Finanzkrise

Es ist ja bekannt, dass eine Spielbank im Mittel immer gewinnt. Sonst wäre sie ja doof. Diese Leute haben Mathematiker angestellt, die sich mit Wahrscheinlichkeitsrechnung auskennen, und wenn nur genügend viele Leute genügend lange spielen, werden die Wahrscheinlchkeitsrechnungen immer bestätigt. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Trotzdem gibt es immer wieder Schlaumeier, die meinen, durch geschickte Strategien („Systeme“) Vorteile bekommen zu können. Diese Systeme können zwar in Einzelfällen mal funktionieren, aber wenn man nur lange genug spielt, bringt es nichts, und es bestätigen sich immer wieder die berechneten statistischen Wahrscheinlichkeiten. Mit entsprechendem Vorteil für die Bank, versteht sich.

Eines dieser Systeme, die sich einige Zocker mal ausgedacht haben, und mit dem man beim Roulette „mit Sicherheit“ z.B. 1 Euro verdienen kann, geht folgendermaßen: Man setzt einen Euro auf eine Farbe (z.B. „rot“). Es gibt beim Roulette 37 Nummern (1 bis 36 und die Null), die alle mit der gleichen Wahrscheinlichkeit vorkommen, 18 davon sind schwarz, 18 sind rot. Die Null hat keine Farbe, verliert immer, und liefert der Bank ihren Vorteil. Wenn man auf Farbe setzt, bekommt man den doppelten Einsatz wieder ausbezahlt, in diesem Fall also 2 Euro, macht einen Gewinn von 1 Euro. Gewinnt man, hat man den Euro also gewonnen und kann heimgehen. Verliert man, setzt man in der nächsten Runde das doppelte, also 2 Euro, hat also inklusive des in der letzten Runde verloren einen Euro insgesamt 3 Euro in die Bank einbezahlt. Gewinnt man, bekommt man den doppelten Einsatz von 4 Euro ausbezahlt, macht wieder einen Gewinn von 1 Euro, und man kann nach Hause gehen. Ansonsten setzt man in der dritten Runde wieder die doppelte Menge, sprich 4 Euro, macht einen Gesamteinsatz von 1+2+4=7 Euro. Gewinnt man diesesmal, bekommt man 8 Euro ausbezahlt, und man hat seinen einen Euro Gewinn wieder beisammen. Man verdoppelt also jedesmal, wenn man verliert den Einsatz, so lange, bis man einmal gewonnen hat. Da man mit Sicherheit irgendwann einmal gewinnt, macht man auch mit Sicherheit einen Reingewinn von 1 Euro.

Der Haken bei der Sache ist nur, dass man leider nicht unendlich viel Geld zur Verfügung hat. Wenn man nur oft genug hintereinander verliert, ist man pleite und kann nicht mehr mitspielen. Wenn man sich die Wahrscheinlichkeit für einen Totalverlust ausrechnet, ergibt der Erwartungswert wieder genau den ursprüngichen Bankvorteil.

Was hat das Ganze jetzt mit der Finanzrkise zu tun? Ganz einfach: Hier sind genau solche Zocker am Werk, die keine Ahnung von der realen Welt haben und meinen, sie hätten Strategien, mit denen sie immer gewinnen können. Arme Irre! Aber jetzt kommt der Punkt: Diese Idioten haben auch noch genügend kriminelle Energie, um den Gesetzgeber zu beeinflussen, dass sie im Falle des Totalverlusts ihren Einsatz auch noch in voller Höhe zurückerstattet bekommen. Hätte eine Spielbank mit so einem armen Teufel, der ganz auf die Verdoppelungsstrategie beim Roulette gesetzt hat, und sich dabei total verzockt hat, auch Mitleid und würde ihm seinen Einsatz wieder zurückzahlen? Nie und nimmer. Sonst würde sie doch selbst bald pleite gehen. Aber die Bundesregierung macht das. Da sie die Banken nicht pleite gehen lässt, wird sie selber pleite gehen. Nach jedem Rettungspaket werden diese Zocker einfach weiterzocken. Die sind doch nicht lernfähig genug, um ihre Strategie ändern zu können. Man kann nur hoffen, dass sich das Volk das nicht gefallen lässt und es bald zu Massenprotesten kommt.

In diesem Zusammenhang ist es eigentlich sehr lustig, dass die Regierung jetzt versucht, gegen Glücksspiele im Internet vorzugehen, während sie die Großzocker, die den ungleich größeren Schaden anrichten, auch noch rettet.

