Jakob und Esau – die Versöhnungsszene

War die biblische „Versöhnungsszene“ zwischen Jacob und Esau eine echte Versöhnung? Aus einer Diskussion mit der Stechfliege unter seinem derzeit neuesten Video:

Stechfliege:

Hab mir eben dein Blog angeschaut und du hast da ein äußerst interessantes Thema, nämlich den Esausegen. ich beschäftige mich immer wieder damit, kam aber bisher noch zu keinem endgültigen Schluss, wie genau das nun zu verstehen sei. Es wird aber wohl auch was mit einem Äonenwechsel zu tun haben, was ich im nächsten Video thematisieren werde, allerdings ohne Esau und Jakob.

Bei Jakob und Esau erkennt man aber auch den Unterschied zwischen Ehrlichkeit und Unehrlichkeit, einem moralischem Handeln und unmoralischem Handeln. Ich denke das das Joch, die Auseinandersetzung der Dualität ist und man dann das Joch abwirft, wenn man die „unversöhnliche“ Pole sinnvoll miteinander verbindet

Die Israelis (Jakob) feiern bis heute das Purim-Fest und zeigen ihre Unversöhnlichkeit mit Amalek bzw Edom (Esau). Würde das Esau auch machen? Laut der Bibel, war er versöhnlich seinem Bruder gegenüber und freute sich, als er ihn endlich umarmen konnte (zuvor hatte Jakob sich hinter seinen 4 Frauen versteckt). Doch am Ende, so die äthiopische Bibel, wurde Esau von seinen Söhnen angestachelt, die damalige Schmach zu rächen und sie kämpften dann gegen Jakob und seinen Söhnen, der Sohn Juda riet seinem Vater, seinen Bruder zu erschießen und Esau brach tödlich getroffen von Jakobs Pfeil zusammen. Ich hoffe ich habe es richtig wiedergegeben, bin seit einem Jahr nicht mehr an dem Thema dran.

Lano:

Danke für dein Interesse! Das Thema Esausegen habe ich vorerst mal auf Eis gelegt, weil ich mir wie du auch nicht mehr völlig im Klaren bin, ob das wirklich weiter bringt. Matthias Köpke hat auf seinem Kanal „esausegen“ und seiner dort verlinkten Schriftensammlung einen beeindruckenden Fundus dazu zusammen getragen. Er bezieht sich dabei v.a. auf die Schriften von Erich und Mathilde Ludendorff. Die Ludendorff-Schriften habe ich mir auch ein bisschen angesehen. Ist durchaus interessant, aber ich bin dann doch zu dem Schluss gekommen, dass das nicht meine Welt ist. Was mich bei M. Ludendorff vor allem stört, ist, dass sie sich einerseits über Pseudowissenschaften mockierte („Induziertes Irresein durch Okkultlehren“), andererseits aber selbst pseudowissenschaftliche Verschwörungs- und Rassentheorien vertrat.

Ja, diese biblische „Versöhnungsszene“ zwischen Jacob und Esau ist interessant. Ich habe das aber eher so verstanden, dass es gar keine echte Versöhnung war, sondern einen weiterhin bestehenden, ungelösten Konflikt symbolisiert. Jacob wird in der Bibel ja als der begabtere, spirituellere, und fleißigere dargestellt, allerdings mit einem Hang zur Feigheit und Unehrlichkeit. Esau dagegen ist der triebgesteuerte, aber ehrliche und gutmütige Trottel. Jacob leidet unter einem schlechten Gewissen wegen seines Betrugs, aber er weiß auch, dass der Segen, den Esau von Isaak bekommen hat, nur dann in Kraft tritt, wenn Esau ihn persönlich für sich einfordert. So verstehe ich auch die Versöhnungsszene: Jacob wünscht sich insgeheim, dass Esau sein Erbe einfordert, um von seinem schlechten Gewissen befreit zu werden, deshalb wirft er sich so unterwürfig vor Esau nieder, und bietet ihm an, sein Knecht sein zu dürfen. Aber was macht Esau, der gutmütige alte Trottel? Er hat alles schon wieder vergessen, es ist ihm genauso egal wie sein Erstgeburtsrecht. Er freut sich einfach nur, seinen Bruder wieder zu sehen, und so schwelt der Konflikt weiter.

Dazu passt übrigens auch, dass Mutter Rebekka, die den Jacob ja zu dem Betrug angestachelt hat, in 1. Mose 27, 43-45, zu Jacob sagt: „Und nun höre meine Stimme, mein Sohn: Mache dich auf und fliehe zu meinem Bruder Laban gen Haran und bleib eine Weile bei ihm, bis sich der Grimm deines Bruders legt und bis sich sein Zorn wider dich von dir wendet und er vergißt, was du an ihm getan hast; so will ich darnach schicken und dich von dannen holen lassen. Warum sollte ich euer beider beraubt werden auf einen Tag?“ Rebekka kannte ihren Sohn Esau also genau und ahnte schon, dass er bald alles wieder vergessen würde.

