Brotjob

Seit langer Zeit habe ich hier nicht mehr geschrieben. Woran liegt das eigentlich? Vielleicht ist es die Enttäuschung, die eigene Persönlichkeit durch das Schreiben nicht ändern zu können. Trotzdem die Jahr vorübergehen und sich die Lebensumstände ändern, stehe ich immer noch vor denselben Problemen, wie vorher. Anstatt dass die Zurückgezogenheit langsam zurück geht, habe ich den Eindruck, dass sie immer mehr zunimmt. Es ist diese Frage, auf die ich immer noch keine Antwort habe: Ist das durch mich selbst verschuldet, indem ich diese oder jene falschen Entscheidungen getroffen habe, oder liegt es an Umständen, die ich nicht beeinflussen kann? Ist es etwas, was bleibt und sich nicht ändern kann, oder wird es sich von selbst ändern, oder ändert es sich, wenn ich die richtigen Lebensumstände wähle? Bei mir kommt jedoch in immer denselben Situationen das Gefühl hoch, dass es das erstere ist: Wenn ich kein Gesprächsthema mit den Leuten finden kann, wenn ich zuschaue, wie sie sich gegenseitig unterhalten, ich selber aber außerhalb stehe.

Das ist immer derselbe Mist, er zieht sich durch mein Leben, und wenn ich mich recht entsinne, habe ich in der Anfangsphase des Willensfreiheitsblogs darüber auch schon geschrieben. Tatsächlich hatte ich durch die Eröffnung des Blogs die Hoffnung im Hinterkopf, durch seine Führung dieses Lebensgefühl aktiv angehen zu können, oder zumindest, eine Erklärung dafür finden zu können. Was aber nicht so war. Teilweise bin ich auf andere, mir wichtig erscheinende Themen ausgewichen, v.a. die Naturwissenschaft, da sie meinen Broterwerb darstellt (und früher sogar tatsächlich einmal meine Leidenschaft), aber auch von dieser bin ich inzwischen soweit enttäuscht worden, dass ich keine Energie mehr fand, weiter zu schreiben. Das schreiben stellte nur eine Zusatzarbeit dar zu der Arbeit, die ich für meinen Arbeitgeber machen muss. Dabei ist die Arbeit, die ich hier machen könnte, echte Arbeit, während ich die andere nur deshalb mache, weil ich Geld benötige zum Leben. In der Wissenschaft ist kein Raum mehr für Kreativität, man darf nichts mehr wirklich in Frage stellen. Alle Wege sind bereits vorgezeichnet. Wenn man sich damit zufrieden gibt, kann man das machen, kann auch publizieren, immerhin ist man in der Gemeinschaft aller anderen, die das auch machen. Aber ich schaffe das nicht.

Mein wirkliches Leben finden inzwischen nur noch zu Hause statt, mit der Familie (zumindest das wenige, was davon übrig ist), un ab und an ein paar Unternehmungen mit Freunden. Es heißt von manchen, man solle sich nicht nur ins Private zurückziehen, man solle auch nach außen gehen, sich engargieren. Aber hier in meinem Brotjob, da gibt es nichts, wofür ich mich engargieren kann, ja sorgar, möchte. Wenn überhaupt, gäbe es nur die Möglichkeit über den Brotjob hinaus zu gehen. Ins Ungewisse, ins Gefährliche, dort, wo die meinsten derjenigen, mit denen ich heute zusammen arbeite, niemals hingehen würden. Da wäre ich dann allein. Obwohl, das bin ich ja jetzt auch schon. Leider bin ich nicht mit so viel Mut auf die Welt gekommen.

Der Willensfreiheitsblog ist eine winzige Möglichkeit, in diese Richtung zu gehen, darum möchte ich ihn auf keinen Fall aufgeben.

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