Wahrheit?

Natürlich gibt es nur eine Wahrheit. Dieses posmoderne Denken, dass jeder seine eigene Wahrheit hat, ist Blödsinn. Aber die Wahrheit hat es auch so an sich, schmerzhaft zu sein. Fast immer. Oft wollen wir die Wahrheit nicht hören. Wir sind gut darin, den Splitter im Auge der anderen zu finden, aber den Balken im eigenen Auge wollen wir nicht wahrhaben. Wir sind alle so. Aber darum soll es mir hier nicht gehen, da haben schon andere drüber gesprochen, die das besser können, als ich.

Nein, mir geht es hier vielmehr darum, dass „Wahrheit“ leider auch häufig missbraucht wird. Mir fallen immer wieder Wahrheitssager oder solche, die sich dafür halten, auf, die das tun. Sei sagen sehr klar und direkt heraus, was sie in anderen an Fehlern sehen, und meinen dann, es sei richtig das auch klar auszusprechen, da es ja die Wahrheit sei. Und wenn sich die „Opfer“ dann verletzt fühlen oder, noch schlimmer, sich dagegen zur Wehr setzen, heißt es dann von Seiten dieser Wahrheitssager, dass die sich zur Wehr setzenden eben die Wahrheit nicht vertragen könnten. Das ist im besten Falle Demütigung, im schlimmsten Falle emotionale Erpressung. „Wahrheit“ ist noch lange kein Freibrief, andere zu verletzen, bloß zu stellen, oder gar zu beleidigen. Auch ich selber muss immer wieder darauf achten, so etwas nicht zu tun, wahrscheinlich habe ich mich auch schon öfters so verhalten. Und selbst wenn es die Wahrheit ist, heißt es deshalb noch nicht, dass deshalb alles ausgesprochen werden muss, wenn es andere verletzt. Eine nicht ausgesprochene Wahrheit ist nämlich noch lange keine Lüge.

Was mir ebenfalls bei manchen dieser Leute auffällt, ist der geradezu inflationäre Gebrauch der Begriffs „Wahrheit“. Das führt dann letzlich dazu, dass dieses Wort irgendwann völlig inhaltsleer und bedeutungslos wird. Für mich muss Wahrheit etwas mit Realität zu tun haben. Und am realsten ist immer das, was genau jetzt geschieht: Das, was ich gerade sehe, wahrnehme, tue. Die Wünsche und Nöte, die ich gerade jetzt habe. Wie ich mich gerade fühle. Die Menschen, mit denen ich gerade jetzt zu tun habe. Das ist real. Und nicht irgendwelche abstrakten, religiösen Konzepte von Erlösung, Himmel, Hölle, usw.

 

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Klöster in West und Ost

Ich verlinke hier einmal einen gleichnamigen Aufsatz, den ich für lesenswert halte. Hoffentlich stellt der Autor das nicht gleich wieder auf privat, wie er das so gerne macht:

https://www.selbsterkenntnis-wiki.de/doku.php?id=kloester_in_west_und_ost_-_schulen_des_bewusstseins

Über den Gerd-Lothar Reschke habe ich mich in den letzten Jahren ja schon ziemlich oft geärgert, wahrscheinlich auch zu Recht. In letzter Zeit scheint er sich wieder hauptsächlich auf die Themen zu konzentrieren, mit denen er sich vor seiner Hinwendung zu politischen und wirtschaftlichen Themen — so seit ungefähr 2010 — beschäftigt hat. Das gefällt mir rgendwie besser, vor allem, weil ich mich ebenfalls von dem ganzen Politikmüll immer mehr abwende. Es erzeugt bei mir immer mehr Ekelgefühl, und die kommende EU-Wahl wird auch die erste sein, an der ich nicht teilnehmen werde.

Sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, weil ich im vergangenen Jahr gelegentlich (unerwünschte) kritische und teilweise sarkastische Kommentare unter GLR-Videos geschrieben habe? Ich glaube nicht, denn das hätte er auch gar nicht verdient. Obwohl es wohl unnötig war. Aber das hier ist mein Blog, und hier kann ich schreiben!

Ich weiß auch nicht, was mit mir passiert ist, dass ich den GLR auf einmal besser verstehen kann — auch wenn das wohl für immer einseitig bleiben wird, egal. Vielleicht liegt es daran, weil er einer der wenigen ist, der über viele Jahre konstant geblieben ist, und sich weiter entwickelt hat, auch wenn es über kurze Zeiträume gesehen gar nicht so aussah. Bei vielen anderen Leuten, die ich in den letzten Jahren im Netz (in Blogs, auf Youtube…) verfolgt habe, kann ich nur Stagnation, Zurückentwicklung, oder ein Steckenbleiben in Sackgassen erkennen.

Naturrecht

Der Grundsatz „Was du nicht willst was man die tu, das für auch keinem anderen zu“, verbunden mit dem Gesetz von Saat und Ernte (= „Karmagesetz“) als „Durchsetzungsinstanz“, reicht völlig aus, um eine Ethik zu begründen, die die Welt zum Paradies machen könnte. Damit wird die Vorstellung von einem strafenden Schöpfergott komplett überflüssig.

So schrieb ich kürzlich unter einem Video des Zentrums für klares Denken.

Der skeptische Leser wird jetzt möglicherweise einwenden, warum die Welt dann nicht schon seit langem ein Paradies geworden ist? Hier könnte man, unter anderem, die folgenden vier Gründe anführen:

  1. Weil die Existenz eines Gesetzes von Saat und Ernte von materialistischen Atheisten bestritten wird, da sie die Vorstellung ablehnen, dass es neben physikalischen Gesetzmäßigkeiten auch noch geistige Gesetze geben könnte,
  2. weil die Existenz eines Gesetzes von Saat und Ernte von fundamentalistischen Theisten abgelehnt wird, da sie befürchten, dass ein solches die Vorstellung von einem außerkosmischen Schöpfergott unnötig machen wüde (was ja tatsächlich auch stimmt),
  3. weil es jede Menge falsch verstandene Vorstellungen von Karma und Wiedergeburt gibt, unter anderem im hinduistischen und buddhistischen Kulturkreis, aber auch in der westlichen Esoterik und im Okkultismus. Als Beispiel sei hier die Rechtfertigung des Kastensystems in Indien mit der Karmalehre genannt (was der Erhabene Buddha allerdings korrigierte).
  4. Selbst wenn man diese Gesetze richtig versteht — sofern dies überhaupt möglich ist — erfordert es wahrscheinlich immer noch sehr viel Disziplin und Training, um sie im eigenen Leben umzusetzen und zu verwirklichen .

Natürlich ist mir bewusst, dass das alles noch lange kein Beweis ist, dass ein Gesetz von Saat und Ernte existiert. Vielmehr geht es mir hier darum, dass das Argument, dass die Welt seit Jahrtausenden nicht besser geworden ist, und kein Ende des Elends abzusehen ist, eben auch kein Beweis für das Gegenteil ist.

Bekehrung

Hans-Joachim Heyer schrieb auf Facebook, dass er seinen Freunden und Verwandten, bei denen er Ängste und Depressionen vermutet, empfiehlt, sich zu Jesus Christus und der Bibel zu bekehren. Nur dadurch würden alle psychischen Probleme verschwinden, viel effektiver als in einer herkömmlichen Psychotherapie. Dass das jedoch im Allgemeinen nicht stimmt, sondern dass dies unter Umständen sogar noch zu einer zusätzlichen Traumatisierung führen kann, ist auf dieser Webseite dokumentiert:

https://www.matth2323.de/notfall-berichte/

Man lese die dort gesammelten Erfahrungsberichte. Da sowohl die Autoren der Erfahrungsberichte, als auch die Betreiber der Webseite bibeltreue Christen sind, kann man davon ausgehen, dass es sich hierbei nicht um atheistische oder antichristliche Propaganda handelt.