Naja, wie gesagt ist das meine eigene Interpretation, aber es gibt schon alles ein erstaunlich konsistentes Gesamtbild. Es könnte also tatsächlich Sinn machen, das so zu verstehen, dass die nicht-israelitischen Völker (symbolisiert durch Esau) das Joch, dass ihnen die Israeliten auferlegt haben, abwerfen dürfen, indem sie es für sich einfordern. Interessant, dass die Geschichte in äthiopischen Schriften weiter erzählt wird, das wusste ich noch nicht.

Stechfliege:

Ja, deine Interpretation hat was, ich füge sie mal als eine Erweiterung in meinen Kenntnisstand hinzu. 🙂

Das mit Ludendorff kenne ich natürlich auch den Kanal Esausegen. Alles Interpretationen von Individuen, so wie du und ich es auch tun. Ich denke, jeder hat ein Stück Wahrheit in sich, was für alle Menschen gilt, aber die vollständige Wahrheit trägt jeder nur für sich.

Werbeanzeigen

3 Gedanken zu “Jakob und Esau – die Versöhnungsszene

  1. Ich habe darüber nachgedacht, was du schriebst mit dem Unversöhnlichen. Insofern stimmt das natürlich, weil, wie oben erwähnt, die Israelis bis heute das Purim-Fest feiern und bis heute gilt Amalek bzw Edom als der Erbfeind schlechthin.

    Hanna Arendt sagte mal sinngemäß: Verzeihung bedeutet Neuanfang, während Rache, ein fortdauernder Konflikt darstellt.

    Nachdem was Jakob alles getan hat, was ich als „nicht ganz korrekt“ empfinde und er aber auch darunter litt, gehen die heutigen Israelis recht seltsam damit um. Letztendlich habe ich mich gefragt, ob ich stolz wäre, so einen Stammvater zu haben? Mitnichten. Selbst als er gegen Gott/Engel/Esau-Gewissen, 1.Mose 32 (man weiß es nicht genau), gab er nicht auf. Fortan hieß er Israel oder Jakob der Hinkende. Und gerade der Hinkende ist auch ein Hinweis für das Gehen, läuft es rund, dann hinkt man nicht. Irgendwas ist also in dieser Nacht passiert und er hieß seit dem Gottesstreiter (Israel). Doch bedeutet das, er streitet Für Gott oder Gegen Gott? Und vor allem welcher Gott ist damit gemeint? Kurz dazu eine Erklärung warum ich mich das frage:

    In den Genesis gibt es 2 Schöpfungsgeschichten.
    Die erste Genesis war eine geistige Schöpfungsgeschichte und dort steht stets Gott, korrekter wäre Elohim. Liest man die erste Schöpfungsgeschichte, wurden Mann und Frau gleichzeitig erschaffen und von den Tieren bis zum Menschen aß keiner Fleisch oder gar ein tierisches Produkt, die Menschen waren sogar Frutarier.
    Erst in der 2. Schöpfungsgeschichte, wurde die Welt durch „Gott der Herr“ (JHVH) materialisiert. Er erschuf zuerst Adam und dann Eva. In der jüdischen Kabbalah bedeutet JHVH die 4 Elementen, oder anders ausgedrückt. JHVH ist Materie. In der Gnosis ist JHVH ein böser Gott, ein Mutant und der erste Archont, weil seine Mutter Sophie vor lauter Eigennutz ein Kind gebar ohne einen Vater zu haben, der Christus hätte sein müssen. (Genauer ist es hier: https://anthrowiki.at/Jaldabaoth#Beschreibung beschrieben oder das Buch von Dietzfelbinger „Schöpfungsbericht aus Nag Hammadi kaufen) Hier wird gezeigt, dass JHVH eine weibliche Gottheit ist, ohne Vater und nur von der Mutter gezeugt. Maria die Mutter von Jesus war eine Jungfrau als sie Jesus gebar, aber sie wurde vom heiligen Geist befruchtet, genau das was JHVH fehlte, das Geistige. Und Jesus, so die Gnostiker, soll die Welt reinigen von JHVH. JHVH ist die materielle Idee des Geistes, aber ohne den Geist. Erst durch Jesus der sich wie folgt schreibt: JHShVH, wurde die Materie JHVH, durch den Buchstaben Sh (Geist) in seinem Namen belebt.

    Gehen wir kurz zu Jesus, er sagte einmal:
    „Ihr habt den Teufel zum Vater, und was euer Vater begehrt, wollt ihr tun! Der war ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben.“Johannes 8,44

    und

    „Die Juden antworteten ihm: Wegen eines guten Werkes steinigen wir dich nicht, sondern wegen Lästerung, und weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst. 34 Jesus antwortete ihnen: Steht nicht in eurem Gesetz geschrieben: „Ich habe gesagt: Ihr seid Götter“?“ Johannes 10,34

    Würden man die Nag Hammadie anerkennen, wüsste jeder, dass Jesus ein Erleuchteter war und jeder die Möglichkeit hat das zu werden.

