Nachtrag zu Gerd-Lothar Reschke

Zu meinem letzten Beitrag über die Diskussion zwischen Hans-Joachim Heyer und Gerd-Lothar Reschke (GLR) habe ich im Kommentarteil überraschend Feedback von GLR bekommen. Zwar habe ich nur einen kleinen Mini-Blog, der vielleicht sporadisch mal von anderen besucht wird, die oft wohl nur ein einziges Mal einen Blick darauf werfen, aber natürlich gibt jeder ab und an mal seinen eigenen Namen in Google ein, und so wird der besprochenen den Beitrag natürlich schnell finden. Und natürlich wird er darauf dann auch reagieren, denn mein Beitrag war polemisch und enthält auch einige Unterstellungen an die Person, wie mir beim wiederholten Lesen selbst aufgefallen ist. Das hätte mir eigentlich klar sein müssen.

Warum habe ich mich dazu wieder mal hinreißen lassen? So etwas ist mir schon öfter passiert, und erst im Nachhinein fällt mir es dann auf, jedes mal gefolgt von einem Schuldgefühl. Ob sich dieses Muster bei mir jemals ändern wird, weiß ich nicht, aber ich versuche, das hier in diesem Nachtrag zu rekapitulieren, und den Grund für mein Verhalten zu finden. GLR weist mich in seinem Kommentar auf (er schreibt gar: traurige) Missverständnisse in meinem Beitrag hin. Da ich zunächst nicht wissen konnte, worin diese Missverständnisse bestehen, aber keine ungeklärten Missverständnisse öffentlich im Netz stehen lassen wollte, war meine erste Reaktion, den Beitrag in der jetzigen Form entfernen, und statt dessen einen Nachtrag hinein zu schreiben. Das hätte ich für legitim gehalten, da ich früher bereits schon Einträge heraus genommen hatte, die ich im Nachhinein unpassend empfand. Da GRL jedoch inzwischen — was ich nun wirklich nicht erwartet hätte, und wofür ich ihm auch herzlich danken möchte — in einer ausführlichen Antwort auf die Missverständnisse eingegangen ist, möchte ich den Beitrag jetzt doch so stehen lassen, wie ich ihn online geschaltet hatte.

Ich werde Gerd-Lothar Reschkes Antwort noch mehrmals durchlesen müssen, aber bis jetzt habe ich nichts gefunden, wogegen ich mich irgendwie wehren müsste. Das betrifft nicht einmal den Abschnitt über den Sozialismus-Vorwurf, den er — wenn ich es richtig verstanden habe — allein aus meiner Verlinkung der Nachdenkseiten und meines Bezuges auf Hans-Joachim Heyer abgeleitet hat. Was ist das überhaupt, ein „Sozialist“? Hierzu hat er mir freundlicher Weise eine Sammlung aus Videos und Artikeln zusammen gestellt, zu finden im Kommentarteil zum letzten Beitrag. Damit kann ich dann für mich selbst entscheiden, ob ich ein Sozialist bin oder nicht.

Ein paar wichtige Erklärungen konnte ich durchaus aus der Antwort heraus holen. Das betrifft v.a. Gerd-Lothars Aussagen zu seinen — wie ich annehme — wichtigsten beiden Themengebieten, nämlich die Ich-Thematik und das Falschgeldsystem, die er einer Innen- bzw. Außenansicht zuordnet. Diese basieren auf seinen eigenen, unmittelbar realen Erfahrungen (für das erstere im Jahr 2001 und das letztere im Jahr 2007), die man, ähnlich wie das Wissen über den Geschmack einer Banane, gar nicht verstehen kann, wenn man sie nicht selbst gemacht hat. Das bedeutet aber auch, jemand, der diese Erfahrung nicht kennt, kann das entweder nur so annehmen, oder eben nicht.

Einen Abschnitt aus meinem Beitrag hat er noch hervorgehoben:

Warum spricht er immer wieder von „Eigenverantwortlichkeit“, und beschwert sich über das Fehlen derselben bei seinen Mitmenschen (außer sich selbst), wenn es doch gar kein „eigenes“ ich gibt, für das man Verantwortung übernehmen kann? Warum wirft er allen anderen (außer sich selbst) vor, dass sie an der üblen Situation, in dem sich die Gesellschaft zur Zeit befindet (und da würde ich ihm sogar durchaus Recht geben), selbst Schuld seien, wenn es doch gar keinen handelnden Entscheider gibt, der sich für das eine oder das andere entscheiden könnte? Ohne Handlungen und Entscheidungen für das eine und gegen das andere gibt es keine Schuld, weder gegenüber anderen noch sich selbst (die oben erwähnten materialistischen Wissenschaftler scheinen das übrigens — im Gegensatz zu Reschke — erkannt zu haben). Für mich ergibt das einfach von hinten bis vorne überhaupt keinen Sinn!
Das ist die interessanteste und ergiebigste Passage. Ich finde es gut, daß einer — man könnte sagen: endlich — darauf gekommen ist, diesen Punkt anzusprechen.

Ja, das ist tatsächlich der Punkt, der mir persönlich am meisten zu schaffen macht. Es geht um das Thema Schuld, und v.a. um Schuldvorwürfe (die manchmal auch ziemlich implizit sein können). Wenn man jemandem Schuld an etwas vorwirft, impliziert man dabei, dass so etwas wie Schuld tatsächlich existiert, was wiederum bedeutet, dass man dem anderen unterstellt, dass er auch anders hätte handeln können, und moralisch auch anders hätte handeln müssen. Deshalb mein Vergleich mit diesen Hirnforschern, die offiziell behaupten, wissenschaftlich erwiesen zu haben, dass wir keine Wahlfreiheit haben, es deshalb auch keine Schuld gäbe, und dass diese Erkenntnis zukünftig im Strafrecht zu berücksichtigen sei. Trotzdem wimmelt es in derselben Gesellschaft, die jene „wissenschaftlichen Erkenntnisse“ verteidigt, von impliziten Schuldzuweisungen (z.B. dass man als Deutscher geboren ist, dass man den Mainstream-Medien nicht mehr verstraut, usw.). Das passt nicht zusammen. Meine Vorstellung ist deshalb, dass es eine Ebene geben muss, in der Dinge wie Willensfreiheit, Schuld, Moral, Gut und Böse tatsächlich existieren — vielleicht sogar im Sinne der alten, vermufften Religionen und spirituellen Traditionen; deshalb auch meine Wahl für die Namensgebung meines Blogs. Gerd-Lothar wird das vermutlich — ich unterstelle hier doch noch mal — für rührend naiv halten. Seine unter weiter führenden Erklärungen zu Dualität und Nondualität sind sehr tiefsinnig, und für mich (trotz mehrmaligen Lesens) schwierig zu verstehen. Ob sich das vielleicht einmal ändern wird, weiß ich nicht.

Auf jeden Fall habe ich gemerkt, dass da etwas für mich fremdartiges in GLRs Welt ist. Wahrscheinlich was es das, was mich (unbewusst) dazu verleitet hat, in meinem letzten Beitrag auf Konfrontationskurs zu gehen, trotz meines — wie ich sagen muss — Respektes zu Gerd-Lothar. Ob es richtig war, diesen letzten Beitrag zu schreiben, weiß ich immer noch nicht, aber immerhin ist mir dadurch klar geworden, dass durch eine direkte Kommunikation wesentlich mehr rüber kommt, als durch blosses Konsumieren von Videos und Blogbeiträgen.