Ich räume jedoch ein, dass es nicht bei jedem Menschen so sein muss, wie in den Berichten geschildert.

 

Jakob und Esau – die Versöhnungsszene

War die biblische „Versöhnungsszene“ zwischen Jacob und Esau eine echte Versöhnung? Aus einer Diskussion mit der Stechfliege unter seinem derzeit neuesten Video:

Stechfliege:

Hab mir eben dein Blog angeschaut und du hast da ein äußerst interessantes Thema, nämlich den Esausegen. ich beschäftige mich immer wieder damit, kam aber bisher noch zu keinem endgültigen Schluss, wie genau das nun zu verstehen sei. Es wird aber wohl auch was mit einem Äonenwechsel zu tun haben, was ich im nächsten Video thematisieren werde, allerdings ohne Esau und Jakob.

Bei Jakob und Esau erkennt man aber auch den Unterschied zwischen Ehrlichkeit und Unehrlichkeit, einem moralischem Handeln und unmoralischem Handeln. Ich denke das das Joch, die Auseinandersetzung der Dualität ist und man dann das Joch abwirft, wenn man die „unversöhnliche“ Pole sinnvoll miteinander verbindet

Die Israelis (Jakob) feiern bis heute das Purim-Fest und zeigen ihre Unversöhnlichkeit mit Amalek bzw Edom (Esau). Würde das Esau auch machen? Laut der Bibel, war er versöhnlich seinem Bruder gegenüber und freute sich, als er ihn endlich umarmen konnte (zuvor hatte Jakob sich hinter seinen 4 Frauen versteckt). Doch am Ende, so die äthiopische Bibel, wurde Esau von seinen Söhnen angestachelt, die damalige Schmach zu rächen und sie kämpften dann gegen Jakob und seinen Söhnen, der Sohn Juda riet seinem Vater, seinen Bruder zu erschießen und Esau brach tödlich getroffen von Jakobs Pfeil zusammen. Ich hoffe ich habe es richtig wiedergegeben, bin seit einem Jahr nicht mehr an dem Thema dran.

Lano:

Danke für dein Interesse! Das Thema Esausegen habe ich vorerst mal auf Eis gelegt, weil ich mir wie du auch nicht mehr völlig im Klaren bin, ob das wirklich weiter bringt. Matthias Köpke hat auf seinem Kanal „esausegen“ und seiner dort verlinkten Schriftensammlung einen beeindruckenden Fundus dazu zusammen getragen. Er bezieht sich dabei v.a. auf die Schriften von Erich und Mathilde Ludendorff. Die Ludendorff-Schriften habe ich mir auch ein bisschen angesehen. Ist durchaus interessant, aber ich bin dann doch zu dem Schluss gekommen, dass das nicht meine Welt ist. Was mich bei M. Ludendorff vor allem stört, ist, dass sie sich einerseits über Pseudowissenschaften mockierte („Induziertes Irresein durch Okkultlehren“), andererseits aber selbst pseudowissenschaftliche Verschwörungs- und Rassentheorien vertrat.

Ja, diese biblische „Versöhnungsszene“ zwischen Jacob und Esau ist interessant. Ich habe das aber eher so verstanden, dass es gar keine echte Versöhnung war, sondern einen weiterhin bestehenden, ungelösten Konflikt symbolisiert. Jacob wird in der Bibel ja als der begabtere, spirituellere, und fleißigere dargestellt, allerdings mit einem Hang zur Feigheit und Unehrlichkeit. Esau dagegen ist der triebgesteuerte, aber ehrliche und gutmütige Trottel. Jacob leidet unter einem schlechten Gewissen wegen seines Betrugs, aber er weiß auch, dass der Segen, den Esau von Isaak bekommen hat, nur dann in Kraft tritt, wenn Esau ihn persönlich für sich einfordert. So verstehe ich auch die Versöhnungsszene: Jacob wünscht sich insgeheim, dass Esau sein Erbe einfordert, um von seinem schlechten Gewissen befreit zu werden, deshalb wirft er sich so unterwürfig vor Esau nieder, und bietet ihm an, sein Knecht sein zu dürfen. Aber was macht Esau, der gutmütige alte Trottel? Er hat alles schon wieder vergessen, es ist ihm genauso egal wie sein Erstgeburtsrecht. Er freut sich einfach nur, seinen Bruder wieder zu sehen, und so schwelt der Konflikt weiter.

Dazu passt übrigens auch, dass Mutter Rebekka, die den Jacob ja zu dem Betrug angestachelt hat, in 1. Mose 27, 43-45, zu Jacob sagt: „Und nun höre meine Stimme, mein Sohn: Mache dich auf und fliehe zu meinem Bruder Laban gen Haran und bleib eine Weile bei ihm, bis sich der Grimm deines Bruders legt und bis sich sein Zorn wider dich von dir wendet und er vergißt, was du an ihm getan hast; so will ich darnach schicken und dich von dannen holen lassen. Warum sollte ich euer beider beraubt werden auf einen Tag?“ Rebekka kannte ihren Sohn Esau also genau und ahnte schon, dass er bald alles wieder vergessen würde.

Naja, wie gesagt ist das meine eigene Interpretation, aber es gibt schon alles ein erstaunlich konsistentes Gesamtbild. Es könnte also tatsächlich Sinn machen, das so zu verstehen, dass die nicht-israelitischen Völker (symbolisiert durch Esau) das Joch, dass ihnen die Israeliten auferlegt haben, abwerfen dürfen, indem sie es für sich einfordern. Interessant, dass die Geschichte in äthiopischen Schriften weiter erzählt wird, das wusste ich noch nicht.

Stechfliege:

Ja, deine Interpretation hat was, ich füge sie mal als eine Erweiterung in meinen Kenntnisstand hinzu. 🙂

Das mit Ludendorff kenne ich natürlich auch den Kanal Esausegen. Alles Interpretationen von Individuen, so wie du und ich es auch tun. Ich denke, jeder hat ein Stück Wahrheit in sich, was für alle Menschen gilt, aber die vollständige Wahrheit trägt jeder nur für sich.

Esausegen II

Dies ist ein kurzer Nachtrag zum letzten Post. Ich sehe die Sache mit dem Esausegen inzwischen etwas anders. Vielleicht ist es wirklich alles genauso gemeint, wie es in der Bibel steht. Letztens las ich einen Youtube-Kommentar mit einer interessanten Auslegung der Jacob-Esau-Geschichte. Der Schreiber meinte, dass es tatsächlich Gottes Wille gewesen sei, dass Jacob den Segen seines Vaters bekommen sollte, und nicht Esau. Aber, weil er und Mutter Rebecca diese Verheißung Jahews nicht abwarten konnten, wollten sie mit einem Betrug nachhelfen.

Vielleicht stimmt diese Auslegung ja so. Aber dann ist es auch Gottes Wille, dass Esau eines Tages das Joch seines Bruders Jacob von seinem Halse reißen soll. Sonst würde es ja so nicht in der Bibel stehen. Aber egal, ob man das nun glaubt oder nicht, ich sehe keinen Grund, warum die Berufung auf den Esausegen in irgend einer Weise mit der Bibel in Konflikt stehen sollte. Nach meinem Verständnis ist die biblische Geschichte von Jacob und Esau ein Symbol für einen ungelösten Konflikt. Ein betrügerische Handlung muss auf lange Sicht irgendwann einmal wieder korrigiert werden, ansonsten würde die Bibel ja Werterelativismus lehren. Und Betrug für einen guten Zweck ist Werterelativismus.

