Neue Serie Quantentheorie. Einleitung

Da die Quantentheorie eine wichtige Rolle in meinem Tagebuch einnimmt, möchte ich mit diesem Eintrag eine Serie beginnen, in der ich auf einige grundlegende Aspekte dieser Theorie eingehen möchte. Die Serie schließt sich thematisch an dem Beitrag „Vier Regeln für Physiker“ an, in dem ich argumentierte dass die QT diejenige physikalische Theorie ist, an der am ehesten ersichtlich ist, dass der materialistische bzw. (modern) physikalistische Ansatz nicht stimmt. Ich gehe sogar davon aus, dass er eine Weiterentwicklung in der Physik (absichtlich?) verhindert, z.B. die Lösung des quantenmechanischen Messproblems, aus das ich im Laufe der Serie noch näher eingehen möchte. Nebenbei bemerkt behindert der Physikalismus meiner Meinung nach ebenso eine Weiterentwicklung in vielen (vielleicht sogar allen?) Natur-, Geistes-, und Gesellschaftswissenschaften, von der Biologie über die Ökonomie und Soziologie bis hin zur Philosophie (genauer gesagt: Der Physikalismus ist eine Philosophie) und Theologie; aber darüber möchte ich in dieser Serie nicht schreiben, es soll, wie bereits erwähnt, um die Quantenphysik gehen. Es geht um die Frage, ob, und wenn ja (wovon ich, wie ich bereits schrieb, ausgehe), inwiefern sie das geschlossene physikalistische Weltbild durchbricht. Durch das Schreiben versuche ich, mir mehr Klarheit über die Implikationen dieser Theorie zu verschaffen. Falls dabei auch noch eine Diskussion zustande kommen sollte, um so besser.

Laut der QT ist ein physikalisches System vollständig durch ein mathematisch definiertes Objekt, den sog. quantenmechanischen Zustand (oft auch als Wellenfunktion bezeichent) vollständig beschrieben. Nun deutet aber alles darauf hin, dass der qm Zustand nicht nur von dem physikalischen Zustand des Systems, sondern auch von von dem (subjektiven!) Wissen abhängt, das wir über ihn haben: Bei einem geänderten Wissen über ein und dasselbe physikalische Objekt kann sich auch der qm Zustand ändern, ohne, dass in irgend einer Weise physikalisch auf das Objekt eingewirkt wurde. Das unterscheidet die QT radikal von den sog. klassischen (d.h. nicht-quantenmechanischen) Theorien, wie z.B. der Newtonschen Physik. Letztere beschreibt z.B. den Zustand des Sonnensystems an einem bestimmten Zeitpunkt durch die Orte und die Bewegungsrichtung und -geschwindigkeit aller Planeten, Monde und sonstigen Himmelskörper, und dieser Zustand ist völlig unabhängig von dem Wissen, das irgend eine Person über die Welt hat. Eine klassische Theorie funktioniert auch ohne Personen; die QT jedoch höchstwahrscheinlich nicht. Die Physik weiß heute aber, dass die klassischen Theorien nicht stimmen, und dass die QT eine wesentlich bessere Beschreibung der Realität liefert. Was natürlich nicht heißt, dass sie der Weisheit letzter Schluss sein muss.

Den Physikalisten ist die Vorstellung, dass die objektive Welt von dem Wissen, das jemand über sie hat, abhängt, ein Greuel. Deshalb haben sie zwei verschiedene Ansätze vorgeschlagen, um dem qm Zustand die Subjektivität auszutreiben: Der erste dieser Ansätze sind die sog. Theorien versteckter Variablen. Diese gehen davon aus, dass die statistischen Wahrscheinlichkeiten der QT daher rühren, dass es unterhalb der Quantenebene eine deterministische Physik gibt, die bisher noch unbekannt ist. Dann wäre die QT nur eine phänomenologische Theorie dieser noch grundlegenderen Physik. Der zweite Ansatz ist die sog. Vielwelteninterpretation, die die QT in „Reinform“ akzeptiert, aber annimmt, dass der qm Zustand ausschließlich den objektiven physikalischen Zustand der Welt repräsentiert. Das kriegen sie aber nur hin, indem sie fordern, dass alle quantenmechanischen Möglichkeiten so zu sagen gleichzeitig in Paralleluniversen realisiert sind. Beide Ansätze lohnt es sich, einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

Im Folgenden eine kurze Stoffsammlung für Themen, die für die Serie „Quantentheorie“ in Frage kommen:

* Kopenhagener Interpretation
* Verschränkung
* Quantenteleportation
* Heisenbergsches Unschärfeprinzip
* Quantendekohärenz
* Versteckte Variablen und Bellsche Ungleichung
* Vielwelteninterpretation
* Quantentheorie und Bewusstsein

Natürlich gibt es daneben noch wesentlich mehr Themen. Auch das simple Beugungsexperiment am Doppelspalt lohnt sich sicherlich einmal genauer anzusehen, von dem Richard Feynman einmal sagte, dass dieses simple Experiment bereits das ganze Geheimnis der Quantentheorie beinhalte.

Weiter zu Teil 1: Henry Stapp

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s