Nichtwissen aushalten können

Dies ist ein Nachtrag zu dem letzten Beitrag über die Apokalyptiker. Was viele dieser Typen gemeinsam haben, ist das bewundernswerte Selbstbewusstsein, mit der sie ihre düsteren Voraussagen treffen. Als Leser bzw. Zuhörer kann man da wirklich eine Gänsehaut bekommen und denkt sich: Mann oh Mann, hier ist jemand, der jetzt schon ganz genau weiß, was in der Zukunft alles passieren wird, so selbstsicher, wie der sich anhört. Da wage ich es lieber nicht zu widersprechen, so klein und unwissend wie ich bin.

Untergangsszenarien gibt es freilich viele, und sie werden oft genüsslich grauenvoll ausgeschmückt: Da gibt es die Wirtschaftscrash-Apokalyptiker, die uns darüber aufklären, wie es sein wird, wenn über Nacht plötzlich alle Banken schließen, der Strom ausfällt, und alle Supermärkte zu haben und geplündert werden. Dann die Bürgerkriegs-Apokalyptiker, die die Vision von umherschweifenden, mordenden Islamistenhorden ausmalen. Dann diejenigen, die schon genau wissen, wann der Dritte Weltkrieg ausbricht, und wann und wo genau die Atombomben fallen werden. Und natürlich die Bibel-Apokalyptiker, die, je nach der Bibelinterpretation, die sie bevorzugen, im Detail genau wissen, was uns demnächst alles bevorsteht.

Schon gut, ich polemisiere jetzt. Zugegeben. Polemisiert werden meistens Dinge, die man nicht versteht, schrieb mir mal einer in einer Forumsdiskussion über den Geldsystemcrash. Es muss jemand gewesen sein, der alles sehr viel besser verstanden hat als ich. Sicher, sollte auch nur eines der oben genannten Szenarien eintreten, werde ich nicht mehr lachen. Versprochen. Für möglich halte ich inzwischen sowieso schon alles. Und weil es möglich ist, muss auch darüber geredet werden und es muss ernst genommen werden. Denn es liegt ja wirklich einiges im Argen. Aber ist es nicht so, ja, eigentlich immer schon so gewesen, dass wir letztendlich nicht wissen können, was in der Zukunft passieren wird? Wie kann man nur mit solcher Selbstüberschätzung behaupten, man wisse jetzt schon mit absoluter Sicherheit, dass demnächst alles den Bach runtergeht, und damit seine ohnehin schon arg gebeutelten Mitmenschen belästigen?

Meiner Meinung nach ist die Antwort auf diese Frage darin zu finden, dass es die Ungewissheit ist, die für viele Menschen schwer zu ertragen ist. Das gilt für allem in schwierigen Zeiten, in denen wir ja zweifellos leben. Zeiten, in denen vieles zusammenbricht und im Umbruch ist, und wir uns mit Problemen konfrontiert sehen, für die wir noch keine Lösung erkennen können. Man will dann wissen, wie es weiter geht, und lieber konstruiert man sich eine schreckliche Zukunftsvision, als im Zustand des Nichtwissens verharren zu müssen. Ich finde aber, wir sollten auch lernen, mit Ungewissheit leben. Was wir wissen, ist, dass wir in Deutschland in einer sehr schwierigen Lage stecken, und das es schwer werden wird. Auch davon, dass es nie mehr wieder so werden wird, wie es bis vor, sagen wir, 20 Jahren war, können wir ausgehen. Aber wie genau die Zukunft hier aussehen wird, wissen wir einfach nicht. Dass das derzeitige Lügenregime irgendwann auf die eine oder andere Weise verschwinden wird, ist gewiss. Alles andere wissen wir nicht. Die Kinder, die heute geboren werden, werden in einer völlig anderen Welt leben, die wir uns heute wahrscheinlich noch nicht einmal vorstellen können.

Und da ist noch ein anderer Aspekt, den wir nicht vergessen sollten: Es kann auch immer sein, dass sich plötzlich unsere privaten Umstände ändern: Der Verlust eines Familienangehörigen oder engen Freundes, eine Krankheit, Ereignisse, die plötzlich unser gesamtes Leben über den Haufen werfen, und die wir ebenfalls nicht vorhersagen können. Wenn uns so etwas geschieht, werden die äußeren politischen Umstände auf einmal gar nicht mehr wichtig erscheinen und sie geraten aus dem Blickfeld. Schon allein deshalb lohnt es sich für jeden einzelnen, schon jetzt seine Einstellung zu ändern, und nicht darauf zu warten, bis so etwas passiert.

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