Der Esausegen

Schon als Kind war ich im Religionsunterricht von der biblischen Geschichte der Zwillingsbrüder Jacob und Esau fasziniert. Laut Bibel wurde Rebecca, die Frau des Isaak, des Erben Abrahams, nach einer langen Phase der Unfruchtbarkeit mit den Zwillingen schwanger. Esau war der Erstgeborene, und deshalb der rechtmäßige Erbe. Aber Jacob war der feingeistigere, gewissenhaftere und spirituellere der beiden, und deshalb sah er sich als der Geeignetere für die schwierigere Aufgabe an, das Erbe Abrahams anzutreten. Deshalb griff er zum Mittel des Betruges, um das Erbe, das eigentlich dem Esau zustand, sich selbst anzueignen. Nun, die Geschichte kann jeder selbst in der Bibel in 1. Mose 27 nachlesen: Als der alternde, und inzwischen erblindete Isaak seinem Lieblingssohn Esau seinen Segen geben wollte, gab Jacob sich für Esau aus, und erhielt an seiner Stelle den Segen (1. Mose 27, 28-29): „Gott gebe dir vom Tau des Himmels und vom fettesten Boden und Korn und Most die Fülle; Völker müssen dir dienen und Geschlechter sich vor dir bücken; sei ein Herr über deine Brüder, und deiner Mutter Kinder müssen sich vor dir bücken. Verflucht sei, wer dir flucht, und gesegnet sei, wer dich segnet!“.

Natürlich bemerkten Isaak und Esau den Betrug kurze Zeit später, aber da war es bereits zu spät: Der Segen galt von da an und war nicht mehr rückgängig zu machen. Da brach Esau in Tränen aus und flehte seinen Vater an, ob er nicht doch auch noch für ihn einen Segen, als Trostpflaster so zu sagen, übrig hatte. Und tatsächlich (1. Mose 27, ): „Da antwortete Isaak, sein Vater, und sprach zu ihm: Siehe, ohne fetten Boden wird dein Wohnsitz sein und ohne Tau des Himmels von oben. Von deinem Schwert wirst du leben und deinem Bruder dienen. Es wird aber geschehen, wenn du dich befreien kannst, daß du sein Joch von deinem Halse reißen wirst.

Mir gefällt diese Geschichte. Für mich, als „Heiden“, ist sie nur ein schönes Märchen aus einer anderen Kultur. Aber für die bibelgläubigen Juden — und Christen! — ist sie das Wort ihres Gottes Jahwe. Judentum bedeutet: Buchstabenglaube an die Thora, die 5 Bücher Mose. Die Juden verstehen sich als geitsige Erben Jacobs (physische, bzw. genetische Nachkommenschaft spielt natürlich auch eine Rolle; wird mMn aber oft überbewertet). Der Jacobssegen ist für sie das Versprechen der Weltherrschaft ihres Stammesgottes.  Mit Esau verbinden sie dagegen alle Nichtjuden — also alle Heidenvölker. Was hat es aber mit dem Esausegen auf sich? Wie kann es sein, dass Jahwe, der allen Heiden die totale Vernichtung angedroht hat, eben diesen Heiden — mit dem Esausegendas Recht einräumt, das Joch Jacob-Israels von ihrem Halse zu reißen, wenn sie es denn wollen? Ist das nicht paradox?

Meine Vermutung ist, und ich glaube, auch vielen jüdische Gelehrte wissen bzw. ahnen das, dass der Esausegen eine Anomalie in der Thora ist — ein trojanisches Pferd. Etwas, was eigentlich gar nicht dort hinein gehört hätte, aber eben trotzdem drin steht. Was würde passieren, wenn Esau sich nun tatsächlich aufrafft und den Segen für sich persönlich einfordert? Würde Jahwe sich dann nicht selbst überflüssig machen? Sich „in ein Logikwölkchen auflösen“, wie es in Douglas Adams „Per Anhalter duch die Galaxis“ so schön heißt? Ja, würde das denn dann nicht die gesamte Thora, als alleingültiges Wort Jahwes, des Allmächigen, des Schöpfers des Himmels und der Erde, des schrecklichen Richters, außer Kraft setzen? Warum enhält die Thora eine kleine, unscheinbare Passage, mit der sie selbst außer Kraft gesetzt werden kann? Die Juden haben für dieses Problem offenbar bis heute keine Lösung gefunden; ich gehe aber davon aus, dass es eine Lösung gibt — die aber nur von uns Heiden, den geistigen Erben Esaus, gefunden werden kann

Hier ergibt sich aber gleich noch eine weitere Paradoxie: Wie können die Heiden, die ja per definitionem gar nicht an den Stammesgott Jahwe und sein Wort glaube, sich auf etwas berufen, was in der Bibel steht, auf ein Versprechen eines Gottes, der sie eigentlich gar nichts angeht? Aber auch hier vertrete ich den Standpunkt, dass dieser Widerspruch nur scheinbar ist, und aufgelöst werden kann.  Auf dem Blog von Maggie Dörr hatte ich vor kurzem eine Diskussion mit Forenteilnehmerin „Lavendel“, die ich im Folgenden wiedergebe:

Lavendel:

Es gibt nicht nur das jüdische Gottesbild inkl. Christus, von dem wir endlich wegkommen sollten (ganz meiner Meinung!), sondern auch ein deutsches. Es war so leicht hier das falsche jüdische Christentum flächendeckend zu installieren, weil es dem ursprünglichen deutschen Gottesglauben so nahe kam. Bei Mathilde Ludendorff findet sich viel zur deutschen Gotterkenntnis, interessant!

Antwort Lano:

Für Hintergründe zu Mathilde Ludendorff empfehle ich den Youtube-Kanal “Esausegen” von Matthias Köpke: https://www.youtube.com/user/Genesis2740Blessing/featured
Seitdem sehe ich das Judentum und Christentum mit ganz anderen Augen.

Antwort Lavendel:

Ja danke, Köpke ist mir bekannt und war auch einer meiner Augenöffner. Ich empfehle meinerseits noch Ingo Bading, der sich sehr viel mit M. Ludendorff u.a.m. befasst.

Gleich mal bzgl. Esausegen: Damit habe ich bisher ein Problem, da er aus dem AT und somit von Jahwe stammt, das finde ich sehr widersprüchlich. Ich würde mich daher nicht darauf berufen wollen. Andererseits fürchten sich die “Auserwählten” vor nichts mehr als diesem Segen – so dass sie immer wieder (zu Jahwe) beten, dieser möge niemals eintreffen. Ist also doch was dran?

Antwort Lano:

Ich denke, es ergibt schon Sinn. GERADE als Heide, also als jemand, der nicht an Gott Jahwe glaubt und die Thora nicht als sein verbindliches Wort akzeptiert, kann man sich darauf berufen. Die Thora-Gläubigen Juden können das nicht, da sie sich als die geistigen Nachfahren Jacobs verstehen. Sie können sich nur auf den (erschwindelten) Jacobssegen berufen. Das gilt aber auch für alle bibelgläubigen Christen, denn die Thora ist ja in der Bibel KOMPLETT ENTHALTEN, nämlich in den 5 Büchern Mose. D.h. auch alle bibeltreuen Christen sind damit gleichzeitig auch Thora-gläubige Juden, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht, und können sich nicht auf den Esausegen berufen, denn sie sind die geistigen Erben Jacobs.