Auch passend dazu:
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/04/ackermann-ist-der-gefahrlichste-banker.html

Advertisements

Sinnvoll

Wissenschaft kann nur funktionieren, wenn sie mit einem Sinn behaftet ist. Es reicht nicht, nur das nötige Wissen, die nötige Ausrüstung und die nötigen Methoden zu Verfügung zu haben, um in der Wissenschaft Neues zu leisten. Man braucht auch wirklich ein Ziel, eine Warum-Frage (die Wie-Frage allein reicht nicht), um eine Arbeit erfolgreich abschließen zu können. Bei der Präsentation meines Projekts, an dem ich mittlerweile schon fast zwei Jahre lang arbeite, ohne wirklich einen Erfolg verbucht zu haben, wurde mir das deutlich. Nach meiner Präsentation stellte jemand die Frage, was ich denn eigentlich von dem lerne, an dem ich gearbeitet habe. Leider war das genau die Frage, die ich befürchtet hatte, da ich sie mir seit einiger Zeit selber stelle, bisher ohne Erfolg. Ich hatte die Arbeit damals von einem Kollegen, der unsere Arbeitsgruppe mittlerweile verlassen hat, übernommen, und meinte, ich könnte sie fertig stellen. Ich verließ mich fälschlicherweise darauf, dass mein Vorgänger sich zu Beginn des Projekts schon bewusst sei, welches Ziel die Arbeit (und es war eine ganze Menge Arbeit) eigentlich haben sollte. Je länger ich daran arbeitete, desto unkarer wurde mir dieses Ziel, desto mehr musste ich mich zum Weiterarbeiten zwingen. Aber erst seit dieser Präsentation letzte Woche wurde mir klar, dass ich versucht habe, diese Tatsache zu verdrängen, und das das jetzt nicht mehr geht.

Die Frage beseht für mich jetzt darin, welche Optionen offen stehen. Eine Möglichkeit wäre, das Vorhaben ganz aufzugeben. Das wäre schade um die vertane Arbeit, aber es würde mir die Möglichkeit eröffnen, etwas neues zu beginnen. Eine andere Möglichkeit wäre, dem jetzigen Stand der Arbeit einen Sinn, eine interessante Fragestellung, im Nachhinein zuzuschreiben, die durch die Ergebnisse, die bis jetzt erarbeitet sind, beantwortet wird. Dann könnte evtl. noch eine interessante Veröffentlichung daraus werden. Dieser Möglichkeit neige ich monentan zu. Die dritte Möglichkeit wäre, mir eine neue Fragstellung zu überlegen, und die Arbeit zu auszuweiten. Das würde allerdings meine Geduld herausfordern, und würde ich nur nach reiflicher Überprüfung der Erfolgschancen auf mich nehmen, um eine weitere Frustration zu vermeiden. Die vierte Möglichkeit wäre, den jetzigen Stand der Ergebnisse über ihren Wert zu verkaufen. Dann würde ich nicht als Wissenschaftler handeln, sondern als Vertreter. Man muss es ja nicht gleich so machen wie vuz Guttenberg, aber das kommt für mich nicht in Frage.

Der philosophisch interessante Zusammenhang mit diesem Dilemma ist die Frage nach dem Sinn. Diese Frage ist eine Warum-Frage, und Warum-Fragen sind nach gängiger Vorstellung religiöse Fragen, die in der Wissenschaft nichts zu suchen habe. Trotzdem ist es meine gegenteilige Erfahrung, dass ohne eine klare Vorstellung von einem Ziel keine erfolgreiche Wissenschaft möglich ist. Es gibt viele erfolgreiche Wissenschaftler, und gehe davon aus, dass sie deshalb erfolgreich waren, weil sie ganz klar von dem Sinn in ihrer Forschung überzeugt sind, und ganz klare Vorstellungen von einem Ziel haben. Leider kommt es mir aber so vor, dass es außer mir nur wenige gibt, die sich mit der Sinnfrage beschäftigen. Ich glaube aber, dass die meisten anderen Wissenschaftler bessere Kommunikationsfähigkeiten („Netzwerkfähigkeiten“, wie es heute heißt) als ich besitzen, und viel eher bereit sind, sich die Frage, wozu ihre Forschung gut sein soll, von sog. „Geldgebern“ vorgeben zu lassen. Auch scheint es in diesem Metier so zu sein, dass das Versprechen auf eine Karriere bereits als Antwort auf die Sinnfrage akzeptiert wird. Auch da bin ich eher als die Ausnahme, da mir das nicht reicht.