Eine Unterweisung der Söhne Korach, vorzusingen

Wie muss man sich als anständiger Mensch in diesen dunklen Zeiten in Deutschland, Europa und der Welt fühlen? Eine gute Beschreibung fand ich in der Bibel im Psalm 44 (hier zitiert ab Vers 10):

Warum verstoßest du uns denn nun und lassest uns zuschanden werden
und ziehst nicht aus mit unserm Heer?
Du lässest uns fliehen vor unserem Feind,
daß uns berauben, die uns hassen.
du gibst uns dahin wie Schlachtschafe
und zerstreust und unter die Heiden.
Du verkaufst dein Volk um ein Nichts
und hast mit ihrem Kaufgeld nichts gewonnen.
Du machst uns zur Schmach bei unserm Nachbarn,
zu Spott und Hohn bei denen,
die um uns her sind.
Du machst uns zum Sprichwort unter den Heiden,
läßt die Völker das Haupt über uns schütteln.
Täglich ist meine Schmach mir vor Augen,
und mein Antlitz ist voller Scham,
weil ich sie höhnen und lästern höre
und muß die Feinde und Rachgierigen sehen.

Dies alles ist über uns gekommen;
und wir haben doch dich nicht vergessen,
an deinem Bund nicht untreu gehandelt.
Unser Herz ist nicht abgefallen
noch unser Schritt gewichen von deinem Weg,
daß du uns so zerschlägst am Ort der Schakale
und bedeckst und mit Finsternis.
Wenn wir den Namen unseres Gottes vergessen hätten
und unsre Hände aufgehoben zum fremden Gott:
würde das Gott nicht erforschen?
Er kennt ja unsres Herzens Grund.

Doch um deinetwillen werde wir täglich getötet
und sind geachtet wie Schlachtschafe.
Wache auf, Herr! Warum schläfst du?
Werde wach und verstoß uns nicht für immer!
Warum verbirgst du dein Antlitz,
vergipsest unser Elend und unsre Drangsal?
Denn unsre Seele ist gebeugt zum Staube,
unser Leib liegt am Boden.
Mache dich auf, hilf uns
und erlöse uns um deiner Güte willen!

Reicht es, sich bei Gott über die Situation, in der wir stecken, zu beschweren, und ihn um Hilfe anzuflehen, wie es die Söhne Korach tun? Wahrscheinlich nicht. Ich glaube eher, dass es der Gott in uns selber ist, der hier gemeint ist. Dazu ein erschütterndes, aufrüttelndes Video zur Ukraine aus der Sicht eines Christen bei kla.tv!

Seelenwanderung und Lügenmedien

Im Gegensatz zu manchen Anhängern eines spirituellen „Nondualismus“ bin ich Vertreter eines knallharten Geist-Materie-Dualismus (viele werde hier wahrscheinlich schon zu lesen aufhören). Natürlich müssen Geist und Materie irgendwo auf einer höheren Ebene trotzdem miteinander verknüpft sein, aber bevor man dazu irgend etwas aussagen kann, halte ich es für sinnvoll, diese beiden Gegensätze erst einmal getrennt zu betrachten. Dem heutigen Mainstream-Menschen ist dabei der Bereich der Materie wesentlich geläufiger. Unsere Körper, sowie die Körper aller anderen Lebewesen der Erde, die Erde selber, bis hin zu allen Sternen und Himmelskörpern des Universums, so glauben wir, bestehen aus Materie. Die moderne Naturwissenschaft seit Isaac Newton war sehr erfolgreich, die Struktur und Umwandlung der Materie immer besser aufzuschlüsseln, und so besitzen wir heute unvorstellbar viel mehr Wissen über das materielle Universum als jede andere menschliche Zivilisation vor uns.

Es gab und teilweise gibt jedoch Kulturen, die sich für die materielle Welt nur wenig interessierten, die sich aber statt dessen auf die Erforschung des Geistes spezialisiert haben. Dazu haben sie verschiedene, teils ziemlich unterschiedliche Methoden entwickelt: Von langen Meditation in Klostern und Tempeln, über das Einnehmen bewusstseinserweiternder Pflanzen- und Pilzgifte, bis hin zu endlosen gregorianischen Gesängen reichte die Palette. Den Überlieferungen zufolge gewannen sie dabei Wissen über Seelenwanderungen, außersinnliche Wahrnehmung, jenseitige Welten, die Sphären der Götterwelt und der erleuchteten Wesen, den Sinn des Universums, und ähnliche Dinge, die eindeutig dem Bereich des Geistigen, und eben nicht des Materiellen zuzuordnen sind. Diesen Kulturen fehlte zwar unser heutiges Wissen über die physikalische Welt, aber sie waren Experten auf dem Feld des Geistes. Unsere Kultur dagegen ist auf diesem Wissensfeld weitgehend verkümmert, denn niemand (oder sagen wir besser: kaum jemand) kann die oben genannten Methoden mehr anwenden: Ein moderner Mensch, der nicht einmal mehr für 5 Minuten von seinem Smartphone lassen kann, kann keinen monate- bis jahrelangen Aufenthalt in einem abgeschiedenen Kloster überleben; bewusstseinserweiternde Drogen sind verboten; und singen können auch immer weniger Menschen. Aus Ersatz wurden seither die Methoden der materialistischen Naturwissenschaft fataler Weise auf Bereiche ausgeweitet, die eigentlich dem Einzugsgebiet des Geistes angehören sollten: Nehmen wir z.B. die Psychologie, die Kosmologie, die Hirnforschung, die Sprachwissenschaft, aber auch die Politik- und Wirtschaftswissenschaft. Diese Wissensfelder wurden dadurch des Geistes beraubt und immer weiter verwässert.

Nennen wir einmal ein Beispiel für eine Kultur, die sich praktisch ausschließlich auf den Geist spezialisiert hat: Tibet. Meines Wissens nach haben die tibetischen Buddhisten viele Wörter mit subtil unterschiedlichen Bedeutungen, die sich im Deutschen allesamt am besten mit dem Wort „Geist“ übersetzen lassen; so ähnlich wie viele Eskimovölker viele verschiedene Wörter für „Schnee“ haben: Ein Hinweis darauf, womit sie sich die betreffende Kultur am besten auskennen. Die Tibeter haben ihre „Forschungsergebnisse“ über die Funktionsweise des Geistes und die Wanderung der Seele durch verschiedene Leben und Welten, die sie in tiefen Meditationen erhielten, in vielen Büchern publiziert, von denen eines der populärsten das sog. Tibetische Totenbuch (TT) ist. Ob das, was dort darüber, was mit der Seele nach dem Tod passiert, steht, stimmt, wie z.B. das Eintauchen in einen Zwischenzustand, Wiedergeburt in einem neuen (menschlichen bzw. tierischen) Körper usw., können wir mit der uns heute zur Verfügung stehenden Naturwissenschaft nicht nachprüfen: Da jene die Seele des Menschen nur bis hin zu den physikalischen Prozessen im materiellen Gehirn kennt, das bekanntlich mit dem Tod stirbt, hat sie zu den jenseitigen Sphären, wie sie im TT beschrieben werden, keinen Zugang. Die naturwissenschaftliche Methode hat ihre Grenzen. Sie kann — wahrscheinlich prinzipiell — nicht erklären, wo Bewusstsein herkommt, obwohl es dieses zweifellos gibt. Das erwarte ich aber auch nicht von ihr, weil ich es nicht für ihre Aufgabe halte.

Falls die alten Tibeter tatsächlich eine Methode zur Verfügung hatten, um Seelenwanderung zu erforschen, würde ich umgekehrt auch nicht verlangen, dass diese Methode auf Bereiche anwendbar sein muss, die ihrerseits von der Naturwissenschaft erforscht werden können. So, wie die heutige Naturwissenschaft zu einem Großteil der im TT aufgestellten Behauptungen keinen Zugang hat, so hatten umgekehrt die alten Tibeter keinerlei Vorstellung von der uns heute zugänglichen naturwissenschaftlichen Methodik. So sind z.B. im TT aus heutiger Siche völlig falsche Erklärungen über die Entwicklung des menschlichen Embryos, aber auch über die geographischer Lage der Kontinente, auf denen Seelen wiedergeboren werden können, gegeben. Unter http://www.bodhibaum.net/bardo/bardo-teilIII.htm heißt es:

Die Schilderung der embryonalen Phase folgt den klassischen indischen Vorstellungen. Danach wird nicht die Gestalt des Embryo beschrieben, sondern die Konsistenz seines Körpers (Dünnflüssigkeit, Dickflüssigkeit) festgehalten. Es schien mir nicht gerechtfertigt, diese Vorstellung gegen die im Westen übliche auszutauschen und damit den ursprünglichen Inhalt des Textes zu verändern.
Ähnliches gilt für die Schilderung der verschiedenen Kontinente, in die der Tote bei der Suche nach einem neuen Körper eintreten mag. Es sind dies nicht die Kontinente, wie sie im Westen bekannt sind, sondern Welten-Kontinente, die durch ringförmige Meere voneinander getrennt sind. Zum Verständnis des Bardo-thödol ist es nicht nötig, hierbei länger zu verweilen. Man muß sich nur vor Augen halten, daß dies Elemente sind, die dem Weltbild des klassischen Indiens angehören. (Vgl. dazu: W. Kirfel: Die Kosmographie der Inder, Bonn 1920.)