Jetzt zu deinem Argument, wie man sich denn auf den Esausegen berufen kann, auch wenn man selbser gar nicht an die Bibel glaubt. M.E. ist das kein Widerspruch. Wie Matthias Köpke ganz gut erklärt, geht es darum, den Bibelgläubigen den Spiegel ihres eingenen Bibelglaubens vorzuhalten. Da sie sich BEWUSST dafür entschieden haben, die GESAMTE Bibel als das Wort ihres Gottes Jahwe anzunehmen, MÜSSEN sie den Esausegen respektieren, da er nun mal in ihrer eigenen Bibel enthalten ist. Respektieren sie ihn nicht, verstoßen sie gegen Gottes Wort, und ziehen damit den Zorn ihres Gottes Jahwes auf sich. Das ist ihr eigener Bibelglaube!! Für mich dagegen ist die Bibel nur eine unter vielen religiösen Schriften. Sie ist für mich nicht verbindlich, aber ich respektiere die Entscheidung der Bibelgläubigen, und ich kann mich FREIWILLIG danach richten, wenn ich will. Ich respektiere die Geschichte von Jacob und Esau in der Bibel, nehme mir gleichzeitig aber auch das Recht heraus, den Esausegen für mich persönlich in Anspruch zu nehmen. Ergibt diese Argumentation für dich Sinn?

Nach meinem bisherigen Verständnis ist die Bibel ein magisches Instrument zur Unterwerfung der Völker unter den israelitischen Stammesgott Jahwe. Aber wer auch immer die Bibel geschrieben hat, hat auch den Gegenzauber gleich mit in die Bibel eingebaut: Den Esausegen. Er muss halt nur aktiviert werden…

Antwort Lavendel:

Lieber Lano Talos,
eine sehr ausführliche Argumentation. Unterm Strich zusammengefasst – sie sind mit ihren eigenen Waffen zu schlagen?! Es bleibt für mich dennoch ein Widerspruch, etwas aus einem Buch umzusetzen, welches soviele Lügen enthält. Ein großes Wunder ist allerdings, dass der Esausegen überhaupt in die Bibel hineinfand, da es um den Untergang der “Auserwählten” geht, bzw. die Gleichstellung mit den Nichtauserwählten. Sehr mysteriös! Wiederum ist das AT zusammengeschrieben aus älteren Quellen, so dass auch Wahrheiten da hineingelangt sind.

Gut mitgehen kann ich mit Magie, also Zauber und Gegenzauber. Warum meinst Du gibt es nun diesen Gegenzauber?

Danke von Lavendel

Antwort Lano Talos:

Liebe Lavendel,

vielen Dank für Deine Antwort. Ja, ich weiß, dass das mit dem Esausegen zunächst einmal widersprüchlich klingt. Man muss schon ein-, zweimal um die Ecke denken, dann lösen sich die Widersprüche aber alle von selbst auf. Dazu nochmal eine andere Metapher: Stell dir vor, ein Land wird von einer fremden Macht überfallen und besetzt. Die Besatzer führen dort ihre eigenen Gesetze ein und installieren ihre eigene Gerichtsbarkeit. Stell dir jetzt vor, eines dieser Gesetze räumt auch den einheimischen Bewohnern des besetzten Landes gewisse Rechte ein. Wenn jetzt ein solcher Bewohner, vielleicht sogar ein Widerstandskämpfer, z.B. von Polizisten der Besatzungsmacht misshandelt wird, dann kann er sich doch auf dieses Gesetz berufen. Er kann sich ans Gericht wenden und sagen: “Werte Besatzer, nach eurem Gesetz hätte ich nicht so misshandelt werden dürfen. Ihr seid verpflichtet, diese Polizisten nach eurem eigenen Gesetz zu verurteilen!” Er wäre ja dumm, wenn er sagen würde: “Ich erkenne eure Gesetze nicht an, deshalb verzichte ich auch freiwillig auf alle Rechte, die ihr mir einräumt.”

Ich denke, so ist es auch mit der Thora/Bibel. Unsere germanischen Vofahren hatten ihre eigenen Götter und religiösen Schriften. Der Jahwe-Glaube wurde ihnen mit List untergeschoben, geschickt verpackt in die (im Kern) ja heidnische Jesus-Story als Köder. Aber wer sich dagegen zur Wehr setzen will, dem räumt die Bibel — mit dem Esausegen! — das Recht zum Widerstand ein: Wir dürfen das Joch Jakob-Israels von unserem Halse reißen und frei sein. Die Bibel verliert dann von ganz alleine ihre Macht und wird obsolet. Mit dem gesamten Spuk um Auserwähltheitswahn, Endzeitglaube, jüngstes Gericht, “Kinder Gottes” gegen “Heiden” usw. wäre es dann ein für allemal vorbei. Klingt phantastisch, das muss ich zugeben, aber warum sollte es nicht so sein?

Was mich an dem Esausegen-Konzept fasziniert, ist, dass dieser Weg absolut gewaltfrei ist, deshalb wundert es mich auch, wie wenig es bekannt ist. Andererseits ist es natürlich auch klar, dass da so einige dran Interesse haben, dass es gar nicht erst bekannt wird! Ich habe in letzter Zeit ein bisschen v.a. auf jüdischen Webseiten zu Interpretationen der Geschichte von Jacob und Esau recherchiert (auf deutsch findet man leider nicht so viel, aber auf englisch gibt es einiges). Die jüdischen Gelehrten sind Experten darin, ihre Thora zu ihren eigenen Gunsten auszulegen, und sie wissen, dass, je mehr Menschen daran glauben, sich alle Versprechungen, die ihnen ihr Gott Jahwe gegeben hat, erfüllen werden. Aber mein Eindruck ist, dass sie die Geschichte von Jacob und Esau nicht lösen können. Sie wissen m.E. darum, dass der schwelende Konflikt, der durch den Betrug Jacobs (stellvertretend für alle Israeliten) an seinem Bruder Esau (stellvertretend für alle Heidenvölker) entstanden ist, karmisch unerlöst ist, und sie ahnen, dass sie für eine Lösung auf die Heiden — also auf uns! — angewisen sind. Das ist ihnen sicherlich peinlich.

Natürlich gibt es unter ihnen eine kleine Gruppe aus Psychopathen, die die Macht, die ihnen durch die Magie der Bibel gegeben wurde, zur ihren eigenen Gunsten und auf Kosten anderer Völker gewissenlos ausnutzen. Das sind dann die, die sich in den diversen Geheimzirkeln wie Freimaurer, B’nai Brith, Bilderberger, Jesuiten, Hochfinanz usw. sammeln. Aber ich gehe auch davon aus, dass es vielen jüdischen Rabbinern, genauso wie uns, einfach nur um eine bessere Welt geht. Aber sie sind halt in ihrem Thoraglauben gefangen und finden den Weg nicht heraus. Deshalb halte ich es durchaus für möglich, dass manche von ihnen vielleicht sogar dankbar und kooperativ sind, wenn die faulen “Heiden” endlich einmal die Initiative ergreifen, und den Esausegen “aktivieren”.

