Von Viren und Religionen

Religion ist doch kein Virus:

Die Memetikerin Susan Blackmore veränderte ihre Haltung zur Religion, weil diese kein „schädliches“ Mem sein kann, wenn die Religiösen mehr Kinder als die Atheisten haben

Eigentlich ist es ein ziemlicher Schwachsinn, jeden Quatsch immer gleich mit der Evolutionstheorie erklären zu müssen, aber manchmal mag es hilfreich sein. Die Idee mit den Memen vom Herrn Dawkins finde ich zum Beispiel recht gut. Natürlich ging es ihm bei der Erfindung der Memetik im Wesentlichen darum zu beweisen, dass alle Religionen Mist sind. So soll es nützliche Meme (wie die wissenschaftliche Methode) geben, die überleben, da sie ihren Trägern (= uns Menschen) Überlebensvorteile bieten, und unnütze, die ihren Trägern zum Nachteil sind und deshalb aussterben. Und dann halt noch die Viren, die sich zwar erfolgreich auf Kosten ihrer Träger ausbreiten, aber zerstörerisch sind und unbedingt vernichtet werden müssen. Also die Religionen eben. Da kann man sich natürlich die Frage stellen, nach welchem Kriterium denn dann die „nützlichen Meme“ von den „Viren“ zu unterscheiden sind, da doch beide erfolgreich in ihrer Ausbreitung in den Hirnen ihrer Träger sind. So hat sich das Bestseller-Mem „Der Gotteswahn“ zwar rasant ausgebreitet, aber ist es deswegen ein nützliches Mem oder ein Virus? Im Kontext des Darwinismus gibt es doch kein gut oder schlecht, ja nicht einmal ein richtig oder falsch, sonder nur Erfolg oder Misserfolg. Da werden Sie wohl an ihrer atheistischen Philosophie noch etwas basteln müssen, Herr Dawkins!

Genau dieser Schwachpunkt ist der atheistischen Memetikerin Susan Blackmore jetzt wohl auch aufgefallen. Wenn die Religions-Meme ihre Träger offenbar nicht daran hindern, sich zu vermehren, kommt man leicht in Erklärungsnot wenn man begründen will, warum es sich dabei um einen bösartigen Virus handeln soll, wenn man um jeden Preis innerhalb einer darwinistischen Argumentationskette bleiben will. Darum stellt sich Blackmore also die richtige Frage, welchen evolutionären Sinn (obwohl es so etwas im D. nicht gibt) die Religionen denn haben könnten, obwohl sie nach ihrere Überzeugung ja alle falsch (obwohl es auch „falsch“ im D. nicht geben kann) sind.

Ich möchte diesen Atheisten jetzt mal entgegenkommend sein, und ebenfalls innerhalb des Darwinismus argumentieren. Der Sinn der Religionen könnte sein, dass es nur in einem religiösen Weltbild so etwas wie Moral entwickeln konnte. Lehnt man alle Vorstellungen von einer geistigen Realität konsequent ab, muss man zwangsläufig immer wieder zu dem Schluss kommen, dass es keine Moral geben kann. Tatsächlich behaupten ja auch viele heutige Philosophen, dass man alle Vorstellungen von Moral oder einem Naturrecht aufgeben müsse. Es gebe nichts an sich Gutes und Schlechtes, sondern nur anerzogenes Moralempfinden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Druck zum „Physikalismus“, der alle geistigen Realitäten ausschließt, in der Uni-Philosophie heute so groß ist, wie es der Philosphie-Prof Thomas Metzinger sagt.

Da Moral aber für den Fortbestand der Menschheit überlebensnotwendig war und immer noch ist, mussten sich Religions-Meme entwickeln. Der amoralische Neoliberalismus, der heute fast alle Bereiche unseres Lebens beherrscht, konnte sich nach dieser Logik nur aus einem physikalistischen, atheistischen Weltbild heraus entwickeln und nicht aus dem Christentum, wie das in manchen linken Blogs behauptet wird.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Ich möchte keinem Atheisten absprechen, dass man nicht moralisch handeln kann, wenn man die traditionellen Religionen ablehnt. Aber mit den vielen Widersprüchen, die ein ausschließlich physikalistischer Ansatz mit sich bringt, sollte man (= der gemeine Atheist) sich schon einmal Gedanken machen, sonst wird man irgendwann nicht mehr ernst genommen.

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