Ich sehe keinen Grund, warum die Tibeter durch reine Introspektion in der Lage gewesen sein sollten, Wissen über die Kontinente zu erlangen. Dazu braucht man eine weltumspannende Seefahrt, astronomisches Wissen (zur Bestimmung des geographischen Breitengrades) und ziemlich genaue Uhren (zur Bestimmung des Längengrades). Nichts davon hatten die Tibeter zur Verfügung. Ähnliches gilt für das Wissen über die Gestalt eines menschlichen Embryos: Dazu braucht man entweder Ultraschall oder Kernspintomographie, oder man muss den Embryo töten und aus dem Mutterleib herausnehmen. Letzteres hätten die Tibeter wohl wegen ihres Glaubens abgelehnt. Da sie dieses Wissen also nicht anderweitig bekommen konnten, beriefen sie sich auf die damals verfügbare indische „Wissenschaft“. In meinen Augen ist das durchaus legitim.

Nun kann man jedoch — zu Recht — einwenden, dass nachprüfbar falsche Aussagen über die materielle Welt in alten Schriften wie dem TT ihre Glaubwürdigkeit herabsetzen: Wenn dort Theorien zu finden sind, die mittels der heutigen naturwissenschaftlichen Methodik als falsch erkannt werden können, so wäre auch die Glaubwürdigkeit jener Schriften über jene (geistigen) Bereiche, zu denen die Naturwissenschaft keinen Zugang hat, erschüttert — oder zumindest herabgesetzt. Werner Spat schreibt gar auf seinem Blog:

Wer überprüfbar lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er mal unüberprüfbare Wahrheit spricht.

Zum einen ist es meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt, von einer Methode des Wissenserwerbs zu verlangen, dass sie auf alle denkbaren Sorten von Wissen — ob geistiger oder materieller Natur — anwendbar sein soll; ich glaube auf der anderen Seite auch viele Aussagen der materialistischen Hirnforscher über die physikalischen Prozesse im Gehirn, obwohl deren Erklärungen über die Funktionsweise des Geistes völlig gaga sind. Und zum anderen würde ich den alten Tibetern nicht unterstellen, dass sie zur Entwicklung des Embryos oder zur Geographie der Erde absichtlich gelogen haben. Sie konnten es mangels der uns heute zugänglichen naturwissenschaftlichen Methodik eben einfach nicht besser wissen.

Was hat das ganze jetzt mit den Lügenmedien zu tun? Nun, auf sie trifft Werner Spats Satz zweifellos zu: Sie haben wiederholt nachweisbar gelogen, und deshalb glauben ihnen immer mehr Menschen selbst dann nicht mehr, wenn sie ab und an einmal die (unüberprüfbare) Wahrheit schreiben. Persönlich würde ich jedenfalls dem tibetischen Totenbuch trotz der heute bekannten Fehler 1.000.000-mal mehr Glauben schenken als der BILD-Zeitung, und immerhin 1000-mal mehr als der ZEIT, der FAZ und der Süddeutschen.

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Mein besonderer Dank geht an Werner Spat und an Michael Klinneter, die mich ermutigten, über dieses Thema zu schreiben.

Nachtrag zu Gerd-Lothar Reschke

Zu meinem letzten Beitrag über die Diskussion zwischen Hans-Joachim Heyer und Gerd-Lothar Reschke (GLR) habe ich im Kommentarteil überraschend Feedback von GLR bekommen. Zwar habe ich nur einen kleinen Mini-Blog, der vielleicht sporadisch mal von anderen besucht wird, die oft wohl nur ein einziges Mal einen Blick darauf werfen, aber natürlich gibt jeder ab und an mal seinen eigenen Namen in Google ein, und so wird der besprochenen den Beitrag natürlich schnell finden. Und natürlich wird er darauf dann auch reagieren, denn mein Beitrag war polemisch und enthält auch einige Unterstellungen an die Person, wie mir beim wiederholten Lesen selbst aufgefallen ist. Das hätte mir eigentlich klar sein müssen.

Warum habe ich mich dazu wieder mal hinreißen lassen? So etwas ist mir schon öfter passiert, und erst im Nachhinein fällt mir es dann auf, jedes mal gefolgt von einem Schuldgefühl. Ob sich dieses Muster bei mir jemals ändern wird, weiß ich nicht, aber ich versuche, das hier in diesem Nachtrag zu rekapitulieren, und den Grund für mein Verhalten zu finden. GLR weist mich in seinem Kommentar auf (er schreibt gar: traurige) Missverständnisse in meinem Beitrag hin. Da ich zunächst nicht wissen konnte, worin diese Missverständnisse bestehen, aber keine ungeklärten Missverständnisse öffentlich im Netz stehen lassen wollte, war meine erste Reaktion, den Beitrag in der jetzigen Form entfernen, und statt dessen einen Nachtrag hinein zu schreiben. Das hätte ich für legitim gehalten, da ich früher bereits schon Einträge heraus genommen hatte, die ich im Nachhinein unpassend empfand. Da GRL jedoch inzwischen — was ich nun wirklich nicht erwartet hätte, und wofür ich ihm auch herzlich danken möchte — in einer ausführlichen Antwort auf die Missverständnisse eingegangen ist, möchte ich den Beitrag jetzt doch so stehen lassen, wie ich ihn online geschaltet hatte.

Ich werde Gerd-Lothar Reschkes Antwort noch mehrmals durchlesen müssen, aber bis jetzt habe ich nichts gefunden, wogegen ich mich irgendwie wehren müsste. Das betrifft nicht einmal den Abschnitt über den Sozialismus-Vorwurf, den er — wenn ich es richtig verstanden habe — allein aus meiner Verlinkung der Nachdenkseiten und meines Bezuges auf Hans-Joachim Heyer abgeleitet hat. Was ist das überhaupt, ein „Sozialist“? Hierzu hat er mir freundlicher Weise eine Sammlung aus Videos und Artikeln zusammen gestellt, zu finden im Kommentarteil zum letzten Beitrag. Damit kann ich dann für mich selbst entscheiden, ob ich ein Sozialist bin oder nicht.

Ein paar wichtige Erklärungen konnte ich durchaus aus der Antwort heraus holen. Das betrifft v.a. Gerd-Lothars Aussagen zu seinen — wie ich annehme — wichtigsten beiden Themengebieten, nämlich die Ich-Thematik und das Falschgeldsystem, die er einer Innen- bzw. Außenansicht zuordnet. Diese basieren auf seinen eigenen, unmittelbar realen Erfahrungen (für das erstere im Jahr 2001 und das letztere im Jahr 2007), die man, ähnlich wie das Wissen über den Geschmack einer Banane, gar nicht verstehen kann, wenn man sie nicht selbst gemacht hat. Das bedeutet aber auch, jemand, der diese Erfahrung nicht kennt, kann das entweder nur so annehmen, oder eben nicht.

Einen Abschnitt aus meinem Beitrag hat er noch hervorgehoben:

Warum spricht er immer wieder von „Eigenverantwortlichkeit“, und beschwert sich über das Fehlen derselben bei seinen Mitmenschen (außer sich selbst), wenn es doch gar kein „eigenes“ ich gibt, für das man Verantwortung übernehmen kann? Warum wirft er allen anderen (außer sich selbst) vor, dass sie an der üblen Situation, in dem sich die Gesellschaft zur Zeit befindet (und da würde ich ihm sogar durchaus Recht geben), selbst Schuld seien, wenn es doch gar keinen handelnden Entscheider gibt, der sich für das eine oder das andere entscheiden könnte? Ohne Handlungen und Entscheidungen für das eine und gegen das andere gibt es keine Schuld, weder gegenüber anderen noch sich selbst (die oben erwähnten materialistischen Wissenschaftler scheinen das übrigens — im Gegensatz zu Reschke — erkannt zu haben). Für mich ergibt das einfach von hinten bis vorne überhaupt keinen Sinn!
Das ist die interessanteste und ergiebigste Passage. Ich finde es gut, daß einer — man könnte sagen: endlich — darauf gekommen ist, diesen Punkt anzusprechen.