WARUM der Esausegen in die Bibel gekommen ist, ist auch eine interessante Frage, aber die kann ich dir (bisher?) leider nicht beantworten. Zu dem Thema wäre noch viel zu sagen, und würde ich gerne einmal mehr recherchieren und schreiben, sobald meine Zeit und meine Lebensumstände das zulassen. Eine gute Zusammenfassung findet sich übrigens auch hier: https://wissenschaft3000.files.wordpress.com/2012/02/2011-12-03-08_roland-bohlinger_zwei-zeilen-d-bibel-retten-die-vc3b6lker.pdf

Antwort Lavendel:

Lieber Lano Talos,
vielen Dank, guter Link. Und mit der Methapher geht schon rein in meinen Kopf. Gerne stelle ich mir auch vor, dass sich die überwiegende Judenheit nach Erlösung sehnt, wobei es viel Phantasie braucht, nachdem, was von Kindesbeinen an durch Thora und Talmud so eingeimpft wurde. Fragt sich daher, warum man uns diesen Segen nun einräumt… aber gut, wir sind auf dem Weg und bleiben dran 😉

Noch am Rande bemerkt, waren die Germanen offenbar vielen Verfälschungen erlegen, auch Okkultem, zumindest kann ich mit Gorsleben („Hochzeit der Menschheit“) nicht konform gehen. Dass die Runen nur bis in die 4. Dimension reichen, hatten wir hier auf der HP auch schon mal. Nichts anderes als „heilige“ Geometrie, wenn ich es richtig verstanden habe. Und Opferkulte gab es bei den Germanen ja auch.

Ein Nachtrag noch dazu, und zwar zur Benutzung des Bergiffs „Heide“ bzw. „Heidentum“:  „Lavendel“ schreibt, dass das germanische Heidentum ebenfalls mit jeder Menge Irrtümern verbunden war, wie Tieropfern (oder vielleicht sogar Menschenopfern). Dem stimme ich zu. Ich bete weder irgendwelche heidnischen Götter an, noch praktiziere ich irgendwelche „Rituale“. Das halte ich auch nicht für irgendwie erstrebenswert. Nein, wenn ich von Heidentum spreche, meine ich genau das, was die Bibelgläubigen darunter verstehen: Nämlich eine Spiritualität, die sich explizit nicht auf den israelitischen Stammesgott Jahwe bezieht. Die Vorstellung von einem Schöpfergott lehne ich generell ab.  Es existiert lediglich das — im Prinzip völlig neutrale und unpersönliche — Gesetz von Ursache und Wirkung, bzw. das Gesetz von Saat und Ernte, bzw. das Karmagesetz.

Jerusalem

Ich hatte dieses Video nach dem Upload auf Youtube kurz vor Weihnachten auf ungelistet gestellt, im wesentlichen aus drei Gründen:

  1. Einmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich mit meiner Einschätzunge des Palästinenserkonflikts richtig liege. Ich habe es versucht, so zu erklären, wie es mir plausibel erschien. Natürlich ist es zum Teil einfach auch Spekulation, weil das Thema eben unglaublich komplex und undurchsichtig ist. Ich weiß nicht, ob Trump letztendlich ein “Guter” oder ein “Böser” ist.
  2. Ich habe die abrahamitischen Religionen Judentum+Christentum+Islam als “Blutkult” bezeichnet, der “aufgelöst” werden sollte. Das klingt nicht sehr nett, und es ist möglicherweise von einigen als Beleidigung insbesondere des Christentums verstanden worden. Das ist nicht meine Absicht, und ich hätte das besser weglassen sollen. Die Aussage war sarkastisch gemeint, und ich bin natürlich nicht dafür, das Christentum abzuschaffen (außerdem habe ich  “auflösen” gesagt, was ja auch schon mal etwas anderes klingt). Das Christentum ist seit vielen Jahrhunderten die Stütze unserer Kultur, und ohne es würde diese ohnehin stark geschwächte Kultur komplett zusammenbrechen. Man braucht ja auch nur einmal einen Blick nach Russland zu werfen, wo das orthodoxe Christentum seit dem Ende des Sowjet-Kommunismus wieder auflebt, und wo — im Gegensatz zu uns — derzeit ganz klar eine gesellschaftliche Verbesserung stattfindet
    (http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2017/12/heimschulung-immer-beliebter-in-russland.html).
    Auf der anderen Seite braucht man aber nur mal einen Blick ins alte Testament zu werfen, wo kubikmeterweise Blut vergossen wird; oft von Gott selber, oder — noch schlimmer — in seinem Auftrag. Von diesem Standpunkt aus ist die Bezeichnung “Blutkult” also nicht ganz unpassend.
    Auch hätte ich nicht vom “Endzeitwahn” sprechen sollen, denn der Glaube an eine Endzeit ist nun einmal der Kern der abrahamitischen Religionen, ob es einem gefällt oder nicht. Trotzdem bleibe ich dabei, dass dieser Endzeitglaube die eigentliche Ursache für die unlösbare Situation in Palästina/Israel ist.
  3. Der letztendliche Grund, das Video auf ungelistet zu stellen, war die Nachricht, dass Ken Jebsen und seine Kinder Morddrohungen erhalten haben (https://www.youtube.com/watch?v=nncRYQB6ugw&t=62s). Da ich im Video ein Bild von Ken Jebsen zeige, in einem eher kritischen Zusammenhang, dachte ich mir, dass ich es aus Solidarität mit ihm nicht mehr verantworten konnte, das Video so zu zeigen. Ich möchte hier also ganz klar sagen, dass ich in so einem Fall, trotz aller Kritik, hinter jemandem stehe, der solche menschenverachtenden Drohungen erhält.

Trotz dieser drei Gründe habe ich mich jetzt entschieden, dieses Video zumindest hier im Blog wieder zugänglich zu machen.

Andenken an Gert Kriwetz

Vor mittlerweile über 10 Jahren machte ich im Netz Bekanntschaft mit einem sehr schreibwütigen Aufklärer namens Gert-Kriwetz, ein Österreicher. Er bat eine Erklärung, aber auch Lösungen für die Weltprobleme an, und schrieb sich die Finger wund, in der Hoffnung, mehr Menschen über die geistigen Hintergründe der Menschheitsprobleme aufklären zu können. Und das stets, ohne den Humor zu verlieren.

Was mir an seiner Arbeit sehr gefiel, war, dass er völlig auf Schuldprojektionen verzichtete, sondern es ging ihm vor allem um die Aufdeckung von Prinzipien, niemals um Personen oder Personengruppen, die er als Schuldige an den diversen Übeln betrachtete. Tatsächlich, und ich meine, ihn da auch richtig verstanden zu haben, bezeichnete er sogar das Prinzip der Schuldzuweisung als die Hauptursache für die Menschheitsprobleme, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Tatsächlich kenne ich keinen einzigen anderen Aufklärer, der so konsequent auf jegliche Schuldzuweisungen verzichtete. Alle anderen sehen die Hauptschuldigen entweder bei irgendwelchen geheimen Machtzirkeln, bei Anhängern dieser oder jener Ideologien, oder bei den Mitläufern und dem “dummen Volk”. Oder alles zusammen.

Gert Kriwetz trug zu den Diskussionen in Hans-Joachim Heyers damaligem Parsimony-Forum bei, an denen ich ebenfalls teilnahm, und er schrieb fast täglich seitenlange Beiträge in dem damals bekannten “Philtalk”-Forum. Beides gibt es schon seit Jahren nicht mehr: Die Parsimony-Foren gibt es seit 2008 nicht mehr, und mit deren Einstellung verschwanden auch sämtliche Diskussionen dort auf Nimmerwiedersehen. Und philtalk.de wurde schon 2006 nach einem Hackerangriff vom Netz genommen. Ebenfalls alles verloren.

