Buchbesprechung: "Der Quantensprung des Denkens" von Natalie Knapp

Als ich letztens im Urlaub in einer ziemlich gewöhlichen Buchhandlung – ich glaube, es war ein „Hugendubel“ – etwas herumstöberte, fiel mein Blick irgendwo zwischen dem Bereich Naturwissenschaften und Wirtschaft auf ein Buch mit dem Titel „Der Quantensprung des Denkens – was wir von der modernen Physik lernen können“ (Rohwolt Taschenbuch Verlag, Mai 2011). Ein kurzer Blick auf den Klappentext und in das Buch machte mir klar, dass es in diesem Buch um genau das Thema ging, das ich inzwischen für das Hauptthema meines (zugegebenermaßen etwas vernachlässigten) Blogs halte: Nämlich die Quantenphysik als die (wahrscheinlich) einzige etablierte wissenschaftliche Disziplin, die den Rahmen des „konventionellen“ (auf die Newtonsche Physik zurückgehenden) Denkens des neuzeitlichen Europas sprengt, und uns helfen könnte, den immer notwendiger werdenden Schritt des Umdenkens meistern zu können. Auch andere Systeme könnten das, wie die großen spirituellen philosophischen Systeme dieser Welt, die aber leider sehr unter Beschuß geratend sind und mehr und mehr durch Lehranstalten, Medien, und berufliche Zwänge aus dem Leben der Menschen hinausgedrängt werden.

Spontan kaufte ich das Buch, für den günstigen Preis von 9,99 Euro, und las es in kurzer Zeit durch. Mein Eindruck ist sehr positiv. Die Autorin möchte der Allgemeinheit in einer einfachen Sprache die wesentlichen Erkenntnisse der Quantenphysik erklären. Das klappt auch recht gut, da – das ist zumindest auch mein Verständnis – diese Erkenntnisse vielmehr eine philosophische Bedeutung haben, als eine rein wissenschaftliche, und sie diese philosophischen Implikationen gut vermitteln kann, ohne auf physikalisches und/oder mathematisches Verständnis zurückgreifen zu müssen. Populärwissenschaftliche Bücher, die die naturwissenschaftliche Bedeutung der QT behandeln, gibt es ja mehr als genug. Die philosophische Bedeutung behandeln einige wenige. Aber ein Buch, dass daraus auch noch Schlussfolgerungen für unser Alltagsdenken und dessen direkten Einfluss auf unser praktisches Leben zieht – das ist nun wirklich etwas Neues!

Obwohl mir das meiste, was im Buch über die Quantentheorie erzählt wird, bereits bekannt war, gibt es auch einige Details, die mir doch neu waren. Zum Beispiel was den geschichtlichen Hintergrund der Entwicklung der QT betrifft. Es wird auch eine gut verständliche Einführung in verschiedene philosophische Systeme der Neuzeit gegeben, von der ich ebenfalls einiges lernen konnte. Das ist allerdings auch kein Wunder, denn Naturwissenschaftler haben bekanntlich üblicherweise ein mangelhaftes Wissen von Philosophie. Auch der Bereich Psychologie kommt nicht zu kurz, wie z.B. die Tatsache, dass das Newtonsche Weltbild seit ein paar Jahrhunderten derart fest in der Seele der Menschen der westlichen Welt verankert ist, dass die meisten das gar nicht mehr bemerken und dieses Weltbild für die objektive Realität halten.

Die drei bekanntesten Interpretationen der Quantentheorie werden besprochen: Die Kopenhagener Deutung, die sich am radikalsten von dem „konventionellen“ Newtonschen Denken und der Vorstellung von einer objektiven Welt verabschiedet, die Vielweltinterpretation, die selbst von den seltsamsten Vorstellungen nicht zurückschreckt, um eben dieses Weltbild zu retten, und die deterministische Bohmsche Quantenmechanik, die von einer objektiven gegebenen, aber holistischen „Hologramm-Welt“ inklusive überlichtschneller Informationsübertragung ausgeht. Ich finde es positiv, dass die Autorin sich dabei nicht für eine Interpretation und gegen die anderen ausspricht, sondern klar auf die unterschiedlichen Bedeutungen, Vorteile und Probleme der einzelnen Theorien eingeht. Früher war ich mal Anhänger der Kopenhagener Interpretation und ging davon aus, dass die anderen falsch sind. Heute denke ich, dass alle Interpretationen ihren wahren Kern haben, über den es sich nachzudenken lohnt. Obwohl ich z.B. immer noch denke, dass die Vielwelteninterpretation einige Fälschungen enthält, aber das nur nebenbei.

Was das Buch wirklich so empfehlenswert macht, sind die konkreten Übungen für das tägliche Leben. Der Leser wird ermutigt, zunächst sein Denken zu ändern, was sich dann auch früher oder später auf das Handeln das persönliche Leben auswirken wird. Wenn immer mehr Menschen diese Stufe erreicht haben, wird sich das auch auf die Politik und die Wirtschaftsweise auswirken. Sogar die Nachdenkseiten werden hinten im Buch empfohlen, als Beispiel für die Anwendung eines neuen Denkens auf die Politik.

Kritikpunkte und Erweiterungsvorschläge zum Thema des Buches habe ich auch ein paar, aber die lasse ich jetzt erst einmal weg und verschiebe sie evtl. auf den nächsten Eintarg. Sie ändern nichts daran, dass ich das Buch sehr empfehlen möchte, sowohl für Physik-interessierte mit oder ohne Hintergundwissen, als auch für alle anderen, die daran interessiert sind, ein offenes Denken zu erlernen / zu bewahren.

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