    Zurück zu Jakob und Esau. Unter dem Gesichtspunkt, wären die Anhänger von JHVH der Gegenpol von Erleuchtung. Vielleicht hatte Isaak genau das gemeint, sei ein Erleuchteter und dann bist du raus aus dem ganzen Mist? Das würde also heißen, hier geht es nicht (nur) um Völker, sondern um den einzelnen Menschen.

    Gefällt 1 Person

    • Danke für deine Gedanken. Ich glaube, dadurch ist mir wieder ein weiteres Puzzlestückchen im Gesamtbild klar geworden. Vielleicht hast du Recht, dass man bei der Geschichte von Jacob und Esau weniger an Völker denken sollte, sondern eher an den Bewusstseinszustand der Menschen. Die Gnosis finde ich schon auch sehr interessant. Was ich aber noch nicht verstehe, ist, warum sowohl die Katholiken als auch die evangelikalen Christen so eine Aversion gegen die Gnosis haben. Manche glauben ja sogar, das sei satanisch oder ähnlicher Quatsch. Die gnostischen Katharer wurden ja im 13. Jahrhundert im ersten Kreuzzug von der Kirche komplett ausgerottet. Sie wurden als so große Bedrohung angesehen, dass eigens für sie die Inquisition eingerichtet wurde.

      Jesus, der Erleuchtete, klingt für mich auf jeden Fall 100mal glaubwürdiger als Jesus, der liebende Retter und schreckliche Richter in einer Person, der am Tag des Gerichts alle Ungläubigen zur ewigen Höllenqual verdammen wird. In Wirklichkeit ist es ja Jacob, der einen Teufelspakt in Reinform geschlossen hat: Er hat sich weltlichen Erfolg und Reichtum erkauft, indem er sich einen Segen erschlichen hat, der eigentlich jemand anderem zustand, nämlich dem Esau (=Schmarotzertum). Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Calvinisten versuchen, sich ihren Teil des Jacobssegens zu erheischen, indem sie sich durch ihren Glauben an Jesus Christus als Erben Jacobs verstehen. Auch das ergibt Sinn, wenn man bedenkt, dass die Calvinisten weltlichen Erfolg als Zeichen verstehen, von Gott “auserwählt” zu sein. Cavinismus ist so zu sagen die (pseudo-)christliche Verlängerung des jüdischen Auserwähltheitsglaubens.

      Gefällt 1 Person

  2. „Was ich aber noch nicht verstehe, ist, warum sowohl die Katholiken als auch die evangelikalen Christen so eine Aversion gegen die Gnosis haben.“
    Gnosis bedeutet Erkenntnis und die Kirchen sind nicht daran interessiert, dass ihre Schäfchen auf einmal wissen, dass die Kirche der Wolf ist. 🙂 Immerhin reden die immer, dass es einen Gott gibt, einen der auf uns aufpasst und gütig ist, dem wir zu gehorchen haben und er ist aber auch ein eifersüchtiger und rachsüchtiger Gott. Ein Gott der alles besser weiß und immer alles richtig macht. Ein Gott also, der „besser“ als die anderen Götter von anderen Religionen ist. So interpretieren die geistigen Führer des Christentums aber auch der Islam oder das Judentum sehen das so, dass ihr Gott besser sei als die anderen Götter.
    Das sehe ich dann doch etwas anders. Jeder ist ein Teil von Gott und somit Gott. Jeder ist ein Aspekt des einen Gottes und trägt also eine bestimmte Eigenschaft des einen Gottes. Zusammen sind wir den einen Gott und doch ist jeder für sich ein Gott. So definiere ich Gott und durch solch eine „Erkenntnis“ würde es sicherlich anders auf unserem Planeten laufen. Aber, da wir in einer Dualität leben, braucht es auch die Gegenseite und das sind die Institutionen welche Menschen dumm halten, damit sie weiter ihre Sklaven sind. Und sie haben auch ihr Daseinsberechtigung. Am Ende geht es eh nur um die Liebe (Agape), die universelle Liebe, die, welches alles bindet, auflöst und neu bindet (solve et coagula, ein alchimistisches Prinzip).

    Jetzt bin ich doch etwas abgewichen, sorry dafür, zurück zur Aversion und Gnosis. Wie oben erwähnt, ich denke es geht um die Erleuchtung und so einen Weg würde auch die Wirtschaftsindustrie der Religionen zunichte machen und wir leben derzeit in einer doch sehr materiellen Weltansicht, wo die Spiritualität kaum noch zu tragen kommt.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s