Shitstorms

Dafür gibt es meines Wissens eigentlich gar kein deutsches Wort. Vielleicht am ehesten so etwas wie „anhaltende Protestwelle“ oder „Sturm der Entrüstung“. Das klingt natürlich etwas bieder und trifft nicht so ganz den Punkt, was eigentlich gemeint ist. Der Begriff „Shitstorm“ stammt aus dem Internetzeitalter. Es ist ein Phänomen, das es davor einfach noch nicht gab, und dem sogar Wikipedia einen Artikel gewidmet hat. Wikipedia schlägt folgende Definition vor:

Shitstorm [ˈʃɪtstɔɹm] (zusammengesetzt aus englisch shit „Scheiße“ und storm „Sturm“) bezeichnet im Deutschen das lawinenartige Auftreten negativer Kritik bis hin zur Schmähkritik im Rahmen von sozialen Netzwerken, Blogs oder Kommentarfunktionen von Internetseiten. Er richtet sich gegen Unternehmen, Institutionen, Einzelpersonen oder in der Öffentlichkeit aktive Personengruppen wie etwa Parteien.

Ich bin ja mittlerweile auch schon alt genug, um noch eine Zeit erlebt zu haben, in der man sich noch echte, handschriftliche Briefe in Briefumschlägen und mit Briefmarke zugeschickt hat. Möglicherweise hat es auch zu diesen Zeiten gelegentlich mal Situationen gegeben, in denen Zeitungs- bzw. Zeitschriftenverlage stapelweise Protestbriefe zugeschickt bekommen haben. Aber selbst dann wird es sich wirklich um Briefe gehandelt haben, in denen mehr drin stand als nur ein sekundenschnell hingerotzer Einzeiler in Kleinschreibung und ohne Satzzeichen — so wie es eben bei zeitgemäßen Internet-Shitstorms üblich ist.

Ich selbst bin noch nie im Zentrum eines Shitstorms gestanden — dazu gleich noch mehr. Kommen wir zu meinem Anliegen: Shitstorms widern mich an. Und trotzdem üben sie auf mich eine geradezu magische Anziehungskraft aus. Es ist schwer zu erklären. Am ehesten könnte man es vielleicht mit den Leuten vergleichen, die fasziniert von Horrorfilmen sind, obwohl sie sich davor ekeln. Gerade, weil sie wissen, dass es alles nur ein Film ist und sie selbst nicht involviert und in Sicherheit sind. Natürlich hängt es — zugegebenermaßen — auch davon ab, auf welcher Seite der Shitstorm-Auseinandersetzung man steht. Wenn man selbst mit der Sichtweise des Shitstorm-Opfers konform geht, leidet man wesentlich mehr mit, als wenn man sich eher auf der Seite derer widerfindet, die ihn verursachen. Dann kann man unter Umständen soger so etwas wie Schadenfreude empfinden. In beiden Fällen ist es jedoch wichtig, seine Emotionen wieder unter Kontrolle zu bringen — entweder den Ärger, oder die Schadenfreude.

Obwohl ich Shitstorms verabscheue, konnte ich doch einiges von ihnen lernen. Während andere sagen, dass sie die Kommentarbereiche unter Videos, Artikeln, usw. gar nicht interessieren, begebe ich mich da oft voll rein, selbst wenn ich objektiv gesehen gar nicht groß an der Auseinandersetzung beteiligt bin. Gerade das ist für mich jedoch ein gutes Training, meine eigenen Emotionen zu kontrollieren. Ich habe da bisher immer den Zwang gehabt, irgendwie schlichtend in die Schlammschlacht eingreifen zu müssen, habe aber mittlerweile zum Glück das Verständnis entwickelt, dass das niemals funktionieren kann, und dass ich damit weder mir selbst, noch den anderen, dabei irgend einen Gefallen tue.

Die Ursache für die meisten Shitstorms ist meines Erachtens, dass im Internet die Gefahr, Missverständnissen und Fehlinterpretationen aufzusitzen, einfach viel größer ist, als im langweiligen, wirklichen Leben. Es gibt immer Duzende verschiedene denkbare Möglichkeiten, welche wahren Absichten der Mensch an der anderen Seite der Leitung haben könnte. Ist er gesteuert? Ist er Teil einer Gruppe, oder ist das, was er sagt, auf seinen eigenen Mist gewachsen? Hat er einen an der Waffel? Hat er böse Absichten? Verfolgt er eine Agenda? (Der Vorwurf „Wer bezahlt dich?“ darf in keinem standesgemäßen Shitsorm fehlen.) Es gibt noch viele weitere Optionen. Und die eine Möglichkeit, für die man sich dann entscheidet, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch. Da kann schon allzu schnell mal was in die Hose gehen. Als Beispiel für einen konstanten, seit drei Jahren nicht abreißenden Shitstorm habe ich bereits in meinem letzten Beitrag die Videos von Edi Maurer genannt, der, wie ich trotz teilweise abweichender Ansichten finde, eine sehr wichtige Arbeit macht. Einer der heftigsten Shitstorms, denen ich beiwohnen konnte, war der gegen Meike „BÄMM“ Büttner gerichtete im Sommer des vergangegen Jahres. Das hatte mich tatsächlich vorübergehend aus der Bahn geworfen, wie ich zugebe (Ich glaube aber, das ging nicht nur mir so. Auch wenn die meisten das wohl nicht zugeben würden). Dass man vorübergehend vom Weg abkommt, ist jedoch keine Schande. Wichtig ist, dass man sich dessen bewusst wird, eine Selbstkorrektur vornimmt, und wieder zum 🙏WEG DER MITTE🙏 zurückkehrt. Diese Fähigkeit, konsequent und ohne Unterlass den eigenen Geisteszustand zu beobachten, Abirrungen zu erkennen und zu korrigieren, wird in den überliferten Lehrreden des Erhabenen, dem Palikanon, als „Sati“ (ausgesprochen mit kurzem „a“ und langem „i“, wie „Sattie“) bezeichnet, und wird meist mit „Achtsamkeit“ übersetzt.