Ja, das ist tatsächlich der Punkt, der mir persönlich am meisten zu schaffen macht. Es geht um das Thema Schuld, und v.a. um Schuldvorwürfe (die manchmal auch ziemlich implizit sein können). Wenn man jemandem Schuld an etwas vorwirft, impliziert man dabei, dass so etwas wie Schuld tatsächlich existiert, was wiederum bedeutet, dass man dem anderen unterstellt, dass er auch anders hätte handeln können, und moralisch auch anders hätte handeln müssen. Deshalb mein Vergleich mit diesen Hirnforschern, die offiziell behaupten, wissenschaftlich erwiesen zu haben, dass wir keine Wahlfreiheit haben, es deshalb auch keine Schuld gäbe, und dass diese Erkenntnis zukünftig im Strafrecht zu berücksichtigen sei. Trotzdem wimmelt es in derselben Gesellschaft, die jene „wissenschaftlichen Erkenntnisse“ verteidigt, von impliziten Schuldzuweisungen (z.B. dass man als Deutscher geboren ist, dass man den Mainstream-Medien nicht mehr verstraut, usw.). Das passt nicht zusammen. Meine Vorstellung ist deshalb, dass es eine Ebene geben muss, in der Dinge wie Willensfreiheit, Schuld, Moral, Gut und Böse tatsächlich existieren — vielleicht sogar im Sinne der alten, vermufften Religionen und spirituellen Traditionen; deshalb auch meine Wahl für die Namensgebung meines Blogs. Gerd-Lothar wird das vermutlich — ich unterstelle hier doch noch mal — für rührend naiv halten. Seine unter weiter führenden Erklärungen zu Dualität und Nondualität sind sehr tiefsinnig, und für mich (trotz mehrmaligen Lesens) schwierig zu verstehen. Ob sich das vielleicht einmal ändern wird, weiß ich nicht.

Auf jeden Fall habe ich gemerkt, dass da etwas für mich fremdartiges in GLRs Welt ist. Wahrscheinlich was es das, was mich (unbewusst) dazu verleitet hat, in meinem letzten Beitrag auf Konfrontationskurs zu gehen, trotz meines — wie ich sagen muss — Respektes zu Gerd-Lothar. Ob es richtig war, diesen letzten Beitrag zu schreiben, weiß ich immer noch nicht, aber immerhin ist mir dadurch klar geworden, dass durch eine direkte Kommunikation wesentlich mehr rüber kommt, als durch blosses Konsumieren von Videos und Blogbeiträgen.

Heyer vs. Reschke

Auf den Blogs, die ich mir regelmäßig ansehe, werden im Kommentarteilen (soweit diese existieren; dazu später mehr…) oft harte Diskussionen ausgefochten — manchmal niveauvoll, manchmal weniger. Im allgemeinen beteilige ich mich nur selten an Diskussionen, richtig aktiv war ich eigentlich nur einmal vor ca. 10 Jahren, auf dem damaligen Parsimony-Forum von Hans-Joachim Heyer (HJH) (diese Parsimony-Foren gibt es schon seit einigen Jahren gar nicht mehr). Die interessanteste und niveauvollste Diskussion, die meiner Meinung nach jemals im deutschsprachigen Netz ausgetragen wurde, war die zwischen Hans-Joachim und dem mittlerweile nicht mehr ganz unbekannten „Schamanen“ (jedenfalls nannte er sich damals mal selbst so; ob er das immer noch tut, weiß ich nicht) Gerd-Lothar Reschke (GLR). Das war zwar noch „vor meiner Zeit“, aber glücklicherweise hat Hans-Joachim diese Diskussion auf seiner Homepage gerettet, so dass sie bis heute überlebt hat. Die Konversation zieht sich durch mehrere Seiten, siehe diese beiden Links hier, sowie die weiterführenden Links: http://www.hanjoheyer.de/Kritik.html und http://www.hanjoheyer.de/Reschkeforum.html . Eingefleischten Reschke-Fans kann ich nur empfehlen, sich diese Konversationen einmal durchzulesen. Einen weiteren Kontaktversuch zwischen den beiden gab es meines Wissens nach nie mehr — sie machten beide auf ihre eigene Weise weiter. Ja schlimmer noch, sie verlinken noch nicht einmal mehr auf ihren gegenwärtigen Internetpräsenzen aufeinander. Wobei es bei mir doch eher so rüber kam, dass es GLR war, der HJH auf eine Weise abserviert hatte, die ich nicht ganz in Ordnung fand. Eine wahrhaft merkwürdige Episode in der deutschen Netzgeschichte… Außerdem ist diese Diskussion, soweit ich weiß, das einzige Fragment im Internet, das eine wirkliche Diskussion des „Sprachgiganten“ GLR mit einer anderen Person (die zumindest ich ebenfalls als Sprachgigant ansehe) wiedergibt — alles andere auf GLRs zahlreichen Seiten sind Monologe und Selbstgespräche.

Aber HJH ist nicht der einzige, der diese Behandlung erfuhr, anderen erging es nicht besser: Einst war Reschke ganz begeistert von Oliver Janich (den ich auch ganz gut finde, auch wenn ich nicht viel mit seinem radikalen Libertarismus anfangen kann), der ganz ähnliche Ansichten vertritt wie er, aber der war dann auch nix. Später fand er den Jürgen Elsässer gut (das tu ich übrigens auch), um ihn kurze Zeit später mit Goebbels zu vergleichen (sonst geht’s dir schon noch gut, Gerd-Lothar?). Vielleicht gibt es noch wesentlich mehr Opfer des „Reschke-ismus“, die schon lang in der Versenkung verschwunden sind.

Warum interessiere ich mich überhaupt noch für diesen alten Schmonz? Weil es helfen könnte, die aktuelle Situation besser zu verstehen, indem ich die in vielen Punkten völlig entgegengesetzten Denkweisen von GLR und HJH einmal schriftlich gegenüberstelle — obwohl beide ursprünglich denselben Ausgangspunkt haben, nämlich die Suche nach der Wahrheit und Selbsterkenntnis. Wie ich in den spärlichen Einträgen in meinem Blog versucht habe aufzuzeigen, ist mir persönlich dabei Hans-Joachims Welt wesentlich näher. Inzwischen hat Reschke seine Hauptpräsenz auf der Seite www.wertperspektive.de. Er macht heute hauptsächlich (aber nicht nur) Videos politischen Inhalts (von dem ich mir vielleicht jedes dritte bis vierte ansehe) und hängt mit seiner Kritik am Geldsystem im weitesten Sinne der sog. „libertären“ Ideologie an. Im Unterschied zu wahrscheinlich den meisten Reschke-Zuschauern kenne ich GLR durch die oben verlinkten Seiten und Diskussionen mit HJH noch aus der Zeit, bevor er begann sich über Politik zu äußern, und Jahre bevor er begann, Videos zu machen. Seine wesentliche These war damals seine „Erkenntnis“, dass es kein „Ich“ gebe, und dass die Vorstellung, ein selbständig Handelnder zu sein, eine Illusion sei. In der besagten Diskussion versuchte Hans-Joachim, Widersprüche in diesem Konzepts aufzuzeigen (Reschke würde seinerseits wahrscheinlich leugnen, dass es sich um ein Konzept handelt, da er das Wort „Konzept“ generell nicht mag) und wies auf deren Ähnlichkeit mit den Aussagen der materialistischen Hirnforscher wie z.B. Gerhard Roth, Thomas Metzinger oder Wolf Singer hin. Obwohl dieser Vergleich meiner Meinung nach hinkt, und sich Reschke für dieses Thema nicht die Bohne zu interessieren scheint, trifft dies jedoch in einigen Punkten zu: Auch diese Hirnforscher behaupten, bewiesen zu haben, dass es kein „Ich“ gäbe, und da das Gehirn ein geschlossenes physikalisches System sei, das einfach nur „von selbst“ funktioniere, gäbe es keinen freien Willen und deshalb auch keinen Handelnden. Die Gründe für diese ähnlichen Schlussfolgerungen könnten aber unterschiedlicher kaum sein: Den erwähnten Herrn Professoren geht es darum, ihre Karriere und ihr Professorengehalt zu sichern, und sie tun das, indem sie als Mitläufer im Strom des materialistischen Mainstreams mit schwimmen — sie wissen einfach, was die Mächtigen gerne hören wollen, und setzen ihre überragende Intelligenz dafür ein, dies möglichst effektiv zu tun. GLR dagegen kann man diesen Vorwurf wirklich nicht machen… Er hat keine Angst davor gegen den Mainstream anzuschwimmen. Oder besser gesagt, er hat den Mut, sich dieser Angst entgegenzustellen — seine wahrscheinlich größte Gemeinsamkeit mit HJH.

