Das Hamsterrad der Kollektivschuld

„Wer nichts tut, macht sich mitschuldig“ hört man im systemkritischen Lager immer öfter. Daneben wird kräftig auf die dummen Deutschen (womit der Sprecher/Schreiber sich unbewusst meist selbst mit einschließt) geschimpft, und man wünscht ihnen möglichst bald die vernichtende Katastrophe an den Hals, an der „sie“ (der Sprecher/Schreiber wiederum selbst eingeschlossen) dann natürlich selbst Schuld sind und es nicht besser verdient haben. Diese Hassausbrüche werden immer schlimmer und entwickeln sich mehr und mehr zur einem Wahn. Der erfolgreich gezüchtete deutsche Selbsthass lässt grüßen. Es ist ein fruchtloses Hamsterrad in dem sich diese Leute drehen, denn gerade dadurch töten sie die Energie ab, die so dringend nötig wäre, um mehr Menschen zum Nachdenken und Aufwachen zu bringen.

Passend zum Thema bringe ich hier einen Schlagabtausch im Kommentarbereich eines der letzten Vidos von Antipaganda (https://www.youtube.com/watch?v=otv4sNabUB0), an dem ich beteiligt war. Das Video ist hervorragend recherchiert wie immer, aber leider nicht frei von diesem Kollektivschuld-Gedöhns.

„Langnasenaffe“ schrieb:

„Wer hier nichts tut, macht sich mitschuldig.“ Falsch. Diese These ist vollumfänglich anzulehnen. Wer nichts tut, tut nichts, tut also auch nichts für irgendwelche Umstände, ist also an selbigen auch nicht schuld. Dieser Unsinn der Schuld durch „sich nicht engagieren“ ist ein Baustein des Schuldkomplexes, der uns von linker und grüner Seite immer und immer wieder eingehämmert wird. „Du bist mitschuld an den Kriegen der Nato, weil Du nichts dagegen tust, also musst Du es ertragen, dass die Opfer Deines Nichtstuns (Afrikaner, Araber) nach Deutschland kommen!“ So funktioniert das die ganze Zeit, der Einwanderer als Ablassbrief der eigenen Schuld.

Dabei stimmt es nicht. Die Verbrechen anderer sind die Verbrechen anderer und niemand ausser dem Verbrecher selber ist daran schuld. Ich bin nicht moralisch verpflichtet, mein Leben damit zuzubringen, gegen die Verbrechen anderer zu kämpfen.

Wenn jemand etwas gegen Verbrechen tut, dann ist dies eine verdienstvolle Handlung, es stellt ihn heraus als besonders guten Menschen. Diejenigen, die nichts tun, tun aber einfach nur nichts und sind keinesfalls an irgendetwas schuld. Schuld ist immer nur derjenige, der die verwerfliche Handlung begeht. Was also bei den Kriegen der Nato nicht greift (Kollektivschuld) greift auch nicht bei dem Gesetzesbruch des Merkel-Regimes.

Selbstverständlich wäre es wünschenswert, wenn sich mehr Deutsche für die Einhaltung des Gesetzes engagieren. Dennoch ist derjenige, der nichts tut, also auch nicht den Gesetzesbruch verteidigt, nicht mitschuld am Bruch.

Ich war überrascht, dass tatsächlich mal einer diesen Standpunkt einnahm, mit dem ich mich schon eine ganze Zeit lang recht alleine fühlte, und antwortete:

Genau so ist es. Du bist einer der ganz wenigen, der diesen wichtigen Punkt überhaupt einmal erwähnt, und es müsste noch viel öfter und deutlicher gesagt werden (habe vor, selber auch mal etwas dazu machen). Tatsächlich glaube ich sogar, dass diese permanente Schuldzuweisung an völlig Unbeteiligte der eigentliche Grund ist, warum keiner mehr Lust hat sich aufzuraffen und etwas für die Gerechtigkeit zu tun. Wenn eh alle Deutschen dran Schuld sind, ist es ja egal was man macht, man trägt ja als Deutscher dann trotzdem stellvertretend für alle anderen Mitschuld, die nichts machen. Dann kann ich es auch verstehen, wenn sich die Leute denken, scheiß drauf, dann mache ich eben auch nichts.

