn man um jeden Preis innerhalb einer darwinistischen Argumentationskette bleiben will. Darum stellt sich Blackmore also die richtige Frage, welchen evolutionären Sinn (obwohl es so etwas im D. nicht gibt) die Religionen denn haben könnten, obwohl sie nach ihrere Überzeugung ja alle falsch (obwohl es auch „falsch“ im D. nicht geben kann) sind.

Ich möchte diesen Atheisten jetzt mal entgegenkommend sein, und ebenfalls innerhalb des Darwinismus argumentieren. Der Sinn der Religionen könnte sein, dass es nur in einem religiösen Weltbild so etwas wie Moral entwickeln konnte. Lehnt man alle Vorstellungen von einer geistigen Realität konsequent ab, muss man zwangsläufig immer wieder zu dem Schluss kommen, dass es keine Moral geben kann. Tatsächlich behaupten ja auch viele heutige Philosophen, dass man alle Vorstellungen von Moral oder einem Naturrecht aufgeben müsse. Es gebe nichts an sich Gutes und Schlechtes, sondern nur anerzogenes Moralempfinden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Druck zum „Physikalismus“, der alle geistigen Realitäten ausschließt, in der Uni-Philosophie heute so groß ist, wie es der Philosphie-Prof Thomas Metzinger sagt.

Da Moral aber für den Fortbestand der Menschheit überlebensnotwendig war und immer noch ist, mussten sich Religions-Meme entwickeln. Der amoralische Neoliberalismus, der heute fast alle Bereiche unseres Lebens beherrscht, konnte sich nach dieser Logik nur aus einem physikalistischen, atheistischen Weltbild heraus entwickeln und nicht aus dem Christentum, wie das in manchen linken Blogs behauptet wird.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Ich möchte keinem Atheisten absprechen, dass man nicht moralisch handeln kann, wenn man die traditionellen Religionen ablehnt. Aber mit den vielen Widersprüchen, die ein ausschließlich physikalistischer Ansatz mit sich bringt, sollte man (= der gemeine Atheist) sich schon einmal Gedanken machen, sonst wird man irgendwann nicht mehr ernst genommen.