Dass Frau BÄMM diesen Shitstorm durchstand, der jeden anderen zum Aufgeben gebracht hätte, ist schon ein Phänomen. Sie kam so harmos daher als hilfsbedürftiges Missbrauchsopfer und entpuppte sich als Intelligenz-Überfliegerin und Vollblutkämpferin. Gegen intelligente Frauen hat heut zu Tage kaum noch jemand etwas, aber gegen weit überdurchschnittlich intelligente offenbar schon noch. Männliche Überflieger sind akzeptiert, aber bei weiblichen wird man misstrauisch. Die traumatische Angst vor Hexen sitzt uns wohl auch nach Jahrhunderten der europäischen Aufklärung immer noch in den Knochen. Vor allem, wenn so eine Frau obendrein offenbar keine Berührungsängste mit Okkultismus hat, und viel Heimlichtuerei betreibt. Über ihre Verbindung zu einem elitären zionistischen Netzwerk aus dem Ruhrpott, die unter anderem ihr seltsamer namenloser Kritiker, der Heckie, aufdeckte, schweigt sie bis dato eisern (wobei es in dieser Ecke wohl tatsächlich auch ziemlich gefährlich wird).

Dabei ist der Heckie genauso ein Heimlichtuer wie sie. Dass er angeblich so viel moralischer ist als die Leute, die er kritisiert, und über so viel mehr Fachwissen verfügt als sein Publikum, sollen wir ihm einfach so glauben, ohne, dass er uns die Möglichkeit einräumt, das nachprüfen zu können. So nach dem Motto „Können diese Augen lügen?“ Wie stellt er sich das vor? Nachdem er den Shitstorm maßgeblich losgetreten hatte, musste er später wegen seiner Kritik an Samuel Eckert selbst in einem ordentlichen Shitstorm ganz schön federn lassen (ein Like/Dislike-Verhältnis von über 1:3 hat schon Seltenheitswert). Karma is a bitch, wie es auf neudeutsch so schön heißt. Zugute halten muss man ihm allerdings, dass er keine Kommentare löscht (das tut Meike übrigens auch nicht). Er soll auch gerne weitermachen mit seinem Kanal, aber m.E. wäre eine Kurskorrektur angebracht.

Ich wollte ja noch etwas dazu schreiben, dass ich selbst bisher noch niemals im Zentrum eines Shitstorms stand. Zwar bin ich auch schon gelegentlich mal von einzelnen in Kommentarbereichen und Foren von anderen angegangen und beschimpft worden. Aber dass ich noch keinen echten Shitstorm auf mich gezogen habe, liegt einfach daran, dass mein Blog bzw. mein Youtube-Kanal einfach nicht genug Publikum hat. Sollte sich das jedoch mal ändern, ist es natürlich ratsam, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Aber wie erwähnt, brauche ich dazu erstmal mehr Leser bzw. Zuschauer. Aber wie bekomme ich die? Es gibt da mehrere Möglichkeiten:

  1. Man muss zu aktuellen Themen über längere Zeit mehrmals wöchentlich einen Beitrag schreiben bzw. ein Video machen. Dazu habe ich keine Lust, und ich glaube auch nicht, dass das mich und andere wirklich weiter bringt.
  2. Man hat Kontakte zu anderen Kanalbetreibern mit großer Reichweite, die einen verlinken bzw. empfehlen können. Dadurch kann man auf ziemlich viele Klicks kommen. Man nennt solche Leute auf neudeutsch „Influencer“ (schreckliches Wort). Hab keine solchen Kontakte, ist damit also auch abgehakt.
  3. Man macht Videos über andere. Das ist nicht meine Art, passt nicht zu mir, und ist somit ebenfalls keine Option, die ich in Betracht ziehe.
  4. Man braucht ein Thema, das einen selbst betrifft, und von dem man weiß, dass auch sehr viele andere betroffen sind und darunter leiden, aber über das niemand gerne öffentlich reden möchte. Damit kann man Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und man kann gleichzeitig auch eine Hilfe und Anlaufstelle für die vielen anderen sein, denen es ähnlich geht. Mit so einem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, muss gut vorbereitet sein, da die Gefahr, dass Schmähungen, Spott, und Unverständnis als Reaktionen kommen, besonders hoch ist.

Möglichkeiten 1–3 fallen für mich also schon mal aus. Was Nr. 4 betrifft, ja, da gäbe es schon etwas. Dafür muss aber der richtige Zeitpunkt da sein, und ich glaube, es ist jetzt noch zu früh dazu. Deshalb belasse ich es einfach mal bei dieser kryptischen Andeutung. Letzlich ist Anzahl der Klicks auch nicht so wichtig. Ich schreibe diese Aufsätze in erster Linie, um meine eigenen Gedanken zu sortieren, und werde das auch ohne Leser weiterhin öffentlich tun. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meine wenigen Leser! Vornehmliches Ziel meines Blogs sollte die permanente Selbstbeobachtung sein, um stets den 🙏WEG DER MITTE🙏 einhalten zu können, und nicht, um möglichst viele Klicks zu bekommen.

NAMO TASSA BAGAWATO ARAHATO SAMMA SAMBUDDHASA
Ehre sei dem Erhabenen, dem Noblen, dem vollständig Erwachten 🙏🙏🙏

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