Irgendwann hörte man nicht mehr so viel von Gert Kriwetz, und für mehrere Jahre dachte ich nicht mehr an ihn. Erst vor ein paar Monaten kam ich auf die Idee, wieder einmal nachzusehen, ob etwas von ihm etwas neues zu finden ist. Zu meinem Bedauern musste ich feststellen, dass er inzwischen verstorben ist, und fand eine Traueranzeige eines Grazer Bestattungsunternehmens. Gert Kriwetz wurde am 15. Februar 1951 in Graz geboren, und verstarb dort am 13. Februar 2017. Leider ist er nicht sehr bekannt geworden.  Ich kenne niemanden, der heute noch etwas ähnliches macht wie er.

Neben ein paar Fragmenten, die man noch auf verschiedenen Foren finden kann, ist da noch eine über 200-seitige Abhandlung von ihm im Netz erhalten geblieben, mit dem Titel “DER PROBLEMFALL MENSCH”, und der WordPress-Blog https://gertkriwetz.wordpress.com/, auf dem noch einige Texte zu finden sind. Darunter befindet sich auch ein etwas neuerer, auf 2015 datierter Aufsatz mit dem Titel “Wie kommt die Schuld ins Schuldgefühl? (Antwort: per Gesetz), die im Zusammenhang mit der Diskussion zum “deutschen Schuldkult” wieder aktuell ist. Für den Fall, dass auch diese beiden Dokumente irgendwann wieder vom Netz verschwinden, stelle ich sie hier auf meinem Blog zum Download zur Verfügung:

Auf der Kondolenzseite des Bestattungsinstituts findet sich ein Nachruf von einem gewissen Dipl. Werbefachmann Gert G. Ich denke, es geht in Ordnung, wenn ich ihn hier wiedergebe (Update 14. April 2019: Die Kondolenzseite existiert mittlerweile nicht mehr):

Liebe Familie, liebe hinterbliebene Freunde und Bekannte,

mit der Websuche nach einem alten Freund, den ich nur per Internet gekannt habe, stoße ich nach gestrigem und x-tem erfolglosen Anschreiben Gerts’ E-Mail-Adresse hier auf eine Nachricht, die mich sehr getroffen hat. Immerhin hat er mir beim letzten Schreiben einen Deut gegeben, dass es ihm nicht gut gehe, gar nicht gut. Aus dem Krankenhaus und von seinem Handy hat er mir in kurzen Worten geschrieben, wahrscheinlich schon sehr geschwächt, weil seine Schreiben sonst immer ellenlang gewesen sind und dieses letzte Mal eben nicht, dass es wohl nichts mehr werde.

Ich habe ihm geantwortet, dass das nicht so sein soll und gute Besserung gewünscht, obwohl ich bezüglich des genauen Leidens kein Wissen erlangt habe, weil ich dies in solcher Phase keinem antun würde – danach zu fragen – und weil es auch freiwillig kommen sollte. Gert ist immer einer meiner Lieblingsvirtuellen gewesen, da ich es immer sehr gemocht habe, die langen und schwierig zu verstehenden Texte zu lesen. Einmal hab ich ihm, da er Interesselosigkeit der österreichischen Bürgerschaft andeutete, erklärt, dass das Volk eben nicht daraufhin ausgebildet und ausgerichtet sei, solch extreme Texte zu lesen. Deswegen habe ja überall der Wandel vom Schwierigen, von der Qualität, hin zum Einfachen, dem Banalen stattgefunden.

Er hat in seinem Buch und per Mail auch genug über die Fremdzerstörung seiner ehemaligen Firma geklagt, darüber, wie wir die gesamte Umwelt behandeln, wohingegen mir das stete Bewusstsein menschlicher Feindseligkeit gegeneinander auch aus eigener Erfahrung bestens bekannt gewesen ist, gegen die er durch Aufklärung versucht hat anzukämpfen, aber bezüglich einer Verbesserung wegen der Egogesellschaft, in der jeder Normalbürger versucht, alleine gegen den nächsten anzukämpfen, während alle korrupten Kräfte und Mächte dies erfolgreich gemeinsam tun, sich chancenlos gesehen habend, schon länger – zu Recht – resigniert hatte.

Dies und vieles mehr hat mich mit eurem Gert verbunden wie auch das harte t im Vornamen, dass den meinen als Anagramm ziert. Gert ist stets ein ehrlicher und ehrbarer Mensch gewesen, der kämpfte, erklärte und mitmachte, wenn es darum ging, andere Leute über die Gefahren der Politik- sowie die Wirtschaftsverbrechen aufzuklären und zu bekämpfen. Traurig daran ist einfach gewesen, dass wir immer wieder haben erfahren müssen, dass Normalbürger lieber blind ins Messer laufen, als dass sie einem zuhören. So haben wir oft gemeinsam in verschiedenen Blogs gewirkt und Wahnsinn geerntet. Und trotzdem ist er bis zuletzt dem auch immer humorvoll gegenübergestanden. Auch als ich alleine weitermachen musste und er mich davor warnte, dass ich mir dadurch Gallensteine einhandeln würde, dass man das alles besser lasse, weil es einem sonst schlimm ergehe – wie ihm –, habe ich diese traurige Wirklichkeit durch die typisch abschwächende „eigene Wahrheit“ verdrängt, die es mir nun umso schwerer macht, mich von ihm zu verabschieden; und dass, obwohl mir diese Verdrängung bekannt ist und sie eine Menschenunart ist, die mir nicht nur wohl bekannt ist, sondern, auf die hin ich immer glaubte mich selbst effektiv zu überprüfen.

Gert war ein guter Mensch, mit gutem Herzen, der das Böse immer versucht hat zu bekämpfen; aber das Böse hat einmal mehr gewonnen.

In diesem Sinne verabschiede ich mich hiermit von dir, Gert, und fühle wirklich tief mit deinen Besten: Ruhe in Frieden!

Kommentar auf Freemans Blog

Freeman stellte folgendes Umfrageergebnis des Meinungsforschungsinstitut “Statista” auf seinen Blog:

ChartZufriedenheitDemokratie

Es wurde die Frage gestellt: “Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Demokratie in Ihrem Land?” Mit Ausnahme der Inder sind die Deutschen am zufriedensten mit unserer (Schein-)Demokratie: 73% sagten “ja”. Wenn man das mit den Ergebnissen anderer Länder vergleicht, in denen teilweise noch mehr Rest-Demokratie existiert als bei uns (z.B. Volksentscheide), ist das wirklich ein deprimierendes Ergebnis (geht man einmal davon aus, dass man der Umfrage Glauben schenken darf).

Quelle: http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2017/10/deutsche-sehr-zufrieden-mit-der.html

Ich schrieb dazu folgenden Kommentar:

Ja, das ist schon ein erstaunliches Phänomen. Ich brauche Freunden gegenüber nur zu erwähnen, dass die Zustände in Deutschland und Europa sich ständig verschlechtern, wird sofort zugemacht: „Wieso? Ist doch alles super. Was hast du denn?“

80-90% der Deutschen ticken so. Nicht nur die alten, auch die jüngeren, leider. Die restlichen 10% fallen im Netz übereinander her, schieben sich gegenseitig die Schuld an allem zu, und beschimpfen sich stellvertreted für die „dummen Deutschen“ (also für die 80-90% anderen, die ihnen eh nicht zuhören würden). Typisch deutsch.

Immerhin verzichtete Freeman diesmal auf Kollektivbeschimpfungen der Deutschen. So gefällt er mir viel besser. Wahrscheinlich hat er allmählich begriffen, dass das auch nichts bringt.

