Viergespann, Fähigkeiten und Hindernisse

An dieser Stelle möchte ich einmal erklären, wie der man sich den 🙏WEG DER MITTE🙏 veranschaulichen kann, und zwar anhand eines Bildes, wie es mir im Sommer 2003 beigebracht wurde. Man stelle sich ein Viergespann vor: Die vier Pferde bilden zwei Paare mit je einem Pferd zur Linken, und einem zur Rechten, ein Paar ist vorne angespannt, das andere Paar dahinter. Auf dem Wagen sitzt der Wagenlenker und muss beide Paare kontrollieren, damit der Wagen geradeaus fahren kann.

Wenn auch nur eines der Paare unausgeglichen ist und das eine Pferd schneller als das andere, kommt der ganze Wagen ins Schlingern und kann nicht mehr geradeaus weiter fahren. Jedes Pferd symbolisiert eine von vier Fähigkeiten, die ich im folgenden aufliste, und die man sich aneignen muss:

Das erste Pferdepaar — sagen wir, es sind die beiden vorderen — symbolisiert diese beiden Fähigkeiten:

  • Sammlung, Konzentration (Samadhi Indriya): Damit ist die Fähigkeit gemeint, innerlich zur Ruhe kommen zu können, sei es in der Nacht, oder im stressigen Alltag, oder in der Meditation, falls man so etwas tut.
  • Willenskraft und Anstrengung (Viriya Indriya): Diese Fähigkeit benötigen wir, um etwas leisten und erreichen zu können. Wer diese Fähigkeit entwickelt hat, hat ein Ziel vor Augen, und bringt genügend Entschlossenheit und Energie auf, um sein Ziel zu erreichen.

Diese beiden Fähigkeiten gehören paarweise zusammen. Was passiert, wenn dieses Paar ins Ungleichgewicht gerät?

  • Wenn man zu viel Konzentration, aber zu wenig Tatkraft und Willensanstrengung hat, entstehen Stumpfheit und Mattheit (Thina-Midha). Man kann sehr leicht in einen Zustand der Ruhe kommen, aber man hat kein Ziel mehr vor Augen, oder, man hat ein Ziel, aber bringt nicht genug Tatkraft und Ehrgeiz auf, um dieses Ziel zu erreichen. Mit diesem Problem habe ich öfters zu tun. Derzeit versuche ich, diesem Problem Herr zu werden, indem ich mich bemühe, regelmäßig zu schreiben, und mich nicht mehr von den geringen Zugriffszahlen entmutigen lasse. Entmutigen lasse ich mich auch nicht mehr von diversem anderen Mist, im Äußeren (man sehe sich nur einmal die Weltsituation an) wie in meinem eigenen Leben. Ich muss mir aber auch über das Ziel meines Schreibens noch mehr Klarheit verschaffen.
  • Wenn man dagegen zu viel Tatkraft, aber zu wenig Konzentration hat, entwickelt man Unruhe (Uddhacca). Man ist ständig getrieben, hyperaktiv, kann aber niemals zur Ruhe kommen. Das ist ein Problem, mit dem ich eher weniger zu tun habe.

Das zweite Pfedepaar symbolisiert zwei weitere Fähigkeiten, die ausgeglichen werden müssen:

  • Glaube und Zuversicht (Saddha Indriya) ist die Fähigkeit, die man entwickelt, wenn man sich seine Sache sicher ist. Man bleibt dem Weg, den man geht, treu, und ist davon überzeugt, dass es der richtige ist.
  • Verständnis, Einsicht, und Weisheit (Panna Indriya) entwickelt man durch Bildung, Lesen, studieren, nachdenken, kontemplieren. Man muss das Wissen, das man dadurch gewinnt, aber auch als Ganzes erfassen und verstehen.

Diese beiden Fähigkeiten habe ich in übertragener Form bereits in meinem Aufsatz über Gnaden- und Selbsterlösungsreligionen besprochen: Die Gnadenreligionen setzten mehr auf Erlösung durch Glaube und Zuversicht, z.B. der Jodo Shinshu Buddhsimus, während die Selbsterlösungslehren auf die Entwicklung von Weisheit und Einsicht aus sich selbst heraus setzten. Auch dieses Paar an Fähigkeiten kann schnell aus dem Gleichgewicht geraten:

  • Wenn man zu viel Glauben hat und sehr selbstsicher ist, es einem aber an Weisheit fehlt, hat man ein übersteigertes Selbstbewusstsein. Man entwickelt Begierde und Verlangen (Kama Chanda), bis hin zu Größenwahn, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Es mangelt einem an Selbstkritik. Möglich, dass dieses Hindernis bei mir schon auch ab und zu auftritt.
  • Hat man viel Weisheit, aber zu wenig Glauben und Zuversicht, kommt es zu Zweifel (Vici-Kiccha). Man wälzt sich durch reihenweise Bücher, rennt von einem Bildungsangebot zum anderen, probiert alle möglichen Wege aus, aber es fällt einem schwer, wirkliches Selbstvertrauen zu entwickeln. Es ist auch keine gesunde Skepsis, sondern es mangelt einem an Selbstbewusstsein. Mit diesem Problem habe ich regelmäßig zu kämpfen.

Die vier Pferde symbolisieren also die Fähigkeiten Sammlung, Willenskraft, Glaube, und Weisheit. Es gibt aber noch eine fünfte Fähigkeit, und das ist der Wagenlenker, der auf dem Wagen sitzt und ständig darauf achten muss, dass beide Pferdepaare im Einklang sind: Die Achtsamkeit oder Aufmerksamkeit (Sati Indriya). Achtsamkeit sollte man immer üben, egal wie gut oder scheiße es einem geht, damit der Wagen nicht ins Schlingern gerät. Die blau eingefärbten Begriffe bilden damit die fünf Fähigkeiten. Wenn die Achtsamkeit nachlässt, können schnell die fünf Hindernisse auftreten, in leichter oder schwererer Form. Das sind die rot eingefärbten Begriffe, wobei das fünfte Hindernis Wut, Aversion und Überwollen (Vayapada) ist.

Ich habe das Vertrauen entwickelt, dass dieser Weg der einzige ist, mit dem man wirklich weiter kommt.

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