Die Deutschen sind doch wohl tatsächlich auch das einzige Volk der Welt, dass sich selber die Schuld gibt, nicht genug gegen die eigene Verbrecherelite (als ob’s nur bei uns so etwas gäbe) zu unternehmen. Mao Tse Dong hat in China zu seiner Zeit schätzungsweise 30 Mio Menschen im eigenen Land auf dem Gewissen. Beschimpfen sich die Chinesen denn deshalb auch permanent gegenseitig, nicht genug dagegen getan zu haben?

„Hans Meier“ war damit nicht einverstanden und schrieb dazu:

Ihr übertragt den Schuldkult vom 2. Wk auf die aktuelle Situation. Gegen Merkel kann man noch aktiv werden und rebellieren – gegen Hitler nicht mehr. Naja Hauptsache man hat wieder was zu meckern und braucht nix tun. Und man hat einen Kommentar geschrieben – bis zum nächsten Video. Merkel bricht das Recht und alle gucken zu. Hauptsache man hat selbst nicht Schuld. Na dann kann sie ja fröhlich weitermachen. „Wie konnte es nur soweit kommen?“ „Warum machen die denn nix dagegen?“ „Wie konnte man das nur zulassen?“

Da hat er natürlich völlig recht. Diese Ausreden werden nicht mehr ziehen. Die Informationen über die laufenden Verbrechen sind schon lange ausreichend verfügbar. Keiner wird sagen können: „Davon kam nie was in der Tagesschau, woher sollte ich das denn wissen?“. Aber darum geht es nicht. Darum meine Antwort an Hans Meier:

Ich glaube, du hast nicht ganz verstanden. Es geht nicht darum, dass man nichts zu tun braucht, sondern vielmehr darum, dass die ständige Wiederholung der Floskel „wer nichts tut, macht sich mitschuldig“ und „alle Deutschen sind Schuld an der jetzigen Situation, weil sie nicht genug dagegen unternommen haben“ zu nichts führt. Im Gegenteil, es führt nur zu immer noch mehr Frustration und Apathie. Glaubst du wirklich, du kannst deine Mitmenschen dadurch wachrütteln, indem du ihnen das immer wieder unter die Nase reibst? Es ist gut, wenn man etwas tut, irgend etwas, egal was. Aber man kann auch etwas tun ohne permanent seinen Mitmenschen (einschließlich sich selbst!!) die Schuld dafür zu geben, wenn die Dinge nicht so laufen, wie man das gerne hätte.

Überleg mal, ca. 80-90% der Menschen haben gar nicht den Wunsch, dass sich irgend etwas verändert, die kann man sowieso nicht erreichen. Die laufen der Staatspropaganda hinterher und glauben, was um sie herum geschieht, sei normal. Die übrigen 10% sind überwiegend damit beschäftigt, sich gegenseitig die Schuld für die unerträgliche Situation zuzuschieben, während die Hauptschuldigen, nämlich diejenigen, die aktiv Gesetze brechen (Merkel und Co.), völlig aus dem Blickfeld geraten.

Die Deutschen sind das einzige Volk das ich kenne, das so verfährt.

Darauf kam dann keine Antwort mehr. Ergänzend möchte ich noch kurz den Denkfehler aufzeigen, den diese Volksbeschimpfungstypen machen: Sie möchten ihrem Ärger über die Schlafschafe Luft machen. Das sind die 80-90%, die ich in meiner Antwort an Hans erwähnte. Diese Schlafschafe sind für sie „die Deutschen“. Sie schreiben einen Blogeintrag, einen Kommentar oder machen ein Video, in dem sie ihren aufgestauten Hass auf „die Deutschen“ (wohlgemerkt: letztlich auf sich selbst!!) unbeherrscht abladen und denken sich: „Jetzt habe ich es den Schlafschafen aber gegeben!“. Nein, habt ihr nicht! Denn: Diese Schlafschafe erreicht ihr nämlich überhaupt nicht. Die schauen automatisch weg, sobald sie etwas sehen, was nicht dem Mainstream entspricht, weil ihr Realitätsfilterungsmechanismus, der ihnen antrainiert wurde, so reagiert. Faktisch beschimpft ihr nur die (maximal?!) 10% anderen, bei denen noch Hoffnung besteht.

In Wirklichkeit steht hinter euren antideutschen Hassausbrüchen nur die eigene Unfähigkeit, in der als unerträglich empfundenen Situation in Deutschland Haltung bewahren zu können. Das ist ehrlos und ich habe davor genauso wenig Achtung wie vor dem Verhalten der Schlafschafe!

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