Mit meinem Kommentar meinte ich übrigens die folgenden systemkritischen Gruppen, die sich untereinander z.T. spinnefeind sind, und aufeinander eindreschen:

  • Linke gegen Rechte
  • Altrechte gegen Neurechte
  • Libertäre gegen Sozialisten
  • Nichtwähler gegen AfD-Wähler
  • Christliche Fundamentalisten gegen Esoteriker
  • Esoteriker gegen Atheisten
  • Atheisten gegen christliche Fundamentalisten
  • Usw. usf.

 

Wähler und Nichtwähler

[Skript]

Jetzt ist es schon eine Weile her, dass ich mich das letzte mal öffentlich geäußert habe. Das liegt daran, dass ich in letzter Zeit mit einer Menge privater Probleme zu kämpfen hatte. Das macht zwar keinen Spaß, aber es hat mich auf das zurückgeworfen, was eigentlich wichtig ist. Zu viel hatte ich mich in letzter Zeit mit dem ganzen Politik-Mist beschäftigt, und mir darüber so viele Gedanken gemacht, dass ich eine zeitlang gar nicht merkte, dass ich dadurch beruflich ins Hintertreffen geriet. Dies wurde mir jetzt erst vor ein paar Wochen richtig bewusst, und stürzte mich erstmal in eine Krise. Dazu kam noch ein Wohnungseinbruch, bei dem mein Laptop gestohlen wurde, so dass ich auch erstmal keine Video mehr aufnehmen konnte.

Manchmal denke ich, wir machen uns zu viele Sorgen über einen möglichen Wirtschaftszusammenbruch, den Ausbruch eines Bürgerkriegs, oder des Dritten Weltkrieges — das sind ja alles reale Möglichkeiten — aber letztlich sind es dann doch oft die ganz “gewöhnlichen” privaten Krisen, die uns aus der Bahn werfen: Eine Krankheit, Depressionen, Probleme in der Familie, im Beruf, oder mit dem Partner, der Tod eines Angehörigen usw..

Eigentlich hatte ich vor, noch vor der Bundestagswahl etwas zu den Aufrufen mancher Systemkritiker zum Nichtwählen zu machen. Aber es macht überhaupt nichts, das jetzt mit einigem Abstand nachzuholen: Zum einen gab es genug andere Youtuber, die sich damit intensiv auseinander gesetzt haben, und die Irrationalität dieser Aufrufe mit guten Argumenten widerlegt haben, wie z.B. Hagen Grell, wir selbst, und Emperor Caligula, um nur einige zu nennen. Zum anderen hatte mich das Ganze damals noch viel zu sehr aufgeregt, so dass  es vielleicht gar nicht falsch war, damit erst mal gewartet zu haben. Außerdem ging es vor der Wahl vor allem darum, möglichst viele Leute zu überzeugen, doch noch wählen zu gehen. Es war ja Wahlkampf. Dagegen kann man das Ganze jetzt mit einem gewissen Abstand betrachten.

Jetzt könnte man sich vielleicht sagen: Die Bundestagswahl ist doch schon lange gelaufen. Ob jemand gewählt hat oder nicht, kann man jetzt eh nicht mehr rückgängig machen. Warum soll man jetzt noch ewig darauf rumreiten und sich gegenseitig Vorwürfe machen? Nun, ich halte auch überhaupt nichts davon, dass sich Nichtwähler und AfD-Wähler jetzt und in Zukunft gegenseitig die Schuld für all die Katastrophen zuschieben, die Merkel & Co in der kommenden Legislaturperiode anrichten könnten. Trotzdem war mir aber schon von Beginn an klar, dass dieses Thema auch nach der Wahl noch nicht vorbei sein wird, und zwar unabhängig von deren Ausgang. Dass manche Leute zur Nichtteilnahme an Wahlen aufrufen, ist zwar nichts neues. Diese Diskussion gab es auch schon bei früheren Bundestagswahlen. Aber so erbittert, so dogmatisch, ja, teilweise fanatisch wie das, was man dieses mal in den sozialen Medien und Kommentarspalten hören und lesen konnte, war die Auseinandersetzung noch nie. Die systemkritische Szene ist dadurch in zwei Blöcke gespalten worden, die wahrscheinlich gar nicht mehr, oder nur noch sehr schwierig zusammengefügt werden können. Wie konnte es nur dazu kommen?

Eins ist mir jedenfalls klar: Es geht hier nicht nur um die Frage, ob die Teilnahme an Wahlen richtig oder falsch ist. Wenn es nur das wäre, könnte man das Thema jetzt, wo die Wahl gelaufen ist, tatsächlich getrost auf sich beruhen lassen. Zumindest für die kommenden vier Jahre. Aber ich fürchte, die Sache geht tiefer: Wir haben es hier mit einer nach außen hermetisch abgeschlossenen Weltanschauung zu tun. Solange mir keine bessere Bezeichnung einfällt, nenne ich sie einfach mal die “Nichtwähler-Ideologie”. Ich möchte auch dazu sagen, dass ich in diesem Konflikt ganz auf einer Seite stehe: Ich war und bin immer noch der Meinung, dass es diesmal die richtige Entscheidung war, die AfD zu wählen. Es ist eine pragmatische Entscheidung, und bedeutet nicht, dass man diese Partei für so etwas wie ein Allheilmittel hält, dass man in allen Punkten mit ihr einverstanden sein muss, und dass es an ihr nichts zu kritisieren gibt. Das sollte so wie so selbstverständlich sein, und ich finde es seltsam, dass es überhaupt noch nötig ist, das zu erwähnen. Aber was Pragmatismus bedeutet, können die 150%-igen Nichtwahl-Ideologen offenbar nicht verstehen. Stattdessen basteln sie sich ein stereotypes Abbild des “Wählers”: Dieser gibt an der “Urne” seine “Stimme” ab, weil er glaubt, er könne damit Abgeordnete beauftragen, für die nächsten vier Jahre für ihn zu sprechen. Danach macht er nichts mehr und glaubt, dass die Partei, die er gewählt hat, für ihn die Welt wieder heile machen wird. Mal ehrlich — wohl nicht einmal die dümmsten CDU-Wähler stellen sich das so einfach vor. Im Übrigen habe ich offenbar meine Stimme noch nicht verloren, obwohl ich ein Stück Papier in eine Box geworfen habe — sonst könnte ich dieses Video nicht besprechen!

Was meine ich mit “Nichtwähler-Ideologie”? Mir kommt es so vor, als ob es sich um eine neue Form von Elitedenken handelt, und es hat etwas von Sektierertum: Wer noch glaubt, mit Wahlen etwas verändern zu können, kann in den Augen dieser Leute nur ein “Halb-Aufgewachter” sein. Einer, der noch nicht verstanden hat, dass alles, ausnahmslos alles, was in der Politik geschieht, schon lange von einer verborgenen Machtelite festgelegt wurde. Wir haben darauf überhaupt keinen Einfluss. Wer sich noch Hoffnungen macht, etwas zum Besseren verändern zu können, gilt als Schwächling und wird aus der erlauchten Gemeinschaft der wahrhaft Aufgewachten ausgegrenzt. Wer sich die hoffnungsloseste, düsterste, und grausamste Zukunftsvision ausmalen, und diese ertragen kann, hat gewonnen. Der darf sich als wahrhaft Aufgewachter bezeichnen. Alexander Wagandt sagte z.B. in der letzten “Tagesenergie” vor der Bundestagswahl so etwas wie, Wahlen könnten nichts verändern, und wer das immer noch nicht verstanden habe, dem könne man nicht mehr helfen. Klar, damit meint er natürlich: Mit Leuten, die das anders sehen als er, braucht er auch nicht mehr zu diskutieren, er braucht ihnen nicht einmal mehr zuzuhören, denn die sind ja unter seinem Niveau. Sorry Alexander, aber mit solchen Aussagen offenbarst du eine Arroganz, mit der du dich bei mir disqualifiziert hast.