Aber warum teilt Reschke dann dieses — im Endresultat — zugegebenermaßen sehr ähnliche Weltbild der materialistischen Wissenschaftler? Ich tippe auf eine gewissen Sturheit, wie ich im Folgenden versuche darzulegen. Um noch einmal klar zu sagen, ich schreibe hier über Äußerungen von ihm, die schon über 10 Jahre zurücklegen. Heute beschäftig sich GLR mit ganz anderen Dingen. Man könnte also meinen, dass er seine damaligen Vorstellungen noch einmal überdacht, verändert oder revidiert hat. Aber wenn ich das aus einigen seiner letzten Videos richtig entnommen habe, scheint das keineswegs der Fall zu sein (die Diskussion zwischen HJH und GLR wäre heute wahrscheinlich immer noch genau gleich abgelaufen). Warum gehe ich darauf überhaupt noch ein? Weil mich die Widersprüche, in die GLR sich ständig verwickelt, stören. Warum spricht er immer wieder von „Eigenverantwortlichkeit“, und beschwert sich über das Fehlen derselben bei seinen Mitmenschen (außer sich selbst), wenn es doch gar kein „eigenes“ ich gibt, für das man Verantwortung übernehmen kann? Warum wirft er allen anderen (außer sich selbst) vor, dass sie an der üblen Situation, in dem sich die Gesellschaft zur Zeit befindet (und da würde ich ihm sogar durchaus Recht geben), selbst Schuld seien, wenn es doch gar keinen handelnden Entscheider gibt, der sich für das eine oder das andere entscheiden könnte? Ohne Handlungen und Entscheidungen für das eine und gegen das andere gibt es keine Schuld, weder gegenüber anderen noch sich selbst (die oben erwähnten materialistischen Wissenschaftler scheinen das übrigens — im Gegensatz zu Reschke — erkannt zu haben). Für mich ergibt das einfach von hinten bis vorne überhaupt keinen Sinn! Und vor allem: Warum ist er so überzeugt davon, alles so viel besser zu durchschauen als alle anderen? Sorry, aber ich kann da eigentlich nur eines dahinter erkennen: Ein dickes EGO, aufgeblasen wie ein Luftballon!

Damit das gleich klar ist, ich würde hier nicht darüber schreiben, wenn ich GLRs Arbeit nicht für einen Lichtblick in der heutigen Zeit halten würde, und mir die Videos nicht zumindest gelegentlich ansehen würde. Normalerweise könnte man so etwas im Kommentarteil bzw. im Forum eines entsprechenden Webauftritts anbringen, aber wer die Reschke-Seiten kennt, weiß, dass die Kommentarfunktion dort arretiert ist; und zwar auf der Position „OFF“ — was natürlich sein Recht ist. Lustig ist aber, dass GLR mehrmals kurzzeitig versucht hat, Kommentare zuzulassen, aber schon nach kurzer Zeit immer wieder merken musste, dass ihm die Kommentatoren einfach zu doof sind. Hätte ich dort etwas geschrieben, wäre es wahrscheinlich auch schnell als Spam deklariert und gelöscht worden, vermute ich — ich bezweifle, dass ich das von GLR geforderte Niveau erreichen könnte. Deshalb mag es vielleicht nicht gerade die feinste Art sein, in meinem eigenen Blog über ihn zu stänkern, aber auf der anderen Seite sehe ich auch nicht ein, dies wegen seines empfindlichen Egos nicht zu tun. Eine Kommentarfunktion abzuschalten schützt halt nicht davor, nicht über andere Wege kritisiert werden zu können.

Das soll aber alles nicht heißen, dass GLR nicht auch manchmal eigene Fehler eingesteht: Wie z.B. die Tatsache, dass der von ihm über lange Zeit immer wieder vorhergesagte „Crash“ des „Falschgeldsystems“ (seine Wortschöpfung), der bis heute nicht eingetreten ist. Was selbstverständlich nicht heißt, dass dieser nicht doch noch kommen kann. Ein solcher Zusammenbruch wäre schlimm, aber sicherlich immer noch besser als ein jahrhundertelang andauerndes globales Terrorregime: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende könnte man sagen…

Gerd-Lothar scheint durchaus Publikum zu haben, seine Leser- und Hörerschaft liegt im vierstelligen Bereich, schätze ich. Dagegen hat Hans-Joachim nach eigener Aussage nur ca. 40 regelmäßige Leser, einer davon bin wohl ich. Das finde ich schade, aber HJHs eigener Aussage zufolge macht er seine Seiten absichtlich nur so schwer zitierbar, um seinen Leserkreis klein zu halten. Außerdem sind viele Texte auch nur schwer zu verstehen, wenn man die dahinter stehenden Theorien nicht kennt — und sich durch alle seine Seiten durchzuarbeiten, braucht schon etwas Zeit… Trotz allem möchte ich an dieser Stelle loswerden, dass ich die Arbeit dieser beiden Streithähne für unschätzbar wichtig halte, gerade in diesen schwierigen Zeiten. Eine Zusammenarbeit scheint jedoch ausgeschlossen. Beide haben ihr eigenes, eigenwilliges Erklärungemodell für die Ursachen der Schwierigkeiten. Bei GLR ist es das Falschgeldsystem, bei HJH die materialistische Philosophie der geheimen Elite, der „Herrn der Welt“. Beide Ideen wären sicherlich kombinierbar in dem Sinne, dass das Falschgeldsystem das Symptom einer materialistischen Philosophie ist, die alles geistige, jenseitige, moralische für nichtexistent erklärt. Letzteres geht tiefer und ist umfassender; GLR reagiert darauf jedoch allergisch bzw. scheint dies abzulehnen.

So — jetzt habe ich über 2 Wochen an diesem Blogeintrag geschrieben, und lange überlegt, ob ich ihn online stellen soll. Er geht jetzt einfach mal online. Ob das richtig ist oder nicht, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass ich diesen beiden Typen nicht das Wasser reichen kann, und das wahrscheinlich auch nie können werde.

Frieden mit Russland

Aus aktuellem Anlass:

Wenn Merkel und Holland sich jetzt schon gegen den Willen der USA um Friedensgespräche mit Russland bemühen, muss es schon sehr schlimm stehen! Was jetzt getan werden muss, um einen großen Krieg in Europa zu verhindern:

* Keine Waffenlieferungen nach Kiew!!
* Anerkennung der Unabhängigkeit der ostukrainischen Provinzen durch die EU
* Sofortiges Ende der antirussischen Propaganda in den Medien, und es muss endlich klar ausgesprochen werden, dass es die Amerikaner sind, die den Konflikt in der Ukraine absichtlich eskalieren lassen wollen!

Im Treibhaus

Der aktuelle Fall des Klimaforscher Lennart Bengtson hat mich zum Nachdenken gebracht. Prof. Bengtson ist ein renommierter Wissenschaftler und ist ein sehr freundlicher und höflicher alter Mann. Was geschah, ist folgendes: Es ist bekannt und unumstritten, dass es – im Gegensatz zu den 1980er Jahren – in den letzten ca. 15 Jahren keine nennenswerte globale Erwärmung des Klimas mehr gegeben hat. Das hat sogar das britische Met Office Hadley Centre, eine Art Hauptquartier der Klimawissenschaft (wie überhaupt fast alle wissenschaftlichen „Autoritäten“ ihren Sitz in Groß-Britannien haben) hat das bestätigt. Prof. Bengston ist der Meinung, dass diese Tatsache nicht genügend in dem diesjährig erschienenen IPCC-Bericht erwähnt wurde. Er vermutet, dass in den Klimamodellen, auf die sich der IPCC-Bericht bezieht, der Einfluss der Treibhausgase (v.a. CO2) auf die Temperaturänderung in der bodennahen Atmosphäre überschätzt wird, und wollte dieser Frage gerne auf wissenschaftliche Weise nachgehen. Anscheinend stelle er jedoch fest, dass alle dem Mainstream entsprechenden Forschungsinstitute kein Interesse an dieser Art von Fragestellung haben, vermutlich weil sie um ihre Reputation fürchten, wenn sie sich mit so etwas auseinander setzen. Deshalb entschloss er sich, mit der „Global Warming Policy Foundation GWPF“ Kontakt aufzunehmen, bei der er Unterstützung für sein Anliegen fand. Das Problem ist jedoch, dass diese Organisation klimaskeptisch ist. Daraufhin wurde Lennart Bengtson so stark angefeindet, u.a. sogar von seinen früheren Kollegen, dass er nach eigenen Angaben um sein Leben fürchtete und deshalb die GWFP wieder verließ. (Das passt irgendwie überhaupt nicht zusammen mit dem ewigen Gejammer der Mainstream-Klimatologen, dass es doch so schwer sei, die Leute davon zu überzeugen, dass die menschengemachte Klimakatastrophe vor der Tür steht, und dass sie ständig gegen eine Wand anreden müssten… keiner nehme sie ernst…Grad letzte Woche musste ich mir das wieder in einer Podiumsdiskussion anhören.)

Man könnte natürlich sagen, wie Hans von Storch, dass es sich bei der GWPF um eine (anglo-amerikanische Interessen (würg!) vertretende) politische Organisation handelt, die deshalb keinen guten Partner für wissenschaftliche Forschung abgibt. Aber wenn man einmal genauer darüber nachdenkt, ist das kein gutes Argument, denn auch wenn man Mainstream-Forschung betreibt, ist man letztendliche auf Gelder politischer Organisationen angewiesen (zum Beispiel dem Bundesministerium für Bildung und Forschung). Wissenschaft und Politik sind nicht voneinander zu trennen! Oder anders ausgedrückt, wissenschaftliche Betätigung ist immer politisch, denn sie bestimmt, wie wir die Welt wahrnehmen — sie beeinflußt unser Bewusstsein.

Für mich bedeutet das ganze folgendes: Wir sind inzwischen so weit gekommen, dass selbst die angesehendsten Leute am Ende ihrer Karriere vom „Konsens-System“ abgeschossen werden. Selbst wenn man ein absoluter Duckmäuser ist, und immer schön nachplappert was die Systemlinge hören wollen, ist man vorm Abschluss nicht mehr sicher. Ich glaube, wir leben inzwischen in derart schwierigen Zeiten, dass man die Angst vorm Abweichen vom vorgezeichneten Weg überwinden muss. Duckmäusertum kann man sich einfach nicht mehr leisten. Ich gehöre auch zu diesen ängstlicheren Menschen, aber das hindert mich trotzdem nicht mehr daran, solche Zeilen hier in meinen Blog zu schreiben.

Siehe auch:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/streit-in-klimaforschung-um-lennart-bengtsson-a-969841.html

Magie des Schreibens

Gelegentlich kann einem der eigene Mist so vorkommen, als sei er so hartnäckig, dass die ganze Welt in der Katastrophe versinken würde, falls er (der Mist) sich eines Tages komplett auflösen würde. Bei mir ist der Mist-Komplex vereinfacht so auszudrücken, dass ich nicht (oder nur unter großer Anstrengung und mit einer gewissen Misserfolgsquote) in der Lage bin, ein eigenes Gesprächsthema zu beginnen, sobald ich in einer Menschengruppe bin — während ich es ebenfalls als schwer empfinde, dem Gesprächsthema der anderen zu folgen, und deswegen auch kaum daran teilnehmen kann. Gestern hatte ich einen Streit deswegen mit der Familie — er hieß, es sei nur eine Ausrede bzw. ein Schuldvorwurf, als ich sagte, mich würden diese Gesprächsthemen nicht interessieren. Ich würde mich nur nicht verändern wollen. Ich solle dann eben ein eigenes Gesprächsthema erschaffen. Was mir, wenn ich ehrlich bin, in meinem momentanen Gemütszustand (und aller meiner bisherigen Erfahrung nach) kaum erreichbar erscheint.

Angesichts der Tatsache, dass ich, seit ich mich erinnern kann, immer wieder durch dieselben Erfahrungen hindurch gehe, kommt es mir so vor, als ob ich schon alles ausprobiert hätte, um diese Situation zu verändern… dabei ist das sicherlich gar nicht der Fall! Warum ändere ich nicht ein paar meiner Gewohnheiten, von denen ich weiß, dass sie nicht nützlich sind? Auch das Erschaffen neuer Gewohnheiten könnte hilfreich sein, z.B. das regelmäßige, öffentliche Schreiben. Allein schon das Wissen um die Tatsache, dass das Geschriebene für jedermann lesbar ist (egal ob es nun gelesen wird oder nicht) gibt dem Geschriebenen schon eine stärkere, man könnte sagen magischere, Veränderungskraft, als wenn es nur gedacht, oder auch nur unveröffentlicht geschrieben ist. Tatsächlich macht man sich beim öffentlichen Schreiben auch viel mehr Gedanken, in wie weit man etwas von sich selber preisgeben will, und wieviel davon man dem Leser zumuten mag. Das gibt dem Geschriebenen mehr Gewicht.

Gedicht

Die Einsamkeit kommt immer wieder
regelmäßig inmitten der Menschen,
die eigentlich meine Vertrauten und Freunde sein sollten.

Was will die Einsamkeit von mir?
Ich habe sie nicht herbeigerufen.
Ist sie mein Freund oder mein Feind?
Will sie mich isolieren,
oder mir einen besseren Weg zeigen?
Will sie mir meine Seele rauben,
Oder mich vor Schwierigkeiten beschützen?

Vielleicht kann ich es selbst entscheiden.
Dann mache ich die Einsamkeit zu meinem Freund
mit dem ich alles teilen kann.
Dann gibt es gar keine Einsamkeit mehr.
Sondern nur noch die Freundschaft.

Lunch time

Gestern kam in der Mittagspause mit den Kollegen das Thema Russland auf. Es ist schon erstaunlich, dass selbst intelligente Menschen den vorgegebenen Medien-Sermon wiedergeben, und vor allem, dass sie auch noch glauben, es sei ihre eigene Meinung. Vielleicht hat Gerd-Lothar Reschke recht, wenn er meint, dass gerade der Durchschnitts-Intellektuelle die systemkonformste Lebensform darstellt. Es wurde behauptet, Russland sei mittlerweile völlig isoliert, dass es zum Krieg käme, wenn die Russen die Grenze zur Ukraine überschreiten würde, und dass die europäischen und amerikanischen Streitkräfte stark genug wären, um Russland zu vertreiben.

Meist habe ich bei solchen oder ähnlichen Gesprächsthemen einfach geschwiegen und nur (in manchen Fällen innerlich kopfschüttelnd) zugehört. Unter anderem wohl auch deshalb, weil ich so wie so meistens schweige und nur zuhöre, und selbst dann, wenn ich etwas beitrage, es meistens nur unwesentliches ist und nur selten auf Interesse stößt. Trotzdem war ich froh, dass ich dieses Mal zumindest zu erkennen gegeben habe, dass ich abweichende Vorstellungen vertrete. Immerhin sagte ich soviel: Dass ich nicht glaube, dass Russland so isoliert ist, wie die Standardmedien es uns glauben machen wollen, da der überwiegende Teil der europäischen Bevölkerung das gar nicht so sieht. Dass die Frage sei, was die Russen eigentlich gemacht hätten, außer den Schutz der russischen Minderheit in der Ukraine zu fordern (immerhin mein indischer Kollege stimmte mir in diesem Punkt zu). Auf die Entgegnung, ob ich es denn in Ordnung fände, dass die Russen ihre (nach meinem Stand des Wissens inzwischen sogar wieder abgezogenen) Truppen an ihrer Westgrenze zur Ukraine stationieren, entgegnete ich, dass die NATO ebenfalls an der Ostgrenze der EU aufrüstet. Da konnte natürlich keiner mehr so richtig dagegen argumentieren, und ich ließ das Thema.

Selbstverständlich hätte ich noch viel mehr dazu sagen können. Dass die Revolution in der Ukraine vom Westen aus angezettelt war, und wahrscheinlich ein illegaler Putsch war. Dass auch dieses Mal wieder eindeutig die USA und die EU die Aggressoren sind, und praktisch alle Mainstreammedien deren treue Komplizen sind. Dass letztere sich anscheinend nicht im geringsten daran stören, dass an der jetzt an die Macht gekommenen ukrainischen Regierung waschechte Neonazis mitmischen, während man hier schon als Nazi verleumdet wird, wenn man die amerikanische Federal Reserve Bank (FED) kritisiert. Dass gerade die Europäer gravierende wirtschaftliche Nachteile von Sanktionen gegen Russland haben werden. Aber das hätte sicherlich zu nichts geführt, und es ist gut, dass ich das Thema an der passenden Stelle habe ruhen lassen. Es hat gereicht, und war in meinen Augen auch richtig, mein nicht-einverstanden-sein mit der geäußerten Ansicht mitgeteilt zu haben.

Zum Schluss übrigens noch ein Wort zu dem häufig gehörten Vorwurf, vor allem die Deutschen seien so blöd um alles zu glauben, was in der Glotze kommt oder im SPIEGEL & Co. steht. In der besagten Mittagsrunde war ich nämlich der einzige Deutsche. Die Konversation fand auf englisch statt. Das hat es für mich natürlich zusätzlich schwieriger gemacht, mich klar und unmissverständlich zu dem Thema zu äußern. Während ich mit dem fachidioten-englisch, dass ich für meine tägliche Arbeit verwende, keine Probleme mehr habe. Dass sich Wissenschaftler heut fast nur noch auf englisch verständigen, erklärt wahrscheinlich, warum sie keine klaren politischen Gedanken mehr fassen können, es sei denn, sie sind Angelsachen.

Aliens

Es sieht so aus, als dass in der letzten Zeit das öffentliche Interesse and der Suche nach außerirdischen Zivilisationen wieder erwacht ist. Im Allgemeinen gibt es hier zwei verschiedene Ansätze, an dieses Thema heranzugehen. Entweder man sucht nach Indizien für das Wirken außerirdischer Intelligenz hier auf der Erde. Dazu gehören u.a. die Berichte von Ufosichtungen, oder von archäologischen Artefakten, die Hinweise auf das Wirken einer technisierten Zivilisation hindeuten. Auch die Suche nach außerirdischen Artefakten in unserem Sonnensystem würde unter diese Kategorie fallen. Eine seriöse wissenschaftliche Arbeit in diese Richtung ist leider unmöglich, da sie per definitionem als unseriös gesetzt worden ist.