Zugegebenermaßen enttäuscht war ich auch von Heiko Schrang. Noch vor ein paar Monaten sprach er im Interview mit Jo Conrad von seinem Engagement für GEZ-Verweigerer. Er sagte, er mache sich Sorgen über die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft: Die einen seien für Trump, die anderen gegen ihn; die einen für Flüchtlinge, die anderen dagegen; aber bei dem GEZ-Thema seien sich alle einig, darum sei das Thema so gut geeignet, um die Menschen zu einen und einen gemeinsamen Widerstand gegen die GEZ-Medien auf die Beine zu stellen. Diese Einstellung fand ich sehr sympathisch und ich sehe das auch heute noch so. Aber leider hat Schrang es mit seinem Aufruf zum Nichtwählen geschafft, selbst einen tiefen Keil in sein Publikum zu schlagen. Der ganze Kommentarbereich war voll von Beleidigungen und  Schuldzuweisungen. Kurz darauf lud Schrang einen Videonachtrag dazu hoch. Nun hätte ich zunächst gedacht, dass er damit vielleicht versucht hätte, den Streit zu schlichten und die verhärteten Fronten wieder auszugleichen. Dass er vielleicht nicht damit gerechnet habe, so viel Wirbel verursacht zu haben. Hätte ja durchaus sein können. Aber nein, stattdessen rechtfertigte er sich noch in diesem Video, und versuchte, seine Kritiker als lächerlich hinzustellen. Sogar Drohungen habe er erhalten, er solle mit seinen Aufrufen zum Nichtwählen aufhören. Gut, so etwas ist natürlich in keinster Weise akzeptabel. Aber Schrang vergaß zu erwähnen, dass da auch einiges an Beschimpfungen und Beleidigungen von Seiten seiner Unterstützer kam. “Dummes Wahlvieh” war da noch eine der harmloseren. Seine Meinung über das Wählen hin oder her, aber das hätte er auch rügen müssen. Es war also ziemlich einseitig, was sich Heiko da leistete.

Richtig lustig wird es, wenn einige behaupten, wählen gehen sei ein Straftatbestand, weil das Bundesverfassungsgericht irgendwann mal entschieden habe, dass Bundestagswahlen ungültig seien. Das heißt also, 40 Mio Deutsche müssen jetzt allesamt ins Gefängnis wandern, weil sie zur Wahl gegangen sind. Dazu müssen natürlich erst einmal sämtliche Mörder, Gewalttäter, Vergewaltiger, Einbrecher, und Wirtschaftskriminelle entlassen werden, um für alle Platz zu machen. Echt jetzt, solche Leute machen sich nur noch lächerlich. Überhaupt scheint mir dieses Herumreiten auf Paragraphen, die zum Teil noch aus der Zeit des Kaiserreichs kommen, ein typisch deutsches Phänomen zu sein: Die eigenen Interessen sind völlig egal, aber wehe es geht irgendwo nicht penibel genau nach dem Wortlaut des Gesetzes oder vermeintlicher Autoritäten wie dem Bundesverfassung zu, dann macht man auch mal den eigenen Landsleuten die Hölle heiß. Leute, nehmt euch mal ein Beispiel an den Polit-Kriminellen, aber  auch an den “Neudeutschen”: Die scheren sich schon lange nicht mehr um irgendwelche Gesetze — sie tun und lassen einfach was sie wollen. Aber an die traut man sich nicht ran, also beschimpft man lieber die Nachbarn, die eigene Verwandtschaft, seine Freunde, oder Mitlesende in Internetforen, und wenn’s zum eigenen Nachteil ist…

Seltsamkeiten kommen allerdings zum Teil auch von den AfD-Unterstützern, muss man der Fairnesskeit halber sagen: Viele hatten sich wohl ein besseres Ergebnis erhofft, doch als das nicht so eintrat, gingen wieder die üblichen Beschimpfungen auf die dummen Deutschen los, die ihren Untergang doch nicht besser verdient hätten. Gut, über 15% hätte ich mich schon auch gefreut. Aber den Super-Optimisten, die Prozentzahlen von 18% oder noch höher erwartet hatten, hatte ich nicht geglaubt. Es ist eben eine schmerzliche Tatsache, dass die moderne Statistik die zu erwartenden Ergebnisse doch meistens ganz gut vorhersagt. Und so war auch bei dieser Bundestagswahl. Sicher, bei den Mainstream-Meinungsforschungsinstituten besteht genug Grund skeptisch zu sein. Die bemühen so weit wie möglich, die Blockparteien nach oben und die “ungeliebten” Parteien möglichst nach unten zu rechnen. Aber z.B. Michael Klein von sciensfiles.org behauptet, mit seiner eigenen statistischen Methode die Ergebnisse relativ gut prognostiziert zu haben — und der ist ein Rechter oder zumindest ein Libertärer, weshalb man ihm nicht unterstellen kann, versucht zu haben, die AfD-Zahlen herunter zu rechnen. Gut, wie hoch der Einfluss von Wahlfälschung war, können wir schlecht sagen, solange keine eindeutigen Beweise dafür vorliegen. Aber man darf nicht den Fehler machen, seine subjektive Einschätzung allzu hoch zu bewerten. Es gibt ja manchmal Leute in den Kommentarspalten, die schreiben, sie kennen in ihrem Umfeld nur noch Leute, die Merkel weg haben wollen, und die AfD wählen. Sie könnten sich gar nicht vorstellen, dass die AfD weniger als 50% haben könnte, und dass es sich eindeutig um Wahlfälschung handeln müsse. Ich muss zugeben: Ich beneide diese Leute. Wenn ich nach meinem eigenen Umfeld gehe, dürfte die AfD höchsten 1% erreichen, und ich frage mich, wo die 12,6% sich wohl versteckt haben… Das erinnert mich übrigens an das Youtube-Gespräch zwischen Hagen Grell und Wolfgang Eggert, wo Eggert sagte, er sei fast nur mit Mainstream-Gläubigen zusammen. Hagen Grell, der in seinem Umfeld dagegen hauptsächlich mit Leuten aus der Gegenbewegung zu tun hat, hatte offenbar Mühe, sich das vorstellen zu können. Ich kann Eggert das nachfühlen, mir geht es ähnlich. Aber im Gegensatz zu ihm habe ich diese Rachegefühle gegen mein Mainstream-Umfeld nicht. Ich versuche, mit diesen Leuten klar zu kommen. Es nützt ja nichts.

Um ein kurzes Fazit zu ziehen: Viele scheinen mit diesem Frust nicht klarzukommen, und flüchten sich dann in subjektive, nach außen abgeschlossene Parallelwelten. Was ich auch gut nachvollziehen kann: Ich bin wie Wolfgang Eggert in meinem Umfeld fast vollständig von Mainstreamgläubigen umgeben, mit denen ich über die besorgniserregenden Zustände in Deutschland und der Welt nicht reden kann. Und jeder solche Versuch ist wie das Gefühl, gegen eine Betonwand zu rennen. Ich vermute mal, dass es den meisten, die im Netz ihren Frust und ihre Verzweiflung in Form von Beschimpfungen auf ihre Leser, Hörer, Mitdiskutierenden und sonstige Leidensgenossen abladen, genauso geht.  Aber, um zu meiner abschließenden Bemerkung zu kommen: Man kann sich doch als erwachsener Mensch auch mal zusammen reißen, wenn die Zeiten mal schwierig werden, und nicht alles so läuft, wie man das gerne hätte!