Warum? Das hängt mit dem Absolutheitsanspruch der klassischen (soll heißen: nicht-quantenmechanischen) Physik im Gewand, das sie seit Beginn des 21. Jahrhunderts trägt, zusammen: Und zwar der Relativitätstheorie. Zur Erinnerung: Diese besagt, dass es keine Fortbewegung (auch keine Kommunikation) geben kann, die die Lichtgeschwindigkeit von (ziemlich genau) c=300’000 km/s übersteigt. Selbst um Geschwindigkeiten zu erreichen, die nur einen kleinen Bruchteil von c betragen, wären riesige Mengen Treibstoff nötig. Deshalb sei es nur äußerst unwahrscheinlich (wenn auch nach der Schulphysik zumindest nicht ausgeschlossen), dass irgendwann einmal eine außerirdische technisierte Zivilisation es bis in unser Sonnensystem geschafft hat. So viel also zu den Artefakten, sie tun sich damit natürlich schwer in Bezug auf eine staatlich geförderte Forschung, die einem Wissenschaftler als Broterwerb dienen kann. Noch schwärzer sieht es mit den allseits belieben Ufos aus: Entsprechende Berichte und dokumentierte Beweise lassen darauf schließen, dass diese Objekte sich so gar nicht an die vorgeschriebene Physik halten wollen, und haben sich damit selbstverständlich komplett disqualifiziert. Nur ein paar Hartnäckige wie Illobrand von Ludwiger bleiben da noch dran.

Kommen wir also zu der zweiten Herangehensweise, die mit der Matrix, in der wir leben, konform geht: Da in dieser Matrix die Lichtgeschwindigkeit die höchte erreichbare Geschwindikeit ist, mit der man Information versenden kann, sucht man eben nach Signalen, die sich mit c ausbreiten und irgendwann vor Jahrzehnten, Jahrhunderten, Jahrtausenden, oder gar Jahrmillionen von den Aliens rausgeschickt worden sind. Das ist die mit öffentlichen Geldern unterstützte Suche von SETI. Selbst wenn diese eines Tages einmal erfolgreich sein sollte, ergäbe sich aber das Problem, dass eine Kommunikation mit den Aliens nicht möglich wäre, es sei denn, man ließe sich Jahrhunderte Zeit um auf eine Antwort zu warten. Das heißt nicht, dass man es nicht auf diese Weise versuchen könnte. Aber die Matrix-Physik wirkt hier schon stark einschränkend.

Ich würde eine dritten Weg vorschlagen: Man könnte die derzeitige Physik derart erweitern, dass sie unendlich schnelle („instantane“) Kommunikation zulässt, ohne im Widerspruch mit der Relativitätstheorie als auch der Quantenphysik zu stehen. Die Quantenphysik beeinhaltet Eigenschaften, die das durchaus denkbar erscheinen lassen (z.B. die Nichtlokalität. Sogar die Relativitätstheorie lässt das zu: Noch vor kurzem glaube ich, dass überlichtschnelle Kommunikation laut der (speziellen) Relativitätstheorie das Gesetz der Kausalität verletzen würde, aber wie ich inzwischen gelernt habe, stimmt das nicht: Es besteht kein Widerspruch, falls es ein „ausgezeichnetes“ Inertialsystem gibt, innerhalb der die überlichtschnelle (möglicherweise sogar unendlich schnelle) Kommunikation stattfindet.

Vielleicht gibt es schon seit Jahrmilliarden so etwas wie ein intergalaktisches Internet, in dem Zivilisationen, egal wie weit sie physisch voneinader entfernt sind, in Echtzeit Informationen austauschen. Sobald eine Zivilisation die dazu benötigte Technik entwickelt hat, kann sie sich einklinken und an dem Austausch teilnehmen. Das wäre doch auch etwas für uns, oder?

Brotjob

Seit langer Zeit habe ich hier nicht mehr geschrieben. Woran liegt das eigentlich? Vielleicht ist es die Enttäuschung, die eigene Persönlichkeit durch das Schreiben nicht ändern zu können. Trotzdem die Jahr vorübergehen und sich die Lebensumstände ändern, stehe ich immer noch vor denselben Problemen, wie vorher. Anstatt dass die Zurückgezogenheit langsam zurück geht, habe ich den Eindruck, dass sie immer mehr zunimmt. Es ist diese Frage, auf die ich immer noch keine Antwort habe: Ist das durch mich selbst verschuldet, indem ich diese oder jene falschen Entscheidungen getroffen habe, oder liegt es an Umständen, die ich nicht beeinflussen kann? Ist es etwas, was bleibt und sich nicht ändern kann, oder wird es sich von selbst ändern, oder ändert es sich, wenn ich die richtigen Lebensumstände wähle? Bei mir kommt jedoch in immer denselben Situationen das Gefühl hoch, dass es das erstere ist: Wenn ich kein Gesprächsthema mit den Leuten finden kann, wenn ich zuschaue, wie sie sich gegenseitig unterhalten, ich selber aber außerhalb stehe.

Das ist immer derselbe Mist, er zieht sich durch mein Leben, und wenn ich mich recht entsinne, habe ich in der Anfangsphase des Willensfreiheitsblogs darüber auch schon geschrieben. Tatsächlich hatte ich durch die Eröffnung des Blogs die Hoffnung im Hinterkopf, durch seine Führung dieses Lebensgefühl aktiv angehen zu können, oder zumindest, eine Erklärung dafür finden zu können. Was aber nicht so war. Teilweise bin ich auf andere, mir wichtig erscheinende Themen ausgewichen, v.a. die Naturwissenschaft, da sie meinen Broterwerb darstellt (und früher sogar tatsächlich einmal meine Leidenschaft), aber auch von dieser bin ich inzwischen soweit enttäuscht worden, dass ich keine Energie mehr fand, weiter zu schreiben. Das schreiben stellte nur eine Zusatzarbeit dar zu der Arbeit, die ich für meinen Arbeitgeber machen muss. Dabei ist die Arbeit, die ich hier machen könnte, echte Arbeit, während ich die andere nur deshalb mache, weil ich Geld benötige zum Leben. In der Wissenschaft ist kein Raum mehr für Kreativität, man darf nichts mehr wirklich in Frage stellen. Alle Wege sind bereits vorgezeichnet. Wenn man sich damit zufrieden gibt, kann man das machen, kann auch publizieren, immerhin ist man in der Gemeinschaft aller anderen, die das auch machen. Aber ich schaffe das nicht.

Mein wirkliches Leben finden inzwischen nur noch zu Hause statt, mit der Familie (zumindest das wenige, was davon übrig ist), un ab und an ein paar Unternehmungen mit Freunden. Es heißt von manchen, man solle sich nicht nur ins Private zurückziehen, man solle auch nach außen gehen, sich engargieren. Aber hier in meinem Brotjob, da gibt es nichts, wofür ich mich engargieren kann, ja sorgar, möchte. Wenn überhaupt, gäbe es nur die Möglichkeit über den Brotjob hinaus zu gehen. Ins Ungewisse, ins Gefährliche, dort, wo die meinsten derjenigen, mit denen ich heute zusammen arbeite, niemals hingehen würden. Da wäre ich dann allein. Obwohl, das bin ich ja jetzt auch schon. Leider bin ich nicht mit so viel Mut auf die Welt gekommen.

Der Willensfreiheitsblog ist eine winzige Möglichkeit, in diese Richtung zu gehen, darum möchte ich ihn auf keinen Fall aufgeben.

Grenzen der Quantenmechanik

Eine wesentlicher Anteil der Beiträge für diesen Blog beschäftigt sich mit der Quantentheorie. Ich habe diese Theorie im Physikstudium kennen gelernt, bin dann aber aufgrund einer freien Entscheidung davon abgekommen, und bin in der Klimatologie gelandet. Dort musste ich feststellen, dass die zugrunde liegende Theorie vollständig auf der Newtonschen Physik aufbaut, die seit 100 Jahren, also seit dem Aufkommen der Quantentheorie veraltet ist. Nun, für die Wettervorhersage mag dies durchaus gerechtfertigt sein. Das Wetter spielt sich in einem Bereich ab, in dem Quantenphänomene (und die Phänomene, die nach der Relativitätstheorie bei Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit auftreten), nicht berücksichtigt zu werden brauchen, da sie keinen messbaren Einfluss auf die Vorhersageergebnisse haben. Da sich die Modelle, die für die Simulation des Klimas – also die langjährige Statistik über das Wettergeschehen – verwendet werden, sich nur sehr wenig von den Wettervorhersagemodellen unterscheiden, scheint die Annahme ebenfalls Gültigkeit zu haben. Trotzdem – mit diesen Modellen werden alle Aussagen über das Klima hier und anderswo stets der eingeschränkten Weltsicht der Newtonschen Physik unterworfen sein. Da helfen auch die größten, schnellsten und teuersten Computer der Welt nichts. Hier geht es nicht um Quantität (noch mehr Klimasimulationen, noch komplexere Klimamodelle, die immer mehr Komponenten des Klimasystems mit immer genaueren Parametrisierungen der einzelnen Prozesse simulieren können), sondern um Qualität: Den Übergang vom Newtonschen Paradigma zu dem Paradigma, das durch die Quantenphysik definiert wird. Eine genaue Beschreibung, was dieser Übergang bedeutet, ist z. B. in meinem Blog mit den Übersetzungen einiger Aufsätze von H. P. Stapp und meiner Rezension des Buches von Natalie Knapp nachzulesen.

Trotz meines Wechsels zur Klimawissenschaft ist mein Interesse an der Quantenphysik niemals abgeflaut. Die QT ist zwar aus mittlerweile fast allen Gebieten der Physik nicht mehr wegzudenken, aber trotzdem ist es vollkommen unverständlich, dass sie immer noch unverstanden ist – eigentlich ein untragbarer Zustand. Wir tappen immer noch im Dunkeln mit der Frage, wie der Übergang von des physikalisch beschreibbaren quantemnechanischen Zustandes – oft schlicht als “Wellenfunktion” bezeichnet – zu der Welt aussieht, die wir erleben. Beide Welten scheinen sich völlig zu widersprechen, was bereits Schrödinger durch seine berühmte Katze veranschaulichte: In der physikalisch beschreibbaren Welt der Quantenmechanik gibt es Superpositionen aus lebenden und toten Katzen. Dagegen gibt es in unsere Erfahrungswelt nur ein entweder-oder. Wie konnte eine solch absurde Theorie bis heute überleben, in der Form, in der sie in den 1920er Jahren entwickelt wurde? Ganz einfach: Man fügte der physikalischen Beschreibung, die durch die sog. Schrödingergleichung oder mathematisch äquivalente Formulierungen gegeben ist, noch eine weitere Rechenvorschrift hinzu: Eine einfache statistische Formel, die Wahrscheinlichkeit und den Wert von Messergebnissen (merke: Messergebnisse = Erfahrungen) exakt richtig wiedergibt. Diese Rechenvorschrift, die sog. “Bornsche Deutung”, beschreibt den nicht näher definierten “Kollaps” bzw. Die “Reduktion” des Quantenzustandes, und bis heute ist kein Experiment bekannt, in dem die Anwednung der beiden Komponenten der Quantenmechanik, also der Schrödingengleichung und der Reduktion der Wellenfunktion, falsche Erbenisse lieferten.

Auf der anderen Seite konnte bisher niemand eine zufrieden stellende Theorie liefern, die ohne Schrödingers-Katzen-Zustände auskommt. Versuche in diese Richtung gab es allerdings genügend. Die bekanntesten gehen wohl auf Einstein zurück: Er glaubte, dass die Formulierung der QM wiedersprüchlich ist, und dass es eine deterministische Theorie geben müsse, die vollständig ist, trotzdem aber die statistischen Aussagen der QM richtig wiedergibt. Einsteins Kontrahent Nils Bohr dagegen vertraute völlig in die mathematische Beschreibung der QM und versuchte vergeblich, Einstein von dessen Widerspruchsfreiheit zu überzeugen.

Trotzdem sind wir heute weiter als Einstein und Bohr damals. Beide erlebten die Veröffentlichung von John Bell im Jahr 1964 nicht mehr: Bell bewies, dass es, die von Einstein gesuchte Theorie gar nicht möglich ist, vorausgesetzt die Quantentheorie stimmt. Anders herum ausgedrückt, jede deterministische Theorie, in der weit voneinander entfernte Teilchen keinen direkten Einfluss aufeinander haben (so etwas wird heute üblicherweise als “lokal-deterministische” Theorie bezeichnet), Voraussagen macht, die unter gewissen Umständen der Quantentheorie widersprichen muss. Diese Umstände konnten in mittlerweise zahlreichen Experimenten hergestellt werden, und jedesmal wurden die Voraussagen der Quantentheorie bestätigt. Das heißt, es konnte experimentell bewiesen werden, dass die “Natur” (was auch immer das sein soll) – völlig entgegen unserer menschlichen Intuition – nicht lokal-deterministisch ist. Selbst wenn doch noch Experimente gefunden werden, in denen Abweichungen von der QT gefunden würden – die Eigenschaft der Nichtlokalität in der Natur ist bestätigt, und jede mögliche Nachfolgetheorie der QT muss sie beinhalten. Ich schrieb bereits in früheren Einträgen darüber, z.B. über die von Lucien Hardy konstruierte Situation. Man braucht eine Weile, um die weltbilderschütternden Konsequenzen dieser Erkenntnis zu verstehen – mir ging es jedenfalls so: Ich begann es erst halbwegs zu verstehen, seitdem ich nicht mehr hauptberuflich Physik betreibe…

Erstaunlich ist die Tatsache, dass Einstein, Bohr, und ihre Zeitgenossen den Bell’schen Lehrsatz nicht selbst entdeckten. Mathematisch gesehen ist dieser Beweis nämlich ziemlich simpel – jedenfalls im Vergleich zu dem Zeug, womit sich diese Herrn im Laufe ihres Lebens sonst so beschäftigten. Für die Experten: Das einfachst mögliche Quantensystem ist das sog. “Qbit”, das mathematisch durch eine 2×2-Matrix beschrieben wird. Für den Beweis des Satzes braucht man lediglich die Beschreibung zweier verschränkter Qbits, was durch einen 4×4-Matrix möglich ist. Der Bellsche Satz zeigt, dass die Quantenmechanik geeignet ist, zu beweisen, dass die Welt nicht lokal funktioniert. Warum das so ist, da haben wir immer noch keinen blassen Schimmer… Darauf scheint uns die Quantentheorie keine Antwort zu liefern.

Troztdem zeigte sich, fast 50 Jahr nach Bell, dass die Quantentheorie noch mehr Antworten über die Quantennatur geben kann: Erst im letzten Jahr 2012 enschien eine Arbeit in “Nature Physics”, in dem bewiesen wurde, dass ein quantenmechanischer Zustand mehr ist, als eine reine Wahrscheinlichkeitsaussage. Bisher wäre es denkbar gewesen, dass ein und derselbe physikalische Zustand von zwei verschiedenen Beobachtern durch zwei unterschiedliche Quantenzustände ausgedrückt werden könne, wenn sie über unterschiedlichen Informationen verfügen. Um das zu veranschaulichen, könnte man sich vorstellen, dass zwei Personen die folgenden unterschiedlichen Informationen über das Wetter von heute in Hamburg verfügen: Der eine hat vielleicht die Information “Tageshöchsttemperatur 25 °C, leichter Westwind”, der andere dagenen “leicht bewölkt, keine Niederschläge”. Beide haben eine korrekte, aber unterschiedliche Beschreibung ein und desselben physikalischen Zustands. Wäre möglich, dass es analog möglich ist, dass zwei verschiedene Quantenzustände ein und dasselbe Quantensystem korrekt beschreiben können? Wäre das so, wäre ein Quantenzustand eine rein “epistemische” Beschreibung der physikalischen Realität. Die Autoren des besagten Artikels, namentlich Pusey, Barrett und Rudolph, zeigten jedoch – ausschließlich mit Hilfe der Quantenmechanik – dass genau dies nicht möglich ist. Der Beweis ist nur unwesentlich komplizierter als derjenige des Bellschen Satzes. Kaum zu glauben, dass noch 80 Jahre nach der Entwicklung der Quantenmechanik noch derart fundamentale Aussagen auf mathematisch einfache Weise aus dieser Theorie heraus zu holen sind. Erst heute entdeckte ich eine neue Arbeit, die sich auf diesen Beweis bezieht und behauptet, noch stärkere Aussagen machen zu können (muss ich mir erst noch ansehen). Man darf gespannt sein, ob es noch mehrere unentdeckte, rein aus der Quantenmathematik beweisbare, starke Aussagen über die Natur der Quanten gibt.

Alle genannten Sätze haben jedoch die Gemeinsamkeit, Aussagen darüber zu machen, was die Quantennatur nicht ist (engl. no-go theorem): Nicht-lokal, nicht-epistemisch usw.. Wozu die Quantenmathematik anscheinend nicht geeignet ist, ist, uns positive Antworten zu geben, wie z.B. auf die Frage, warum wir in unserer Erfahrung niemals Schrödingers-Katzen-Zustände sehen können. Ich finde, es ist an der Zeit, eine geeignete Nachfolgetheorie der QM zu finden, die das kann. Das wir natürlich dadurch erschwert, dass manche Wissenschaften die Quantenmechanik immer noch ablehnen obwohl das inzwischen völlig irrational ist. Dazu gehören u.a. die Neurowissenschaften, die Medizinische Wissenschaft usw., obwohl diese sogar Methoden verwenden, die auf der Quantentheorie basieren, wie die Kernspintomographie usw..

Du bist nicht dein Gehirn

Letztens habe ich mir ein paar youtube Videos über Quantenmechanik und Hirnforschung angesehen. Hier ist eine Vorlesungsseminar von Jeffrey Schwartz und Henry Stapp zum Thema „du bist nicht dein Gehirn“:

http://www.youtube.com/watch?v=uF-PVmJh2Ps (Teil 1)
http://www.youtube.com/watch?v=vHT4__YZjy4 (Teil 2)
http://www.youtube.com/watch?v=V21RvDJDDUk (Teil 3)
http://www.youtube.com/watch?v=dFFM9STfuaY (Teil 4)
http://www.youtube.com/watch?v=ja8POmU418k (Teil 5)

Habe leider keine deutsche Übersetzung. Besonders bezeichnend find ich die Empfehlung von Jeffrey Schwartz am Anfang der Serie an angehende Wissenschaftler: Wenn es euch um die Sache geht, gratuliere. Dann seid ihr hier genau richtig. Wenn es euch aber darum geht, Karriere zu machen, dann geht jetzt lieber raus und macht was anderes, denn seiner Erfahrung nach nutzt eine Beschäftigung mit diesem Thema der Karriere nicht. Das glaube ich ihm sofort! Siehe auch hier: Der Materialismus stimmt nicht:

Manchmal denke, diese Art von Wissenschaft ist die einzige, die noch übrig ist. Eigentlich sollte man sich als Wissenschaftler nur noch mit diesem Thema beschäftigen.

Freunde

Es war schon immer ein typisches Problem von mir, nicht genügend Freunde zu haben. Komisch, dass es doch manche Dinge gibt, die sich einfach nicht ändern. Das ist auch so eine dieser Konstanten, um auf meinen letzten Eintrag zurückzugreifen. Dabei ist es nicht so zu verstehen, dass es da generell keine Änderungen gab oder gibt. Ich hatte immer Freunde (ob es nun zu wenige waren oder nicht). Manchmal sah ich sie öfter, manchmal weniger oft. Manchmal freute ich mich, sie zu sehen, manchmal weniger, und manchmal auch nicht. Manchmal war ich mit ihnen einig, und manchmal konnte ich ihre Ansichten ganz und gar nicht ab, und ärgerte mich über sie. Aber erst wenn die alten Freunde mal nicht mehr da sind bzw. man nur noch alle halbe Jahre mal mit ihnen in Kontakt steht (und das ist eindeutig zu wenig), und andererseits auch keinen neuen dazu kommen, merkt man, dass sie halt trotzdem Freunde sind. Und dann kommen bei mir auch wieder die alten Depressionen hoch und das Gefühl, dass ich doch immer noch das alte Problem mit mir rumschleppe, keine Freundschaften pflegen zu können. Ich sei nicht aktiv genug, heißt es dann. Mag sein – aber wenn einen allein der Versuch, auch nur daran zu denken, sich in Zukunft mehr Mühe geben zu wollen, schon entmutigt, ist das natürlich leicht daher gesagt.

Wie soll man auch unter den heute in Deutschland herrschenden Zuständen Freundschaften pflegen und aufbauen können, wenn einem das nicht so leicht fällt? Wenn die Studienzeit mal um ist, darf man sich ein soziales Umfeld nur noch unter den Arbeitskollegen aufbauen, da “erwerbstätige” Arbeit höher geschätzt wird als alles andere in der Welt. Da wird dann mit verpflichtenden “social Events”, “Capacity Building”, “Meetings” und allerelei sonstigen Veransltungen aller Art, natürlich allesamt mit Bezeichnungen aus dem angelsächsischen Sprachraum, die kein Mensch aussprechen kann, kräftig nachgeholfen. Ach ja, “erwerbstätig” in Anführungszeichen deshalb, weil ich diesen Bergiff noch kurz definieren will. Erwerbstätig heißt eine Arbeit, wenn sie in einer zum Petrodollar äquivalenten Währung ausbezahlt wird, und zwar um so höher, je imaginärer und irrealer die Leistung bzw. das Produkt der jeweiligen Arbeit ist.

Und wenn die Arbeit dann mal um ist? Als ich noch studierte, zog ich gern mal mit Freunden (also jenen, die ich ober erwähnte) durch die Kneipen, z.B. Vom “Murphy’s Law” über den “Thing” in den “Dudelsack”, und obwohl ich schon immer Nichraucher war, hatte die dortige verrauchte Atmosphäre etwas besonderes. Seitdem sich auch in Deutschland jene faschistoiden “Nichtraucherschutzgesetze” durchgesetzt haben, ist es damit jetzt auch schon wieder seit bald 5 Jahren vorbei. Jetzt ist alles steril, rauchfrei und mit kalten quecksilberverseuchten Energiesparbirnen beleuchtet. Kann man nach der Arbeit also nur noch zurück nach Hause vor die Glotze.

Konstanten

In letzter Zeit kommt es mir immer mehr so vor, als ob mein Idealismus von früher, und meine Hoffnungen, dass es in der Zukunft besser werden würde als es jetzt ist, immer mehr verblassen. Geblieben sind nur vage Vorstellungen davon, was richtig und falsch ist, was gut ist zu tun, und was nicht gut ist. Aber auch die Bemühungen, mehr Energie aufzubringen, um die guten Dinge zu tun und die schlechten zu unterlassen, werden immer schwieriger. Und zwar einfach deshalb, weil immer mehr die Hoffnung schwindet, neue (bessere!) Handlungsweisen auf die Dauer aufrecht zu erhalten, auf Grund meiner Erfahrungen der letzten vier, fünf Jahre. Wenn man nicht mehr an das Ziel glauben kann, kommt einem der Weg dahin auch immer sinnloser vor, und dann geht’s natürlich nicht mehr richtig.

Wie es so weit kommen konnte, ist eine schwierige Frage. Wie ich in einem der letzten Einträge schon einmal ausführte, lag es möglicherweise daran, dass ich vor fünf Jahren aufgrund einer falschen Entscheidung auf eine Schiene geraten bin, die nicht die beste für mich war. Ich hatte meine Fähigkeit, mit neuen, veränderten Situationen klarzukommen, überschätzt (ob ich sonst wesentlich besser dran gewesen wäre, kann ich natürlich nicht wissen; jedenfalls würde mit wahrscheinlich ein Stück Erfahrung fehlen). Auch mit meiner Fähigkeit, mein Leben unabhängig von den Wünschen anderer selbst zu gestalten, ist es nicht allzu weit her, wie ich feststellen musste. Na ja, eigentlich war es auch vorher schon so, aber dass es diesmal wieder so geworden war, war halt schon etwas ernüchternd.

Wie auch immer, die in mehrerer Hinsicht veränderte Situation führte dazu, dass ich aufgrund emotionaler Überforderung nicht mehr fähig war, einige Konstanten meines vorherigen Leben fortzuführen. Dazu gehörten nicht nur mein Freundeskreis und die Musik, sondern auch mein bisheriges Arbeitsgebiet, die Physik, die ja inzwischen zu einem wichtigen Bestandteil meines Blogs geworden ist. Und wie selten ich mich mit ihr noch beschäftige, wird durch die Frequenz meiner Blogeinträge deutlich reflektiert.

Vielleicht ist es gerade deshalb so wichtig, die wenigen Konstanten, die noch übrig geblieben sind, aufrecht zu erhalten. Diesen Blog zum Beispiel. Warum sind meine letzten Einträge schon wieder so lange her? Die ständige Vorstellung, jetzt gerade keine Zeit dafür zu haben, und erst dann mal wieder zu schreiben, wenn dies oder das erst mal erledigt ist, sind natürlich reine Ausreden. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich immer denke, ich müsste über ein ganz wichtiges, gründlich durchdachtes und ausgearbeitetes, publikationsreifes, Thema schreiben, was dann immer nur zur Entmutigung führt. Manchmal habe ich auch einen guten Einfall, was ich schreiben könnte, aber schon ein, zwei Stunden später kommt es mir dann schon wieder zu unwichtig vor, oder ich erinnere mich mehr richtig daran, und so weiter. Und wenn ich mich dann – wie jetzt – doch einfach mal hinsetze um etwas zu schreiben… siehe da.. es geht trotzdem!!

Eine weitere Konstante in meinem Leben, seit inzwischen fast zehn Jahren, ist der Buddhismus. Er hat mich dem Verständnis von der Funktionsweise und Beschaffenheit des Geistes näher gebracht, als andere Lehren (obwohl jene vieles ergänzt haben). Das heißt nicht, das der Buddhismus deshalb besser ist, als andere, z. B. westliche Lehren, sondern, das er für mich persönlich wichtig war, und deshalb ein gänzliches Fallenlassen kontraproduktiv wäre. Natürlich kommt er aus einem völlig anderen Kulturkreis, deshalb ist die Beschäftigung damit z. B. in Deutschland schwieriger und mit mehr Fallen verbunden, als in Asien. Weshalb er auch von vielen kritisiert wird. Aber warum das dann bedeuten soll, dass ich mich deshalb trotz erwiesenen positiven Resultaten davon abwenden soll, erschließt sich mir nicht. Natürlich passt das Christentum kulturell gesehen besser hierher, und es ist völlig unverständlich, warum es ständig mit Dreck beworfen wird, und zwar auch noch von Leuten, die vom Buddhismus ganz begeistert sind. Darum geht es mir nicht, sondern allein darum, was einen weiterbringt, und was nicht.